Um sechs Uhr klingelt unser Wecker, er ist nicht der einzige am Ort: neben uns kriechen auch andere Menschen aus ihren Autos. Menschen, die hier leben und nun zur Arbeit müssen. Im Bad wird sich eifrig geschminkt. Würde man diesen Frauen auf den Bordsteinen Vancouvers begegnen, man käme mit Nichten darauf, dass sie in einem Auto auf einem Campground nahe der Straße leben. Ein Schritt davor – vor: auf der Straße.
Um halb acht geht’s für uns mal wieder in Richtung VW Burnaby – mittlerweile Klappe vier.
Immerhin über den Highway, der nach Hope führt. Möge die heute mal in Erfüllung gehen. Wir wünschen es uns … und dem Magicbus.
Während der Bulli unters Messer kommt, dürfen wir uns erneut Zeit um die Ohren schlagen. Also noch mal mit der Expoline rein nach Vancouver Downtown. In der Rushhour ist es so knallvoll, dass ich leider nicht ans Steuer kann, die führerlose Bahn ist ganz auf sich alleine gestellt. Als Lebendviehtransport.
Vancouver Downtown 2.0.
Heute halten wir uns von der Hastings Street fern, heute geben wir uns die freundliche Seite der Stadt: hüpfend zwischen Teslas, Cappucchinos trinkend in Wolkenkratzern, die jeder inneren Statik trotzen. Kathedrale, Hafenwalk und –dank einer gewieften Taktik meinerseits—auch endlich der Stanley Park. Huch, wie kommen wir denn hier hin? Indem wir Chouchou von der Stadtkarte abgelenkt haben…
Der Stanley Park soll eine der Sehenswürdigkeiten Nummer eins der Stadt sein: Urwald am Rande der Millionenmetropole. Natürlich wollte ich den unbedingt sehen, Chouchou war der Ansicht, dass der ganz sicher nicht mit dem Regenurwald des Alice Lakes mithalten kann. Und was soll ich sagen? Natürlich hat er Recht.
Für einen Stadtpark kann er sich trotzdem sehr gut sehen lassen: Der Stanley Park mit seinen angelegten Blumenbeten, seinen einsamen Wegen, über denen der ohrenbetäubende Stadtlärm surreal tobt, seinen schwarzen Riesenhörnchen, die nichts anders außer Mephisto persönlich sein können und den Coyotis, die es sich zur Spezialität gemacht haben, saftige Jogger zu jagen.
Um kurz nach halb zwei, die Füße sind nach 14 Kilometern schon wieder müde, bimmelt plötzlich mein Telefon. Sie haben Post: „hi joana – van is ready“.
Van is ready! Nur selten hat mir jemand so romantische Worte geschrieben. Scheiß auf die Poesie.
Jon, das Vögelchen, sieht enorm abgearbeitet aus, als wir breit grinsend und humpelnd durch die open doors von Openroads treten. Nicht nur der van is ready, das Vögelchen ist´s auch.
Mit Augen zu und durch begleichen wir die doppelseitige Rechnung und schwingen uns hüftlahm und überglücklich in die Sitze. Sitze, die nun endlich wieder „on the road again“ sind. Ein deutlich besserer Soundtrack als „waiting for the bus all day“. Eigentlich können wir es gar nicht glauben…
Die ersten Kilometer durch die Stadt fühlen sich unecht an. Die Ohren noch immer auf Habacht gespitzt … aber da ist nichts. Der Magicbus, er weint nicht mehr. Weder bergauf, noch bergab, weder unter- noch obertourig. Wenn das wirklich wahr ist, wie sollen wir uns denn jetzt die Bauchschmerzen bei jedem Kickstart wieder abgewöhnen?
Das surreale Gefühl bleibt bis an die US-amerikanische Grenze. Stimmt es wirklich, dass wir soeben dabei sind, Kanada nun zu verlassen?
Kanada mit seinen Tim Hortons und den Boston Creams. Kanada, das Land der endlosen Weite und Wildnis. Kanada, dort, wo fremde Menschen im Supermarkt einem im Vorbeigehen Komplimente zu raunen – einfach so, weil´s nett ist. Kanada, unser Schicksalsland – soll das hier wirklich das Ende sein?

Ein bisschen wehmütig werden wir in diesem so unerwarteten Moment schon. „Got ya!“ sagt der US-Grenzbeamte und stempelt uns – ganz ohne Wehmut und schneller als wir gucken können– ein in ein neues Kapitel: USA.
Vollkommen erledigt –Anspannung, die abfällt—parken wir in Chuckanut Bay ein. Direkt neben der Eisenbahn, ansonsten aber weit ab vom Trubel der Menschheit.

Hier blättern wir morgen die Seite unseres Reisebüchleins um. Morgen.
Denn heute muss noch Zeit sein für ein wenig Abschied … und ein kleines, kanadisches Postscriptum.













Glückwunsch!!!! Tolle Aktion, offensichtlich hat das Daumenhalten geholfen … guten Start in USA.
🤗 🇺🇸 Klaus
Lieber Klaus!
Das Daumen drücken hat bestens geholfen. Danke dafür!
Ab nun gehts Fidel in Richtung Süden.
USA — wir kommen!
Liebste Grüße von unterwegs Richtung Oregon Coast!
Deine Globetrottels