Unterwegs im Magicbus

Oregon Coast, Kapitel 2: Von faulen Buckelwalen und dem Dünen-Honigmann

Wenn man sich einen Traumtag basteln müsste, würde der wohl so beginnen: Bestens ausgeschlafen bei einer warmen Brise erwachen, süßer Kaffee auf die Hand. Drei Schritte bis zum Meer, im T-Shirt um halb acht. Eine wärmende Sonne geht über den Bergen im Rücken auf. Erst bettwarme Füße in weißem Sand, dann bettwarme Füße in eiskalte Wellen tauchen. Sich lebendig fühlen, den Sandwinden hinterher schauen. Möwengeschrei….

Leider war dies nur mein Morgen. Chouchou musste sich nach einer schlechten Nacht erstmal gut ausschlafen. Immerhin bringe ich ein Pazifiklächeln vom Strand mit nach Hause.
In unserem Pumacamp dürfen wir es langsam angehen lassen, die Oregonesen haben gemütliche Gemüter: Check-out ist erst am Mittag um eins. Das kosten wir aus und frühstücken in einer hohen Morgensonne um halb elf. Danach eine kalte Dusche – ungeplant. Der Warmhebel wollte nicht mehr als ich mit vollshampoonierten Haaren unterm Strahl stand. Wim Hof würde sich freuen – mein Immunsystem auch. Sich geschockt lebendig fühlen. Um kurz vor eins sind wir startklar für unser zweites Kapitel: Oregon Coast.

Tom und Kim von nebenan winken uns Adieu. Mit einer Packung selbstgemachten Müslis schicken sie uns zurück auf diese Traumstraße, die heute noch einen drauflegt.
Wir passieren tosende Brandung rechts, grüne Hügel links, bei 25 Grad im Schatten. Ein paar Farmen fliegen vorüber: die Kühe grasen ihr Bestes für den regional bekannten Tillamookkäse, der an Straßenständen feilgehoben wird. Große Stücke von kleinen Menschen. Auf dem ersten Rastplatz kann man über die WC-Türen schauen, weil die so niedrig sind. Vielleicht stehen neben den Kühen daher nur Miniponys: damit kleinwüchsige Tillamooker aufhüpfen können. Wer weiß es schon!?

Straßenschilder im Augenwinkel von Lincoln City: „Biden failed“ meint einer der wenigen Republikaner Oregons und „Jesus saves“ – womöglich eine Werbung der hiesigen Kreissparkasse.

Wir unterhalten uns über den Puma im Camp und landen bei Siegfried und Roy. Wir unterhalten uns über den Bärenangriff in Banff und landen bei der Erkenntnis, dass man einfach nicht an Psychopathen gelangen darf: Weder bei Bären, noch bei Menschen. Gott sei Dank passiert beides selten. Wir bleiben also Bärenfans und Menschenfreunde.

Die ganze Fahrt gleicht einem Roadtrip aus dem Bilderbuch:
Sommer, Sonne, mit geöffnetem Fenster und wehendem Haar die endlose Straße entlang. In einem gesunden Bulli Richtung Süden, auf nach Kalifornien cruisen. Es ist beschämend schön. Wirklich.

In Depoe Bay witzeln wir: eine Stadt, die rein nichts zu bieten hat, ruft sich selbst zur Welthauptstadt der Walbeobachtung aus, damit überhaupt irgendjemand irgendwann mal anhält. Wir fahren unberührt durch und wollen am Rocky Creek fünf Kilometer weiter eigentlich nur eine flotte Pipipause machen.

Das „flott“ ist schnell vergessen. Und das Pipi sowieso. In der Brandung hat die Walfangflotte von Depoe Bay schon festgemacht und wir sehen sehr schnell, wieso:
Direkt vor der Küste schwimmen drei bis vier faule Buckelwale. Nicht so agil wie der Kollege in Point Roberts, sondern ganz gemütlich vor sich hindümpelnd.
Kinnas, ist Wochenendanfang: keine Not sich übermäßig zu bewegen!
Die buckeligen Faulpelze bleiben pustend einfach an Ort und Stelle, fast zu träge auch nur eine Flosse aus dem Wasser zu heben. Fast. Ach, wie gut ich euch verstehen kann.
Und was für eine wunderschöne Gelegenheit, die sanften Riesen somit in aller Ruhe zu beobachten. Auch für uns: keine Not uns übermäßig zu bewegen. Zeit im Stillstand – staunen, freuen, demütig sein.

Diesiges Licht ruft uns irgendwann weiter, unwirklich. Weiter diese Straße entlang, weiter wie im Traum: Newport, Yachats mit seinem Leuchtturm, das Cape Perpetua, Florence.

So schön und selbstverständlich es wäre, diese Straße immer und immer weiter zu fahren – keine Nacht mehr, nie wieder schlafen, die Welt hat Sonnenauf- und –untergang einfach abgeschafft… irgendwann brauchen wir doch einen Schlafplatz. Heute in drei Anläufen.
Die Strandplätze sind ausnahmslos ausgebucht: wegen Wochenend und Sonnenschein.
Der erste Ort an dem wir halten ist leider filzig – trotz freundlichem Waschbär im Gestrüpp und einem knallblauen Vogel im Geäst. Ein Hippie.
Am zweiten hängt Betrübnis in den Bäumen. Trotz strahlendem Sonnenscheins scheint es dieser Platz problemlos auf ein Siegertreppchen der bedrückendsten Outdoor-Dunkelkammern der Welt zu schaffen.
Am dritten Plätzchen sind wir endlich richtig: „Honeyman“, mitten in der größten Dünenlandschaft der USA, den Oregon Dunes.

Hier darf heute der Sandmann kommen: zwischen hohen Bäumen und mit Dünensand zwischen den Zehen.
Der Sandmann mit seinem oregon-gewürzten Brüderchen: dem Dünen-Honigmann. Mit einem sandigen, süßen Schlaflied im Töpfchen…

4 Kommentare

  1. Grundmann, B.

    Was ein Genuss, den Walen entspannt zusehen zu können! Beneidenswert! 🥰

    • Nani

      Liebe Mamels!
      Zeit haben … das machen die Wale schon ganz richtig. Auch wenn ich mich leider korrigieren muss: es waren Grau-, statt Buckelwale. Genauso schön, nur anders.
      Nebelige Küstengrüße,
      Deine Nani

  2. das Phantom (2. Kaffe schlürfend)

    das ist aber ein gigantischer Campingplatz…

    https://oregonstateparks.reserveamerica.com/camping/jessie-m-honeyman-memorial-state-park/r/campgroundDetails.do?contractCode=OR&parkId=402334

    Frage: wo hat es Euch hinverschlagen?

    • Die Globetrottels

      Liebes Phantom!
      Ein gigantischer Platz, jawohl. Very american!
      Entsprechend groß war auch die Nummer: 189. 😳
      Es grüßen sehr, sehr kleine Globetrottels

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