Point Roberts ist Anfang Oktober so einsam, dass man nicht einmal mehr sein Geld los wird. Bereits gestern haben wir fieberhaft jemanden gesucht, dem wir unsere Kröten fürs Camp in die Hand drücken können: vergebens. Heute um 8 Uhr fährt immerhin ein Rangerauto umher. Gewissenhaft werfen wir uns davor, um unsere Schulden der letzten Nacht zu begleichen – drei Nächte hatten wir online gebucht und bezahlt. Das geht auch – mit zwei Tagen Vorlauf. Ein spontanes Einbuchen aber funktioniert nicht, daher unser Straßenblockadestunt.
Der sweet boy am Steuer klimpert mit müden Teenieäuglein: Sorry, ich bin nicht befugt Geld anzunehmen. Let´s take it like this: the last night was for free.
„Really?“ Really. Ach Point Roberts…
An der kanadischen Grenze sitzt ein Sikh. Er ist der erste, der uns jemals nach einer Autoversicherung fragt. Seguro Gringo, sagen wir. Seguro Gringo? – Yes, it´s mexican. Aha. und: Welcome back to Canada.
Das GTAdnata Warehouse am Flughafen ist unser erster Stopp. Herr Zhang ist heute nicht da, dafür bedient uns die Schwester des Zollbeamten aus Punjab. Seit zwei Jahren ist sie in Kanada, auch Vegetarierin. Schnell sind wir uns einig, dass indisches Essen das Beste der Welt ist. High Five und hier die Zettel für den Zoll, genau genommen für die Canada Border Service Agency (CBSA), einen Kilometer die Straße runter. Natürlich neben Tim Hortons.
An der CBSA hat heute Herr Hanson Frühdienst. Ein schnicker Blonder mit Bürstenschnitt und heiterem Grinsen in den Augen. Einer, dem man mit einem Zwinkern zweifelsohne auch einen Keilriemenspanner am Wochenende hätte entlocken können. Hätte, hätte, Buckelwal.
Herr Hanson ist nicht nur smart, sondern auch flott. Zwei Stempel aufs Papier, die Zollgebühr lässt er freundlich fallen.
„Really?“ Really. Ach Herr Hanson…
Zurück zum GTAnata Warehouse. Die Schwester des Zollbeamten ist erfreut uns so schnell wieder zu sehen. Den Keilriemenspanner dürfen wir nun ums Eck einsammeln. Gegen eine Gebühr, die einem hochgesicherten Bankschließfach alle Ehre machen könnte.
Entlang qualmender Büsche und wieder einmal Elend unter Bäumen an den Schnellstraßen jault uns der Magicbus nach Vancouver Downtown.

Dort wieder ein neues Gesicht dieser Stadt: Saubere Bordsteine, hippe Flaneur*innen, teure Läden, eine Kathedrale, eine Art Gallery, eine Brücke. Welt Nummer 5.
Weil´s die Logistik morgen einfacher macht, halten wir heute an einem RV-Park zentral in der Stadt.
RV Parks sind immer ein Erlebnis. Ein Erlebnis, das man sich freiwillig nicht unbedingt geben würde, das aber grundsätzlich zum Staunen einlädt: über die Menschen, die hier dauerhaft leben (!) und wie. Über die Touristen, die ihre „CruiseCanada“-WoMos nur auf RV-Parks und nie in die Natur fahren. Über große Mobile, der in einer Nacht mehr Strom fressen als der Bulli auf der gesamten Reise – dicht an dicht. Die Straße immer in Hörweite.
Der grässliche Park soll uns heute allerdings Gutfreund sein.
Das fängt mit einer riesigen Waschmaschine an und geht über einen gigantischen Trockner weiter – zu Spottpreisen.

Margarete an der Rezeption ist der nächste Lichtblick: die reizende, ältere Dame ist so süß, dass ich sie am liebsten anknabbern wollte. Seltsam, dass das bisher noch niemand getan hat. Und schlussendlich spricht sie sogar Zauberworte. Worte, die Musik in meinen Ohren sind: „By the way: the jacuzzi is free.”
Really? Really. Ach Margarete…
Unser Nachmittag ist wie ein kleines, vorgezogenes Weihnachten.
Chouchou packt insgesamt vier Päckchen aus, bis er das beste Goldstück der Welt endlich in der Hand hält: unseren neuen Keilriemenspanner!
Ich für meinen Teil steige dreimal in einen privaten Jacuzzi, der so heiß ist, das jeder einzelne meiner Riemen gespannter ist, als der jedes Keilers der Stadt je sein könnte.
Really? Really. Ach Joana…









Das Phantom hätte da mal eine Frage:
„Gegen eine Gebühr, die einem hochgesicherten Bankschließfach alle Ehre machen könnte.“
• Preis inkl. Versandt über ADAC – bezahlt (online)
• Zollgebühr – hat man Euch geschenkt
Was musstet Ihr denn hier nun bezahlen?
Liebes Phantom,
Alles was Spass macht ist bekanntlich illegal, unmoralisch oder teuer. In unserem Fall leider nur letzteres.
Die Rechnung für den Flug kommt erst irgendwann, hier im Warehouse haben wir 180 Can$ gezahlt. Kein Zoll, weil wir nehmen das Teil ja wieder mit heim.
LG Christoph