Unterwegs im Magicbus

Autor: Chérie (Seite 19 von 28)

Alle da in San Franscisco

Die ruhigen Tage im Sugarloaf waren bitter nötig. Nachdem uns am zweiten Tag eine tiefe Reisemüdigkeit ereilte wurde uns klar, dass wir irgendwo neu sondieren müssen. Das tägliche Fahren, die täglichen Wechsel fühlten sich auf einmal extrem anstrengend an: im Nachhinein. Derweil ist es uns gar nicht explizit aufgefallen.
Die Dauerbelegung der Statecamps tat sein Übriges: länger als eine Nacht bleiben war in Oregon und in Nordkalifornien gar nie möglich. Strand und dicke Bäume sind auch im Oktober extrem beliebt, selbst wenn wir gewollt hätten, wäre es uns gar nicht möglich gewesen, je länger als eine Nacht zu pausieren. Auch das ein Nervfaktor im Nachgang. Und die Wörter im Hirn schwiegen. Die Inspiration zum Schreiben war ebenso weg. Wie die Lust aufs Weitereilen.

Entsprechend brauchten wir diese Pause dringend. Nicht bewegen, nicht schreiben. Einfach nur mal sein. Ohne Bilder, ohne schriftliche Doku. Um ein wenig zu innerer Ruhe zu kommen, um zu überlegen, wie unsere Reise ab hier weiter gehen soll. Gut weitergehen, genießend, nicht eilend.
Nach drei Tagen stehen einige Dinge neu fest: wir wollen länger an einem Ort bleiben, wenn möglich. Die Blogs werden nicht mehr allzu detailliert. Zumindest nicht täglich – weil sich das nach zwei Monaten irgendwann wie Arbeit anfühlte. Das soll es nicht. Es soll Freude machen.

Im Sugarloaf, im Sonoma Valley, der Weinregion Kaliforniens haben wir drei Tage einfach nur gelebt.
Das ging auch, da der Campground erst am Wochenende wieder bis auf den letzten Platz ausgebucht war. Wir kamen ja –Gott sei Dank– bereits am Mittwoch, der sich bis Freitag füllte mit einem Spaziergang über durstige Hügel, den Truthähnen und Rehen hinterher schauen, gute Bücher lesen, Reiseinspirationen holen, ein Feuer machen, gemütlich kochen, lecker essen, ausgiebig schlafen, viel reden, viel schweigen, den eigenen Gedanken nachhängen, uns zu entschieden, wohin wir als nächstes reisen.
„Don´t forget the magic“, stand auf einem Straßenschild in Richtung hierher. Ab jetzt halten wir uns strikt daran.

Wie an jedem Wochenende ist gestern, am Freitag, im Sugarloaf die Hölle ausgebrochen: jeder Platz besetzt mit feuerlustigen Menschen und alle in bombastischer Ferienstimmung.
Wir sind heute Morgen die ersten, die um sieben aus der Koje kriechen, gemeinsam mit unserem wortkargen Nachbarn aus Alaska. Der braucht aber –genau wie wir– erstmal drei Kaffee, um auf Betriebstemperatur zu gelangen. Es ist also ein ruhiger Morgen nach der wilden Partynacht.

Um neun rollen wir los. Das Batterielämpchen leuchtet noch immer. Chouchou hat in den Sugarloaftagen versucht es zu reparieren: leider erfolglos. Das soll uns heute trotzdem nicht aufhalten, denn die Hippiehauptstadt ruft. Das Lämpchen ist erst später dran. Denn: Magic first.

Mit Magie geht’s dann auch gleich los. Um 09:22h schiebt sich –einfach so– der Mond vor die Sonne: Sonnenfinsternis kurz nach Sonnenaufgang in magical California. Man soll ohne Brille nicht direkt hinschauen, das wissen wir, die Blicke aber lassen sich kaum abwenden von diesem unglaublichen Phänomen, das wir beide noch nie erlebt haben.

Beim Einkaufen in Sonoma, ein Ort wie im Film, treffen wir einen plaudrigen Kassierer. Kasse dauert länger als das Wandeln durch alle Gänge, nett ist das. Natürlich haben wir kalifornischen Wein im Körbchen … und Blumen.

Wir rollen an endlosen Weinfeldern und gelben Hügeln vorbei, auf denen schwarze Kühe mit ihren Kälbchen stehen. Sonnenschein in Kalifornien – hier regnet es vielleicht wirklich so gut wie nie, meinen auch die Palmen und die Kakteen.

Auf einem sündhaft teuren und endlos gruseligen RV-Platz parken wir gegen Mittag ein. Die Umgebung hier soll uns piepegal sein. Wichtig ist, dass die Fähre von hier aus zu Fuß erreichbar ist. Die Fähre nach San Franscisco Downtown.

Mit der cleveren Clippercard checken wir pünktlich um eins am Terminal ein. Natürlich mit flowers in the hair. In der Menge sehr bunter Menschen –die Vorhut– fallen wir nicht damit auf.

Bis in die Stadt sind es dreißig Minuten: vorbei am Gefängnis von San Quentin (noch aktiv), in dem Johnny Cash seine begeistertsten Zuhörer hatte. Vorbei an Alcatraz – nicht mehr aktiv, der Versuch rüber schwimmen zu wollen vollkommen nachvollziehbar. Vorbei an der Golden Gate Bridge – heute nicht im Nebel. Chouchou meint, sie kann durchaus mit der Hohenzollernbrücke in Köln mithalten.

San Franscisco in angemessenen Worten zu beschreiben ist unmöglich. Viele –umso Talentiertere– haben es versucht und, trotz allem, kaum den Puls der Stadt textlich zu greifen bekommen.
Und da der Vorsatz ja ist, die Blogs kompakter zu halten, nur dies:

San Franscisco ist ein Potpourri der Gegensätze:
Am Hafen ist die Hölle los. Es duftet nach Fisch, undefiniertem Geräuchertem und dicken Schwaden von Cannabis.

Durch die Wolkenkratzerfluchten schieben sich bergauf und bergab Menschen aller Couleur: die Kreativen, die Erfolgreichen, die Bunten, die Modernen, die Großen und die Kleinen, die Wilden, die Touristen und die Verlorenen – der American dream ist schließlich nicht für jeden.

In Haights stehen bunte, alte Häuser von Bougainvilleas umarmt: wo ist der Mietvertrag? Ich unterschreibe sofort. Grüne Parks, Vintageläden, anarchistische Buchhandlungen, hippe Cafés.

In fünf Stunden gelangen wir in eine propälestinensische Demo, die unappetitlich aus dem Ruder gerät und in ein Technofestival, für das ein gesamter Straßenblock gesperrt wurde, zwei Straßen weiter.

Wir essen unbedarft in Mexico, schlendern über die Hippiemeile, unbemerkt vorbei an Jimi Hendrix´ Wohnhaus, an Sternerestaurants, Straßenmusikern, Weltuntergangspropheten, Malern, Cracksüchtigen, der weltberühmten Straßenbahn, die per Hand gedreht wird.

Wir fahren Bus durch verschiedene Welten, nachdem die Füße genug bergauf getrippelt sind. Die Globetrottels in der Welle einer Stadt, die einen enorm hohen Freakfaktor aufweist. Wunderschön ist das.

Zurück am Hafen erwischen wir auf den letzten Drücker die Sonnenuntergangsfähre.
Pelikanartige krächzen in der Bucht, ein Seehündchen schaut freundlich auf die bunte Besatzung.

Die Golden Gate Bridge liegt mittlerweile im Nebel und an der Wolkenformation erkenne ich, dass wir nicht alleine hier sind.

San Franscisco: Hier sind wir nicht alleine. Alle sind da.
Und wenn ich schreibe: alle, dann meine ich auch: ALLE.

Redwoods: Uralte Giganten

Globetrottels-TV deckt auf: Der Songtext, in Kalifornien würde es niemals regnen ist eine verlogene Verschwörung der Hippiekommune. In Kalifornien regnet es –zumindest 55 Jahre nach 1968—sehr wohl. Heute zum Beispiel.

Der Gold Bluff Beach steht am Morgen en gros unter Wasser. Und wir beim Kaffeekochen in Crocs knöcheltief mittendrin.
In der Nacht haben wir uns bereits gewundert, dass das Meeresrauschen in Dolby Surround gespielt wird, ahnend dass es wohl das Echo der Felswände gewesen sein muss. Um acht sieht es eher so aus, als habe der Pazifik uns wirklich komplett umspült: Flut in der Totalen direkt bis an den Bulli ran. Von oben und der Seite.

Das Einpacken im Platzregen macht uns wenig aus. Viel eher sorgen wir uns wegen der Rückfahrt.
Bereits gestern stellte sich der Weg hierher nur ganz eben noch als Magicbus-tauglich heraus. Ein Dauerregen während der Nacht wird die Straßensituation eher herausfordernder als einfacher gemacht haben. Und ganz genau so ist es.

Die Schlaglöcher stellen das kleinste Problem da: da wir die 15 Kilometer bis zum Highway in Schrittgeschwindigkeit fahren, zirkeln wir entweder drum herum oder dippen in Zeitlupe hinein. Das passt. Das Problem aber stellen die Hänge da, die wir wieder rauf müssen. In durchweichtem Schotter und mit Steigungen bis zu 20 Prozent. Das erneut leuchtende Batterielämpchen macht uns auch nicht unbedingt mehr Mut, aber es hilft ja nix: da müssen wir drei nun durch.
Der Bulli kämpft sich im ersten Gang wacker die ersten Berge hoch. Auf dem Schotter aber wird es eng.
Mit schwimmenden Vorderreifen aufwärts, dreht er bei den härtesten Steigungen immer wieder durch – wirklich kein Gelände für einen alten Magicbus, der zu Malaisen neigt, wirklich kein Gelände für dünnhäutige Globetrottels ohne Frühstück im Bauch. Wobei!? Vielleicht war es ja besser so: ein früher Happen wäre auf dieser Strecke vor Aufregung eh wieder retour gekommen.

Nach einer Stunde liegt der Offroad-Alptraum hinter uns. Eindeutig ein „Fun der Klasse B – Moment“: im Nachgang lustig zu erzählen, wenn´s auf einer Party mal langweilig wird, derweil aber uncool hoch drei. Und nun ein Applaus für den Magicbus bitte.

Bis zu unserem Ziel haben wir es heute –Gott sei Dank—nicht weit. Heute Nacht dürfen wir unter den uralten Baumriesen des Redwoodparks übernachten: ein riesiges Glück, auf dem Campground mitten im Park überhaupt ein freies Plätzchen zu bekommen. Das haben wir heute. Und können vom Camp aus auch direkt loswandern.

Es ist anders an den Riesen stundenlang entlang zu wandern, als nur mit dem Auto vorbeizufahren.
Zehn Kilometer haben wir heute zu Fuß Zeit, diese unglaublichen Baum- und Urwaldwunder zu erleben: alte Rinde betatschen, staunend den Kopf immer wieder in den Nacken legen, uns von regenglitzernden Farnen blenden lassen. Auf rotem, weichen Boden wandeln, riesige Tropfen mit der Hand fangen, Kleeblätter zählen, knallblaue Vögel mit Haarschmuck bewundern, uns auf Moosen betten. Chouchou spricht irgendwann mit den Bäumen: gute Zuhörer, seit Jahrhunderten, antworten allerdings tun sie nur still. Ein paar Barfüßler kommen uns entgegen, die „it never rains in southern california“-Fraktion. Gut, dass die kleine Schlange bereits am Anfang des Trails im Unterholz verschwunden ist, die Füße sind also safe.

Die ortsbekannten Roosevelt Elks begegnen uns hingegen nicht und auch die Pumas lassen sich nicht sehen. Eine der nettesten Warnungen überhaupt lesen wir am Trailbeginn zum Big Tree: „If you see cougar, don´t try to hide.“ Weil´s vollkommen sinnlos wäre. So wie alle anderen Verhaltenstipps. Am ehesten hilft wohl ein aufrichtig gemeintes: Good luck.

Der Big Tree ist die Sehenswürdigkeit Nummer eins im Park, weil der Name Programm ist und man sogar mit dem Auto leicht anfahren kann.
The Big Tree, ein Gigant: 90 Meter hoch, ein Umfang von knappen 23 Metern und 1500 Jahre alt. Man steht Schlange, um ein Foto mit dem Riesen zu machen. Ein Schilderwald daneben weist auf noch mehr „big trees“ im Umkreis hin, für die die meisten aber keinen Blick übrig haben. Entsprechend leer sind die Wanderwege.

Über verwitterte Brücken geht für uns alleine weiter durch den Gigantenwald, der neben seinen Dicken noch so viel mehr zu bieten hat:

Bäume, die sich zu einer Bande zusammengeschlossen haben und als Trio gen Himmel wachsen. Krumme Gesellen, die sich nach Astbruch selbst ums Eck geflickt haben. Rindengerippe entkernt mit einer Öffnung nach oben in die Wipfel. Koboldunterschlüpfe so weit das Auge reicht. Sonnenstrahlen auf leuchtenden Pilzen, die wie Blümchen aussehen. Ein plätscherndes Flüsschen.

Am nett plätschernden Flüsschen endet dann auch abrupt unser Weg. Drei Kilometer hinter der letzten Gabelung. Etwas verzweifelt suchen wir nach einer Brücke: aber da ist nichts. Der deutlich ausgeschilderte und gut ausgetretene Pfad führt an diesen dead end – Bach, der zirka einen Meter tief flott fließend vor unseren Augen vorbei rauscht. Das kann doch gar nicht sein. Und jetzt?
Auf drei Kilometer zurück über den Hügel nach mittlerweile 9 gelaufenen Kilometern haben wir ganz und gar keine Lust. Also ab ins Unterholz. Irgendwo bachauf- oder abwärts muss es doch eine besser zu passierende Stelle geben. Eine, in der wir nicht bis zur Hüfte ins Wasser müssen. Natürlich gibt es die.

Mit bloßen Füßen steigen wir ins Wasser. Kalt. Sehr kalt.
Auf den ersten Schritten ist der Gripp noch gut, auch wenn man nicht sehen kann, wohin man tritt. Doch die Füße werden schnell tauber. Fluchend wackeln wir durch das Flüsschen, innerlich schon darauf vorbereitet, dass einer von uns auf jeden Fall gleich im Bach liegt. Doch wider jeglicher Erwartung gelangen wir beide unversehrt ans andere Ufer. Mit trockenen Hosen und mit Blutegeln an der Wade. Wie gut, dass der best-equipted Ehemann von allen tatsächlich ein Handtuch von irgendwo her zaubert, um die Biester schnell abzuwischen. Und um mit trockenen Füßen weiter zu gehen. Belebt und erfrischt den Abhang hinauf bis zur nächsten Weggabelung an der wir unseren Augen nicht trauen. Ich seh wohl nicht richtig…

10 Meter vom Bach entfernt liegt eine Brücke. Abgebaut. Daneben ein Schild: Seasonal bridge.

Seasonal bridge? Von der stand VOR dem Bach rein gar nichts. Nicht mal auf dem Wegweiser drei Kilometer retour. Sacrament!
Aber es ist gut, dass wenigstens die Parkenden Bescheid wissen: über diesen Bach geht’s „off season“ nicht. Für die Wandernden jenseits des Wassers ist die Information ja nicht unbedingt von Belang.

Bestens durchgekneipt erreichen wir mit frischen Zehen unser Camp. Die Nudeln mit Pilzen und doppelt Sahne haben wir uns nun wirklich verdient. Kochen in vereinzelten Strahlen der Abendsonne, die durch das dichte Blätterdach fällt. Der blaue Vogel mit schwarzem Kopfschmuck kommt vorbei geflogen, staunt über die Portionsgrößen und beschwert sich krächzend, dass für ihn nichts abfällt.

Du! Du frecher Piepmatz! Bist Du hier heute mit durchdrehenden Reifen angereist? Nee, oder?
Du! Du kiebiges Vögelchen. Hast zwar einen kaiserlichen Kopfschmuck und königsblaues Gefieder, aber bist Du gerade barfuß durch einen eiskalten Bach gewatet? Nee, oder?
Du! Du vorlautes Federtierchen. Hast Du vor ein paar Minuten mit gierigen Blutegeln gekämpft? Ich glaube es eher nicht.
Daher ist die doppelte Sahne nur für Chouchou und mich. Mit einer extra Portion Parmesan obendrauf.
Flieg Du, Du wunderschöner, kleiner Dieb und Kind der Sonne, mal ganz schnell weiter goldene Würmchen suchen.
Denn das nächste Abenteuer wartet nicht lange.
Weder auf die Globetrottels, noch auf nordamerikanische Verwandte der Blauhäher.

California dreaming: Love is in the air on a hippie birthday

In dicken Tropfen prasselt es aufs Dach: an diesem hohen Feiertag. Der Himmel will sich heute Morgen keine Mühe geben – wohl, weil ansonsten alles stimmt, da der tollste Mensch von Welt Geburtstag hat.

Nach dem Aufstehen gibt es ein improvisiertes Törtchen. Statt Kerze versuche ich einen Holzspan zu entzünden: genauso erfolgreich wie vor zwei Tagen. Der Wille aber zählt: Happy Birthday, Chouchou! Wie schön, dass Du die Welt im letzten Jahr lebenswerter gemacht hast. Auf ein Neues – voller Abenteuer und unvergesslicher Erlebnisse. Ich finde Dich ganz wunderbar – den Wunderbaresten von allen!

Im Regen lassen wir uns Zeit. Nach Geburtstagsküchlein gehe ich erstmal ausgiebig duschen, während Chouchou seine zahlreichen Glückwünsche beantwortet und danach –zur Feier des Tages– auch unter den heißen Strahl huscht.
Eier im Regen und Melone fürs Sommergefühl, vor eins wird am Harris Beach nicht abgeräumt. Denn auf die Bütterkes müssen noch Avocados drauf und Tillmooker Käse. Wir starten diesen Tag zweifelsohne nicht hungrig.

Die Frage, was wir einander zum Geburtstag schenken ist schnell beantwortet: eineinhalb Jahre Zeit miteinander. Die muss man nicht mal auspacken, nur anpacken. Im Konkreten heißt das heute: mit einem Magicbus nach Kalifornien zu reisen. Wenn Hippieträume wahr werden…

Kalifornien hat eine eigene Kontrollstation. Wir wundern uns über große Schilder, die auf das Aussetzen von Tieren 1000 Dollar Strafe androhen. Der Kontrollbeamte fragt uns nach Feuerholz, Obst und eben Tieren. Wir verneinen: zweimal aufrichtig und einmal mit latent schlechtem Gewissen. Das erste, was wir in Kalifornien also machen müssen, ist den Herkunftsnachweis vom Holz entfernen. Und uns fragen, wer bitte so assi ist seinen Hund vor der Grenze auszusetzen, nur um einmal im Leben nach San Franscisco zu kommen. Leute gibt’s…

Kalifornien begrüßt uns weder mit Surfern, noch mit Blumen im Haar, geschweige denn Sonnenschein. Kalifornien begrüßt uns mit goldenen Bären an der Brücke des Klamath Rivers. Gleich danach folgt der Vergnügungspark: Trees of mystery. Als Auftakt der Redwoods.

In den Redwoods stehen die ältesten Lebewesen der Welt. Riesige Bäume, die teils bis zu 2000 Jahre alt sein sollen und deren Kronen bis in den Himmel und darüber hinaus ragen.
Wir parken den Magicbus vor einem der Tausende – der Stamm dicker als der Bulli, die Rinde weiser als Methusalem. Alten Tropfen beim Fallen zuschauen, schreiende Stille zwischen Riesen – ein Wald, der einem den Atem raubt. Trotz des Überflusses an Sauerstoff.

Eine abenteuerliche Straße führt an den Gold Bluffs Beach. 15 Kilometer durch enge Wälder, enorme Steigungen und zu guter Letzt fünf Kilometer auf schön nassem Schotter mit tiefen Schlaglöchern. Die Straße ist –besonders für einen Magicbus– zum Luft anhalten. Wie gut, dass wir den zuvor geraubten Atem hier also nicht brauchen. Und der erste, fromme Wunsch geht schon in Erfüllung: mehr Abenteuer. Mitten drin weiß man mnachmal nicht mehr, ob man die dann wirklich haben will.

Schlussendlich aber wird alles gut und werden wir an einem goldenen Sandstrand ausgespuckt: Gold Bluff Beach. Unser erstes Strandcamp in California, das Chouchou-Geburtstags-Camp. 50 Meter vom Pazifik entfernt, Baumriesen im Nacken, vor schroffem Fels, eine wilde Bande Gänse fliegt lautstark Richtung Mexiko. Ein äußerst angemessener Ort für den Anlass.

Den Rest des Tages wandeln wir am Meer entlang: Wellen in dustigem Licht beim schäumen—brechen—angrabbeln– weich abfließen hinterher schauen. Mit uns sind nur noch Niles und Chayenne da, die im Sonnennebel auf einer Decke kuscheln.

Als wir vorbeischlendern spricht Niles uns an: ob wir bitte kurz mitkommen könnten, um Fotos von den beiden zu machen. Eine unkonventionelle Frage –natürlich machen wir das!– und folgen ihm zur Decke, auf der die erstaunte Chayenne hockt und wartet.
In dem Moment, da wir die Kameras zücken, kniet Niles sich in den goldenen Sand. Der Ring funkelt im nebeligen Zwielicht, eine Möwe kreischt, Chayenne nickt. Sie sagt: Ja!

Vor Rührung breche ich fast in Tränen aus. Wie schön ist das denn!? Unser erster Heiratsantrag – außer dem eigenen, der in Joggingbuxe und mit welken Biorosen auf dem Balkon natürlich noch einen Tick romantischer war. Und das an Chouchous Geburtstag. Was für ein gutes Omen – für alle vier von uns. Möge ein kalifornischer Segen mit ihnen sein: Niles und Chayenne für immer.

Die Sonne geht in einem spektakulären Zwielicht über dem Pazifik unter.

Geburtstagbeachcamp in California.
Wir werden es uns heute Abend gut gehen lassen:
Mit Wind im Haar und Liebe in der Luft. Was für ein grandioser Kalifornienauftakt.

OregonCoast, letzter Akt: Von Setzkastenerinnerungen, magischem Küstendauernebel und einem Zombieeinhorn namens Sir Hilly

Aus unserem großspurig angekündigten Feuerchen wurde nichts. Die Globetrottels als schlechteste Firestarter der Welt mit jeder Menge feuchtem Montagsholz: es war ein Fiasko. Nach fünf kläglich angekokelten Scheiten haben wir aufgegeben. Vollkommen angesickt. Dann gucken wir eben Tatort. Was Paare im achten Ehejahr eben so tun an einem Samstag: den Sonntag vorziehen.

Der Sonntag Morgen begrüßt uns mit Sonnenschein. Noch vor dem Frühstück geht es zum Strand – eineinhalb Kilometer durch weichen Sand und Pinienartige. Frühsport ungeplant und unerwartet anstrengend. Auf dem einzigen soliden Wegstück – dem Sanderlösungssteg—sitzen Meditierende, sehr wahrscheinlich aus reiner Bosheit: Stegklau in meilenweiter Sandodyssee.
Immerhin empfängt uns der Pazifik in glasklarem Blau. Das letzte Mal am heutigen Tag: tiefes Blau. Denn Nebel beginnt bereits jetzt aufzuziehen.

Um elf verlassen wir den Bullard Beach: die vermeidlichen Kanadier reisen weiter. Zumindest verabschiedet uns die Dame am Müll als solche, weil sie das Nummernschuld nicht zuordnen kann. Es kann nur Kanada sein. Oder Mexiko.

An den Straßenrändern hinter Bandon – achtzehn Mal echtes Stopp!– wird im Restsonnenschein Glasgeblasenes angeboten. Und plötzlich werden Kindheitserinnerungen wach:
Vor mehr als 35 Jahren bot mir ein Einäugiger auf unserem Grundschulhof –sehr wahrscheinlich hinter einer dicken Eiche versteckt—ein blau-gelbes Minivögelchen in einem Samtbeutel an. So zart und wunderbar (Vögelchen und Beutel), dass ich sofort schockverliebt gewesen bin. „Nur drei Mark für dich,“ sagte der Zwielichtige – bei einem Taschengeld von 50 Pfennig pro Woche recht viel, aber was sollte ich machen? Es war eben Liebe auf den ersten Blick– und so musste ich es einfach kaufen.
Mehrere Jahre hat es dann sein restliches Leben in meinem Setzkasten gefristet – als größter Schatz von allen bis ich in die Pubertät kam. Da hat sich der Vogel dann mit einem beherzten Sprung einfach suizidiert. Vor den Augen der Schlümpfe und Happy Hippos, die zwei Kästchen niedriger standen.
Vollkommen nötig, so eine gekränkte Aktion…

Am Capo Blanco ist die Sonne aufgebraucht. Nur 6 Meilen vom Highway entfernt liegt der westliche Punkt der Lower 48: auf einem vom Winde verwehten Kap im fließenden Dauernebel, der uns heute nicht mehr verlassen wird.
Der kurze Ausflug hierher ist wie die Reise in eine andere Welt, wie ein Tripp in eine andere Klimazone. Beim Aussteigen fliegen uns die Türen aus der Hand. Es ist bitterkalt, der Nebel so dicht, dass die Sicht gleich Null ist. Walhalla im Sturm – sehr lange halten wir es nicht aus in unseren dünnen Büxkes. Aber toll, hier gewesen zu sein.

Freundliche Schilder geleiten uns zurück auf den Highway 101. Sonne im Herzen der Einheimischen ist nötig im „Capital of fog“.

Im netten Port Orford mit seinen bunten Häusern und einladenden Cafés gehen wir einkaufen.
Große Plakate danken den Feuerwehrmännern, die sich bis vor kurzem voll ins Zeug gelegt haben, um die umliegenden Orte zu schützen. Die Kassiererin im Supermarkt spricht mich mit „honey“ an – in einer Welt, die erst gerade wieder einigermaßen in Ordnung scheint. Feuerfrei für Freundlichkeiten dank Feuer frei – vielleicht aber war es auch schon immer hier so. Freundlich von Hause aus.

In diesem Ambiente passt es auf jeden Fall, dass ich mir mein allererstes Souvenir auf dieser Reise zulege. Eines der besten Produkte, das ich in meinem ganzen Leben je gesehen habe. Nach dem blau-gelben Vögelchen natürlich, aber genauso schockverliebt wie damals.
Und das Allerbeste ist: dieser Mini wird sich in Zukunft nicht suizidieren können! Da soll nochmal jemand sagen, ich würde ja rein gar nix in meinem Leben dazulernen. Doch, tu ich!
Ich taufe ihn auf den Namen „Sir Tail-hillock“ (deutsch: Herr Schwanz-Buckel), kurz: „Sir Hilly“.

Am Harris Beach bleiben wir heute Nacht. Herr Seibold checkt uns als Oregonesen ein – an unserem letzten Tag in Oregon. Wir sind zufrieden mit der Einbürgerung. Und das Camp ist auch toll. Und der unerwartet wiederbelebte Hauch von Sonne ebenso, unter dem sich ganz hervorragend Blumenkohl überbacken lässt.

Kleiner Verdauungsspaziergang zum Strand. Bei Nebel mit einem Hauch Sonne. Wir erwarten eigentlich nichts anderes als das, was uns seit ein paar Tagen schon beglückt: Pazifik im Schwanzpuckelwetter eben. Doch Oregon soll uns auf ein Neues überwältigen.

Mit Nebel und Salz im Haar staunen wir uns das Licht entlang. Ein Licht, wie wir beide es noch nie gesehen haben. Es wundert nicht, wenn Menschen in dieser Region der Erde zur Mystik neigen. Wie sollte es auch anders gehen, wenn der größte Ozean der Welt hier so aussieht?

Am Abend heizen wir uns im Nebel ein: Chouchou und ich, das trockene Holz, das wir gekauft haben uns aber nicht trauen anzuzünden, damit wir uns nicht zweimal in 24 Stunden die Blamage geben, als Köhler entlarvt zu werden. Sir Hilly schüttelt etwas ungläubig den knochigen Schädel. Das darf er.
Denn am letzten Abend in Oregon ist alles erlaubt.
Alles, außer aus dem Setzkasten zu springen!

1,2 Polizei; 3,4 Meerestier; 5,6 Fels auf Ex; 7,8 Schwanzpuckelwetter

Laut Wetterbericht sollen die Dünen Oregons heute in strahlendem Sonnenschein liegen. Der klaren Nacht nach zu urteilen, würde das durchaus Sinn machen. Doch das Wetter richtet sich nicht immer nach der Sinnhaftigkeit. Oder der Ansage der Iphone-Wetter-App.

Statt strahlendem Sonnenschein herrscht Nebel. Den gesamten Tag. Mystischer Nebel … über Dünen, Meer, Steinen und Wald. Ein Nebel, den es eigentlich nicht geben dürfte. Was für ein wunderbares Sinnbild…

Gegen Mittag verlassen wir den Honigmann:* For goodbye so long,* Du Bienenvogel, the road calls again. Highway 101.
Mal wieder geht es vorbei an herrlicher Natur, an DriveInn-Kaffeebüdchen, an Marschland, Dünen und einer Galerie in einem Totort kurz vor Reedsport, die einer allseits präsenten Bedrohung ein Namensdenkmal gesetzt hat: Welcome to the TsunamiGallery.

Auch über dem Umpqua River Lighthouse liegt fließender Nebel wie weiche, fluoreszierende Butter. Ein Witzbold hat diesen Ort zum Walaussichtspunkt erkoren. Und Ferngläser, die auf dunstige Dünen blicken. Immerhin lernen wir, dass uns gestern ein sachlicher Fehler unterlaufen ist: Die vermeidlichen Buckelwale waren gar keine. Vor der oregonischen Küste schwimmen Grauwale – kleiner als Buckelwale und sehr viel träger. Quod erat demonstrandum.
Gut zu erkennen sind sie an ihrer Auf- und Abtauchtechnik. Jetzt sehen wir es auch. Gut, dass der Witzbold ein Infoblatt aufgehängt hat.

North Bend und Coos Bay – beides Gebrauchsstädte. Fliegende Händler verkaufen Kratom, ein Blatt das psychoaktive Substanzen enthält. Wie sonderbar, dass das hier erlaubt ist. Noch nicht zu Ende gewundert sind wir auch schon in Bandon.

Bandon, ein niedliches Örtchen mit einem guten Geist und sehr vielen touristischen, bunten Lädchen. Wir aber kommen wegen der Felsformationen von denen Tom, unserer Müslicampnachbar aus dem Pumacamp uns erzählt hat. Wir sehen sie bereits vom Parkplatz auf der Klippe.

Vorbei an einem Müllpuffin, steigen wir im Dunst die Treppen zum Strand hinab. Ebbe.
Mit uns sind Menschen mit Eimerchen da. Menschen, die auf den Boden starren. Menschen, die anscheinend wenig Interesse für die mystischen Felsen vor die Küste haben, die meisten am ehesten nur zu ahnen.
Irgendwann kann ich meine Neugier nicht mehr zügeln und muss fragen: „Entschuldigung. Was bitte sammeln Sie da?“ Muscheln werden es hoffentlich nicht sein, denn vor denen wird auf großen Schildern gewarnt: Careful toxic!
„Agats“, sagt der bemützte, ältere Herr aus Utah. „Ein Rentnerhobby, damit man etwas zu tun hat“, sagt die kniende Lady aus Colorado. Agats? Google findet leider keine aufhellende Übersetzung , es sei denn, man würde etwas mit „Agate“ anfangen können. Die Agate, die ich kenne, passt auf jeden Fall in kein Eimerchen.

Es braucht Hände, Füße und Eimerchendemonstration bis wir zwei Begriffsstutzigen endlich verstehen: die Menschen suchen nach Achat. Netterweise erklärt die kniende Lady uns auch, woran wir die erkennen können. Am „shining through“. Ab jetzt suchen wir fiebrig mit.

Ein Seehund in der Brandung, zwei auf Felsen, ein Alienartiges und ein Steingrauwal im Sand später sind meine Taschen zum Bersten voll.

Stolz wie Oskar erkenne ich erst sehr viel später, dass 98% der vermuteten Schätze ganz und gar nicht „shining through“ sind. Aber für den Moment hat es sich gelohnt: der Glaube, eines der erfolgreichsten Achat-Trüffelschweine der Welt zu sein. Und wer weiß: vielleicht sind fünf ja wirklich echt!? Durchscheinend sind sie – zumindest.

Noch immer herrscht Schwanzpuckelwetter: Wetterlage „Nebel, wenn Sonne angesagt ist. Aber lau und ohne Sprüh“. Heißt für uns seit heute so – einfach so.

„Und wie ist das Wetter heute bei Euch?“
„Ach, Schwanzpuckelwetter halt. Eigentlich ganz schön.“ Und dann passiert uns das, was nur in unseren kühnsten Alpträumen passieren sollte: hinter uns geht eine Sirene an.
Anhalten, Polizei. In Amiland.

Chouchou hat ein Stoppschild überfahren und der einzige Cop in ganz Bandon hat es gesehen. Wir halten unter einer discoesken Mischung aus Blau- und Rotlicht. „Chouchou, lass bloß die Hände am Lenkrad, sonst schießen die!“ Zwei angstverschwitzte Globetrottels hinterm Steuer, reuig und so lieb wie geht. „This conversation will be recorded!“

Natürlich wird mal wieder alles gut. Mit eingezogenen Köpfen und unter endlosen Beileidsbekundungen: „Sorry Sheriff, we messed that up.“ lässt uns der schwer bewaffnete Staatsdiener eher gelangweilt ohne Strafe ziehen. Kein Loch im Kopf, aber Buxe voll, fahren die Globetrottels noch langsamer als je zuvor weiter. Und halten an jedem Stoppschild in Bandon fast fünf Minuten lang. Weil sicher sicher ist.

Trotz der Verzögerung durch achtzehn Stoppschilder erreichen wir die heutige (und wegen Wochenende gestern extra vorgebuchte) Nachtheimat für unsere Verhältnisse recht früh: Bullard Beach. Eine bestens gelaunte Rangerin sitzt am Empfang und knallt uns–einfach weil sie es kann—erstmal ein Upgrade um die Ohren: Ihr werdet schon sehen, der Platz ist viel besser. (Fürs Phantom: B28) Und möglicherweise weil wir noch immer so mitgenommen aussehen von unserer Beinah-suicide by cop-Nummer, fügt sie lächelnd hinzu: Wilde Tiere seien nicht „around“, da bräuchten wir uns keine Sorgen zu machen. Nur ein paar Waschbären trieben auf dem Platz ihr Wesen. Die dicken Truthähne im Hintergrund lachen gurgeln (so lange noch nicht Thanksgiving ist) und monströse Nacktschnecken verziehen sich –mit etwas Hilfe– kommentarlos in Unterholz. Beides Geschöpfe, die der liebe Gott geschaffen hat, weil irgendwer ja mit Charakter, denn mit seinem Äußeren glänzen muss. Globetrottelsstyle und willkommen in Bullard Beach.

Heute werden wir endlich mal wieder ein Feuerchen machen.
Ein Feuerchen für Seehunde, ein Feuerchen für Achats.
Ein Feuerchen für Truthähne (nein, ihr werdet nicht gegrillt), ein Feuerchen für monströse Nacktschnecken (vous non plus) und eines für die Globetrottels.
Und das alles bei allerschönstem Schwanzpuckelwetter.

Oregon Coast, Kapitel 2: Von faulen Buckelwalen und dem Dünen-Honigmann

Wenn man sich einen Traumtag basteln müsste, würde der wohl so beginnen: Bestens ausgeschlafen bei einer warmen Brise erwachen, süßer Kaffee auf die Hand. Drei Schritte bis zum Meer, im T-Shirt um halb acht. Eine wärmende Sonne geht über den Bergen im Rücken auf. Erst bettwarme Füße in weißem Sand, dann bettwarme Füße in eiskalte Wellen tauchen. Sich lebendig fühlen, den Sandwinden hinterher schauen. Möwengeschrei….

Leider war dies nur mein Morgen. Chouchou musste sich nach einer schlechten Nacht erstmal gut ausschlafen. Immerhin bringe ich ein Pazifiklächeln vom Strand mit nach Hause.
In unserem Pumacamp dürfen wir es langsam angehen lassen, die Oregonesen haben gemütliche Gemüter: Check-out ist erst am Mittag um eins. Das kosten wir aus und frühstücken in einer hohen Morgensonne um halb elf. Danach eine kalte Dusche – ungeplant. Der Warmhebel wollte nicht mehr als ich mit vollshampoonierten Haaren unterm Strahl stand. Wim Hof würde sich freuen – mein Immunsystem auch. Sich geschockt lebendig fühlen. Um kurz vor eins sind wir startklar für unser zweites Kapitel: Oregon Coast.

Tom und Kim von nebenan winken uns Adieu. Mit einer Packung selbstgemachten Müslis schicken sie uns zurück auf diese Traumstraße, die heute noch einen drauflegt.
Wir passieren tosende Brandung rechts, grüne Hügel links, bei 25 Grad im Schatten. Ein paar Farmen fliegen vorüber: die Kühe grasen ihr Bestes für den regional bekannten Tillamookkäse, der an Straßenständen feilgehoben wird. Große Stücke von kleinen Menschen. Auf dem ersten Rastplatz kann man über die WC-Türen schauen, weil die so niedrig sind. Vielleicht stehen neben den Kühen daher nur Miniponys: damit kleinwüchsige Tillamooker aufhüpfen können. Wer weiß es schon!?

Straßenschilder im Augenwinkel von Lincoln City: „Biden failed“ meint einer der wenigen Republikaner Oregons und „Jesus saves“ – womöglich eine Werbung der hiesigen Kreissparkasse.

Wir unterhalten uns über den Puma im Camp und landen bei Siegfried und Roy. Wir unterhalten uns über den Bärenangriff in Banff und landen bei der Erkenntnis, dass man einfach nicht an Psychopathen gelangen darf: Weder bei Bären, noch bei Menschen. Gott sei Dank passiert beides selten. Wir bleiben also Bärenfans und Menschenfreunde.

Die ganze Fahrt gleicht einem Roadtrip aus dem Bilderbuch:
Sommer, Sonne, mit geöffnetem Fenster und wehendem Haar die endlose Straße entlang. In einem gesunden Bulli Richtung Süden, auf nach Kalifornien cruisen. Es ist beschämend schön. Wirklich.

In Depoe Bay witzeln wir: eine Stadt, die rein nichts zu bieten hat, ruft sich selbst zur Welthauptstadt der Walbeobachtung aus, damit überhaupt irgendjemand irgendwann mal anhält. Wir fahren unberührt durch und wollen am Rocky Creek fünf Kilometer weiter eigentlich nur eine flotte Pipipause machen.

Das „flott“ ist schnell vergessen. Und das Pipi sowieso. In der Brandung hat die Walfangflotte von Depoe Bay schon festgemacht und wir sehen sehr schnell, wieso:
Direkt vor der Küste schwimmen drei bis vier faule Buckelwale. Nicht so agil wie der Kollege in Point Roberts, sondern ganz gemütlich vor sich hindümpelnd.
Kinnas, ist Wochenendanfang: keine Not sich übermäßig zu bewegen!
Die buckeligen Faulpelze bleiben pustend einfach an Ort und Stelle, fast zu träge auch nur eine Flosse aus dem Wasser zu heben. Fast. Ach, wie gut ich euch verstehen kann.
Und was für eine wunderschöne Gelegenheit, die sanften Riesen somit in aller Ruhe zu beobachten. Auch für uns: keine Not uns übermäßig zu bewegen. Zeit im Stillstand – staunen, freuen, demütig sein.

Diesiges Licht ruft uns irgendwann weiter, unwirklich. Weiter diese Straße entlang, weiter wie im Traum: Newport, Yachats mit seinem Leuchtturm, das Cape Perpetua, Florence.

So schön und selbstverständlich es wäre, diese Straße immer und immer weiter zu fahren – keine Nacht mehr, nie wieder schlafen, die Welt hat Sonnenauf- und –untergang einfach abgeschafft… irgendwann brauchen wir doch einen Schlafplatz. Heute in drei Anläufen.
Die Strandplätze sind ausnahmslos ausgebucht: wegen Wochenend und Sonnenschein.
Der erste Ort an dem wir halten ist leider filzig – trotz freundlichem Waschbär im Gestrüpp und einem knallblauen Vogel im Geäst. Ein Hippie.
Am zweiten hängt Betrübnis in den Bäumen. Trotz strahlendem Sonnenscheins scheint es dieser Platz problemlos auf ein Siegertreppchen der bedrückendsten Outdoor-Dunkelkammern der Welt zu schaffen.
Am dritten Plätzchen sind wir endlich richtig: „Honeyman“, mitten in der größten Dünenlandschaft der USA, den Oregon Dunes.

Hier darf heute der Sandmann kommen: zwischen hohen Bäumen und mit Dünensand zwischen den Zehen.
Der Sandmann mit seinem oregon-gewürzten Brüderchen: dem Dünen-Honigmann. Mit einem sandigen, süßen Schlaflied im Töpfchen…

Oregon Coast, Kapitel 1: Strandcamp

In unserer ersten Nacht in den USA haben wir von Zügen geträumt: große, laute, ungeölte Züge, die mitten durch die Hirnwindungen fuhren. Hoch lebe die American Railway – denn es war gar kein Traum. Enorm akustische Herausforderungen um Mitternacht, ansonsten aber war es sehr schön.

Am Morgen entdecken wir Spuren vor der Haustür. Ein Vierbeiniges hatte – anscheinend bahnunempfindlich—seine nächtliche Freude daran, auf unserem Abwaschläppchen herum zu tanzen. Seine Fußspuren dunkel auf grünem Untergrund. Ein Bonsaiwolf womöglich. Good morning Washington.

Den Evergreen State verlassen wir heute zügig — erst über eine zauberhafte Lichtstraße, dann über eine nichtssagende Autobahn. Seattle fliegt vorbei: Heimat des Grunge, Geburtsort von Kurt Cobain und Jimi Hendrix. „Smells like teenspirit“ und „All along the watchtower“ – für uns gehts weiter gen Süden.

Kurz hinter der Stadt sucht die Polizei mittels digitaler Anzeigetafel nach einem roten SUV mit dem Kennzeichen XXX und wir fragen uns, was wir wohl tun müssten, um auch dort weitsichtig angeschlagen zu werden.
„Washington police looking for a non-howling magicbus. If seen, please call…..”
If seen – denn hören kann man uns ja schließlich nicht mehr. Eine unglaubliche Wohltat.

Kurz nach Mittag passieren wir die Grenze zu Oregon über eine gigantische Brücke. Auf sich durch den Wald windenden Sträßchen geht’s deutlich weniger monoton in Richtung linksliberales Astoria: dem Ausgangspunkt unseres ersten, richtigen USA-Kapitels. Denn hier beginnt die „Oregon coast“…

Unter dem Bellen unsichtbarer Seelöwen – also Nicht-Seh-Seelöwen— verlassen wir den niedlichen Ort, der sich ein wenig nach Westernstadt anfühlt. Eine Westernstadt, die mit Austern wirbt.
Und der Pazifik empfängt uns.

Es mag auch das Wetter sein – praller Sonnenschein bei sich extrem warm anfühlenden 18 Grad—dass uns plötzliches ein mediterranes Gefühl befällt. Die Vegetation ist weniger knorrig, der Wald wirkt lieblicher. Nur weniger wild ist es hier nicht. Das merken wir spätestens an dem „Elk“, der kurz vor Cannon Beach entspannt über die Straße stolziert.

Wilde Oregon Coast.
Heute fahren wir nur ein kleines Stück weit an dir entlang und spüren schon jetzt den Zauber eines neuen Kapitelanfangs. Im Sommer. Natürlich passt ein Strandstellplatz dann ins Ambiente.

Kurz hinter Manzanita liegt der Nehalem Bay State Park. Auf Plätzchen D16 können wir heute Nacht bleiben – mit hunderten wild feiernden, oregonischen Nachbarn, die uns mit Klampfenmusik, Lagerfeuer und Gesang empfangen.

Summer Beach Camp – ein guter Grund zu feiern. Meint auch der Sonnenuntergang, der sich spektakulär über die Szenerie legt…

Und so gleiten wir dahin:
In einem warmen Sommerwind, unter einem orangenen Himmel, mit „Country roads, take me home“ im Ohr und einem Puma, der hin und wieder durchs Camp schleicht.
Weniger wild ist es hier nicht.
Frag mal die Nachbarn.

In die USA: mit U.nser S.uper A.uto

Um sechs Uhr klingelt unser Wecker, er ist nicht der einzige am Ort: neben uns kriechen auch andere Menschen aus ihren Autos. Menschen, die hier leben und nun zur Arbeit müssen. Im Bad wird sich eifrig geschminkt. Würde man diesen Frauen auf den Bordsteinen Vancouvers begegnen, man käme mit Nichten darauf, dass sie in einem Auto auf einem Campground nahe der Straße leben. Ein Schritt davor – vor: auf der Straße.

Um halb acht geht’s für uns mal wieder in Richtung VW Burnaby – mittlerweile Klappe vier.
Immerhin über den Highway, der nach Hope führt. Möge die heute mal in Erfüllung gehen. Wir wünschen es uns … und dem Magicbus.

Während der Bulli unters Messer kommt, dürfen wir uns erneut Zeit um die Ohren schlagen. Also noch mal mit der Expoline rein nach Vancouver Downtown. In der Rushhour ist es so knallvoll, dass ich leider nicht ans Steuer kann, die führerlose Bahn ist ganz auf sich alleine gestellt. Als Lebendviehtransport.

Vancouver Downtown 2.0.
Heute halten wir uns von der Hastings Street fern, heute geben wir uns die freundliche Seite der Stadt: hüpfend zwischen Teslas, Cappucchinos trinkend in Wolkenkratzern, die jeder inneren Statik trotzen. Kathedrale, Hafenwalk und –dank einer gewieften Taktik meinerseits—auch endlich der Stanley Park. Huch, wie kommen wir denn hier hin? Indem wir Chouchou von der Stadtkarte abgelenkt haben…

Der Stanley Park soll eine der Sehenswürdigkeiten Nummer eins der Stadt sein: Urwald am Rande der Millionenmetropole. Natürlich wollte ich den unbedingt sehen, Chouchou war der Ansicht, dass der ganz sicher nicht mit dem Regenurwald des Alice Lakes mithalten kann. Und was soll ich sagen? Natürlich hat er Recht.
Für einen Stadtpark kann er sich trotzdem sehr gut sehen lassen: Der Stanley Park mit seinen angelegten Blumenbeten, seinen einsamen Wegen, über denen der ohrenbetäubende Stadtlärm surreal tobt, seinen schwarzen Riesenhörnchen, die nichts anders außer Mephisto persönlich sein können und den Coyotis, die es sich zur Spezialität gemacht haben, saftige Jogger zu jagen.

Um kurz nach halb zwei, die Füße sind nach 14 Kilometern schon wieder müde, bimmelt plötzlich mein Telefon. Sie haben Post: „hi joana – van is ready“.
Van is ready! Nur selten hat mir jemand so romantische Worte geschrieben. Scheiß auf die Poesie.

Jon, das Vögelchen, sieht enorm abgearbeitet aus, als wir breit grinsend und humpelnd durch die open doors von Openroads treten. Nicht nur der van is ready, das Vögelchen ist´s auch.
Mit Augen zu und durch begleichen wir die doppelseitige Rechnung und schwingen uns hüftlahm und überglücklich in die Sitze. Sitze, die nun endlich wieder „on the road again“ sind. Ein deutlich besserer Soundtrack als „waiting for the bus all day“. Eigentlich können wir es gar nicht glauben…

Die ersten Kilometer durch die Stadt fühlen sich unecht an. Die Ohren noch immer auf Habacht gespitzt … aber da ist nichts. Der Magicbus, er weint nicht mehr. Weder bergauf, noch bergab, weder unter- noch obertourig. Wenn das wirklich wahr ist, wie sollen wir uns denn jetzt die Bauchschmerzen bei jedem Kickstart wieder abgewöhnen?

Das surreale Gefühl bleibt bis an die US-amerikanische Grenze. Stimmt es wirklich, dass wir soeben dabei sind, Kanada nun zu verlassen?
Kanada mit seinen Tim Hortons und den Boston Creams. Kanada, das Land der endlosen Weite und Wildnis. Kanada, dort, wo fremde Menschen im Supermarkt einem im Vorbeigehen Komplimente zu raunen – einfach so, weil´s nett ist. Kanada, unser Schicksalsland – soll das hier wirklich das Ende sein?

Ein bisschen wehmütig werden wir in diesem so unerwarteten Moment schon. „Got ya!“ sagt der US-Grenzbeamte und stempelt uns – ganz ohne Wehmut und schneller als wir gucken können– ein in ein neues Kapitel: USA.

Vollkommen erledigt –Anspannung, die abfällt—parken wir in Chuckanut Bay ein. Direkt neben der Eisenbahn, ansonsten aber weit ab vom Trubel der Menschheit.

Hier blättern wir morgen die Seite unseres Reisebüchleins um. Morgen.
Denn heute muss noch Zeit sein für ein wenig Abschied … und ein kleines, kanadisches Postscriptum.

Really? *Really!*: Der Keilriemenspanner von Vancouver

Point Roberts ist Anfang Oktober so einsam, dass man nicht einmal mehr sein Geld los wird. Bereits gestern haben wir fieberhaft jemanden gesucht, dem wir unsere Kröten fürs Camp in die Hand drücken können: vergebens. Heute um 8 Uhr fährt immerhin ein Rangerauto umher. Gewissenhaft werfen wir uns davor, um unsere Schulden der letzten Nacht zu begleichen – drei Nächte hatten wir online gebucht und bezahlt. Das geht auch – mit zwei Tagen Vorlauf. Ein spontanes Einbuchen aber funktioniert nicht, daher unser Straßenblockadestunt.
Der sweet boy am Steuer klimpert mit müden Teenieäuglein: Sorry, ich bin nicht befugt Geld anzunehmen. Let´s take it like this: the last night was for free.
„Really?“ Really. Ach Point Roberts…

An der kanadischen Grenze sitzt ein Sikh. Er ist der erste, der uns jemals nach einer Autoversicherung fragt. Seguro Gringo, sagen wir. Seguro Gringo? – Yes, it´s mexican. Aha. und: Welcome back to Canada.

Das GTAdnata Warehouse am Flughafen ist unser erster Stopp. Herr Zhang ist heute nicht da, dafür bedient uns die Schwester des Zollbeamten aus Punjab. Seit zwei Jahren ist sie in Kanada, auch Vegetarierin. Schnell sind wir uns einig, dass indisches Essen das Beste der Welt ist. High Five und hier die Zettel für den Zoll, genau genommen für die Canada Border Service Agency (CBSA), einen Kilometer die Straße runter. Natürlich neben Tim Hortons.

An der CBSA hat heute Herr Hanson Frühdienst. Ein schnicker Blonder mit Bürstenschnitt und heiterem Grinsen in den Augen. Einer, dem man mit einem Zwinkern zweifelsohne auch einen Keilriemenspanner am Wochenende hätte entlocken können. Hätte, hätte, Buckelwal.
Herr Hanson ist nicht nur smart, sondern auch flott. Zwei Stempel aufs Papier, die Zollgebühr lässt er freundlich fallen.
„Really?“ Really. Ach Herr Hanson…

Zurück zum GTAnata Warehouse. Die Schwester des Zollbeamten ist erfreut uns so schnell wieder zu sehen. Den Keilriemenspanner dürfen wir nun ums Eck einsammeln. Gegen eine Gebühr, die einem hochgesicherten Bankschließfach alle Ehre machen könnte.

Entlang qualmender Büsche und wieder einmal Elend unter Bäumen an den Schnellstraßen jault uns der Magicbus nach Vancouver Downtown.

Dort wieder ein neues Gesicht dieser Stadt: Saubere Bordsteine, hippe Flaneur*innen, teure Läden, eine Kathedrale, eine Art Gallery, eine Brücke. Welt Nummer 5.

Weil´s die Logistik morgen einfacher macht, halten wir heute an einem RV-Park zentral in der Stadt.
RV Parks sind immer ein Erlebnis. Ein Erlebnis, das man sich freiwillig nicht unbedingt geben würde, das aber grundsätzlich zum Staunen einlädt: über die Menschen, die hier dauerhaft leben (!) und wie. Über die Touristen, die ihre „CruiseCanada“-WoMos nur auf RV-Parks und nie in die Natur fahren. Über große Mobile, der in einer Nacht mehr Strom fressen als der Bulli auf der gesamten Reise – dicht an dicht. Die Straße immer in Hörweite.

Der grässliche Park soll uns heute allerdings Gutfreund sein.
Das fängt mit einer riesigen Waschmaschine an und geht über einen gigantischen Trockner weiter – zu Spottpreisen.

Margarete an der Rezeption ist der nächste Lichtblick: die reizende, ältere Dame ist so süß, dass ich sie am liebsten anknabbern wollte. Seltsam, dass das bisher noch niemand getan hat. Und schlussendlich spricht sie sogar Zauberworte. Worte, die Musik in meinen Ohren sind: „By the way: the jacuzzi is free.”
Really? Really. Ach Margarete…

Unser Nachmittag ist wie ein kleines, vorgezogenes Weihnachten.
Chouchou packt insgesamt vier Päckchen aus, bis er das beste Goldstück der Welt endlich in der Hand hält: unseren neuen Keilriemenspanner!
Ich für meinen Teil steige dreimal in einen privaten Jacuzzi, der so heiß ist, das jeder einzelne meiner Riemen gespannter ist, als der jedes Keilers der Stadt je sein könnte.
Really? Really. Ach Joana…

Sweet, rainy mondayblues

Ein Regentag in Point Roberts ist so schnell beschrieben, wie er gelebt wurde.
Eigentlich hatten wir heute nicht viel vor. Lediglich ein Buch lesen, einen Film schauen und ein winziges bisschen Orga. In unseren Köpfen wäre anschließend noch so viel Zeit übrig gewesen für Sinnvolles, aber dann war der Tag auch schon vorbei. Zum Lesen kamen wir gar nicht.

Geschlafen bis zehn, geweckt von niedlichen Tropfen auf dem Dach. Drei Kaffee pro Nase, alleine am Ende der Welt. Eine Mail an Seguro Gringo in Mexico: bitte die Autoversicherung verlängern – wir sind uns sicher, ein erfolgreicher Abschluss dauert erneut mindestens 18 weitere Mails. Im März kamen wir auf insgesamt 25. Daher fangen wir Anfang Oktober schon an, was Ende des Monats erst fällig wäre. Globetrottels, die Schlaubischlümpfe.

Ein Film am Mittag: Soul Kitchen – es lebe Fatih Akin, danach haben wir großen Hunger. Kochen für vier auf dem Boden vor dem Magicbus im Dauersound des ewigen Regens auf der Plane. Öl umfüllen, dem Bulli Futter zuführen anhand der gestern geladenen Sonnenbox, danach muss heiß geduscht werden.

Andy kommt vorbei, heute in Regenjacke und Outdoorhose. Erstaunt lauscht er unserer Geschichte des Buckelwals: das sei wirklich sonderbar, einen solchen hier zu entdecken. Wir tauschen Nummern – falls wir mal nach Ecuador kämen, hat er eine Bleibe für uns. Als er im Niesel wieder von dannen dackelt merken wir, dass wir ihn vermissen werden. Uns Andy, den verdeckten CIA-Ermittler und/oder Doppelagenten.

Einen wichtigen Brief tippen – einer, der so lange schon geplant war an einen Menschen, der räumlich wenig nah war, sich aber tief ins Herz geschlichen hat.

Ein Spaziergang im Sprühregen und Halbdunkel am Wasser. Seichte Flut, weichere Wellen als am Mittelmeer, der Pazifik im Ruhemodus.

Heute ist nur ein schlecht gelaunter Kranich vor Ort, der mürrisch den Fjord vom Warnlämpchen aus beäugt. Ein paar Hasen hoppeln vorbei: lahm, mit kurzen Ohren und im Fuchslook. Selbst der müde Seehund taucht nur einen Wimpernschlag lang auf: die Straße von Georgia im Montagsregenblues.

Das Feuerchen am Abend sparen wir uns. Das Holz bleibt für die Nächsten, die sich hoffentlich genauso so darüber freuen wie wir. Die Heizung bollert auf feine 23 Grad und mit der Dunkelheit kommt noch mehr Stille. Heute wird früh gekuschelt, um morgen frisch wieder durchzustarten.
Zurück auf die Straße, zurück zu einem hoffentlich letzten Magicbusweinen, das gerne bald der Vergangenheit angehören darf, während wir wieder in Richtung Zukunft sausen. Beschützt von guten Mächten.…

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