Ein Regentag in Point Roberts ist so schnell beschrieben, wie er gelebt wurde.
Eigentlich hatten wir heute nicht viel vor. Lediglich ein Buch lesen, einen Film schauen und ein winziges bisschen Orga. In unseren Köpfen wäre anschließend noch so viel Zeit übrig gewesen für Sinnvolles, aber dann war der Tag auch schon vorbei. Zum Lesen kamen wir gar nicht.

Geschlafen bis zehn, geweckt von niedlichen Tropfen auf dem Dach. Drei Kaffee pro Nase, alleine am Ende der Welt. Eine Mail an Seguro Gringo in Mexico: bitte die Autoversicherung verlängern – wir sind uns sicher, ein erfolgreicher Abschluss dauert erneut mindestens 18 weitere Mails. Im März kamen wir auf insgesamt 25. Daher fangen wir Anfang Oktober schon an, was Ende des Monats erst fällig wäre. Globetrottels, die Schlaubischlümpfe.

Ein Film am Mittag: Soul Kitchen – es lebe Fatih Akin, danach haben wir großen Hunger. Kochen für vier auf dem Boden vor dem Magicbus im Dauersound des ewigen Regens auf der Plane. Öl umfüllen, dem Bulli Futter zuführen anhand der gestern geladenen Sonnenbox, danach muss heiß geduscht werden.

Andy kommt vorbei, heute in Regenjacke und Outdoorhose. Erstaunt lauscht er unserer Geschichte des Buckelwals: das sei wirklich sonderbar, einen solchen hier zu entdecken. Wir tauschen Nummern – falls wir mal nach Ecuador kämen, hat er eine Bleibe für uns. Als er im Niesel wieder von dannen dackelt merken wir, dass wir ihn vermissen werden. Uns Andy, den verdeckten CIA-Ermittler und/oder Doppelagenten.

Einen wichtigen Brief tippen – einer, der so lange schon geplant war an einen Menschen, der räumlich wenig nah war, sich aber tief ins Herz geschlichen hat.

Ein Spaziergang im Sprühregen und Halbdunkel am Wasser. Seichte Flut, weichere Wellen als am Mittelmeer, der Pazifik im Ruhemodus.

Heute ist nur ein schlecht gelaunter Kranich vor Ort, der mürrisch den Fjord vom Warnlämpchen aus beäugt. Ein paar Hasen hoppeln vorbei: lahm, mit kurzen Ohren und im Fuchslook. Selbst der müde Seehund taucht nur einen Wimpernschlag lang auf: die Straße von Georgia im Montagsregenblues.

Das Feuerchen am Abend sparen wir uns. Das Holz bleibt für die Nächsten, die sich hoffentlich genauso so darüber freuen wie wir. Die Heizung bollert auf feine 23 Grad und mit der Dunkelheit kommt noch mehr Stille. Heute wird früh gekuschelt, um morgen frisch wieder durchzustarten.
Zurück auf die Straße, zurück zu einem hoffentlich letzten Magicbusweinen, das gerne bald der Vergangenheit angehören darf, während wir wieder in Richtung Zukunft sausen. Beschützt von guten Mächten.…