In unserer ersten Nacht in den USA haben wir von Zügen geträumt: große, laute, ungeölte Züge, die mitten durch die Hirnwindungen fuhren. Hoch lebe die American Railway – denn es war gar kein Traum. Enorm akustische Herausforderungen um Mitternacht, ansonsten aber war es sehr schön.
Am Morgen entdecken wir Spuren vor der Haustür. Ein Vierbeiniges hatte – anscheinend bahnunempfindlich—seine nächtliche Freude daran, auf unserem Abwaschläppchen herum zu tanzen. Seine Fußspuren dunkel auf grünem Untergrund. Ein Bonsaiwolf womöglich. Good morning Washington.
Den Evergreen State verlassen wir heute zügig — erst über eine zauberhafte Lichtstraße, dann über eine nichtssagende Autobahn. Seattle fliegt vorbei: Heimat des Grunge, Geburtsort von Kurt Cobain und Jimi Hendrix. „Smells like teenspirit“ und „All along the watchtower“ – für uns gehts weiter gen Süden.

Kurz hinter der Stadt sucht die Polizei mittels digitaler Anzeigetafel nach einem roten SUV mit dem Kennzeichen XXX und wir fragen uns, was wir wohl tun müssten, um auch dort weitsichtig angeschlagen zu werden.
„Washington police looking for a non-howling magicbus. If seen, please call…..”
If seen – denn hören kann man uns ja schließlich nicht mehr. Eine unglaubliche Wohltat.
Kurz nach Mittag passieren wir die Grenze zu Oregon über eine gigantische Brücke. Auf sich durch den Wald windenden Sträßchen geht’s deutlich weniger monoton in Richtung linksliberales Astoria: dem Ausgangspunkt unseres ersten, richtigen USA-Kapitels. Denn hier beginnt die „Oregon coast“…
Unter dem Bellen unsichtbarer Seelöwen – also Nicht-Seh-Seelöwen— verlassen wir den niedlichen Ort, der sich ein wenig nach Westernstadt anfühlt. Eine Westernstadt, die mit Austern wirbt.
Und der Pazifik empfängt uns.
Es mag auch das Wetter sein – praller Sonnenschein bei sich extrem warm anfühlenden 18 Grad—dass uns plötzliches ein mediterranes Gefühl befällt. Die Vegetation ist weniger knorrig, der Wald wirkt lieblicher. Nur weniger wild ist es hier nicht. Das merken wir spätestens an dem „Elk“, der kurz vor Cannon Beach entspannt über die Straße stolziert.
Wilde Oregon Coast.
Heute fahren wir nur ein kleines Stück weit an dir entlang und spüren schon jetzt den Zauber eines neuen Kapitelanfangs. Im Sommer. Natürlich passt ein Strandstellplatz dann ins Ambiente.
Kurz hinter Manzanita liegt der Nehalem Bay State Park. Auf Plätzchen D16 können wir heute Nacht bleiben – mit hunderten wild feiernden, oregonischen Nachbarn, die uns mit Klampfenmusik, Lagerfeuer und Gesang empfangen.

Summer Beach Camp – ein guter Grund zu feiern. Meint auch der Sonnenuntergang, der sich spektakulär über die Szenerie legt…
Und so gleiten wir dahin:
In einem warmen Sommerwind, unter einem orangenen Himmel, mit „Country roads, take me home“ im Ohr und einem Puma, der hin und wieder durchs Camp schleicht.
Weniger wild ist es hier nicht.
Frag mal die Nachbarn.















