In dicken Tropfen prasselt es aufs Dach: an diesem hohen Feiertag. Der Himmel will sich heute Morgen keine Mühe geben – wohl, weil ansonsten alles stimmt, da der tollste Mensch von Welt Geburtstag hat.
Nach dem Aufstehen gibt es ein improvisiertes Törtchen. Statt Kerze versuche ich einen Holzspan zu entzünden: genauso erfolgreich wie vor zwei Tagen. Der Wille aber zählt: Happy Birthday, Chouchou! Wie schön, dass Du die Welt im letzten Jahr lebenswerter gemacht hast. Auf ein Neues – voller Abenteuer und unvergesslicher Erlebnisse. Ich finde Dich ganz wunderbar – den Wunderbaresten von allen!
Im Regen lassen wir uns Zeit. Nach Geburtstagsküchlein gehe ich erstmal ausgiebig duschen, während Chouchou seine zahlreichen Glückwünsche beantwortet und danach –zur Feier des Tages– auch unter den heißen Strahl huscht.
Eier im Regen und Melone fürs Sommergefühl, vor eins wird am Harris Beach nicht abgeräumt. Denn auf die Bütterkes müssen noch Avocados drauf und Tillmooker Käse. Wir starten diesen Tag zweifelsohne nicht hungrig.
Die Frage, was wir einander zum Geburtstag schenken ist schnell beantwortet: eineinhalb Jahre Zeit miteinander. Die muss man nicht mal auspacken, nur anpacken. Im Konkreten heißt das heute: mit einem Magicbus nach Kalifornien zu reisen. Wenn Hippieträume wahr werden…
Kalifornien hat eine eigene Kontrollstation. Wir wundern uns über große Schilder, die auf das Aussetzen von Tieren 1000 Dollar Strafe androhen. Der Kontrollbeamte fragt uns nach Feuerholz, Obst und eben Tieren. Wir verneinen: zweimal aufrichtig und einmal mit latent schlechtem Gewissen. Das erste, was wir in Kalifornien also machen müssen, ist den Herkunftsnachweis vom Holz entfernen. Und uns fragen, wer bitte so assi ist seinen Hund vor der Grenze auszusetzen, nur um einmal im Leben nach San Franscisco zu kommen. Leute gibt’s…
Kalifornien begrüßt uns weder mit Surfern, noch mit Blumen im Haar, geschweige denn Sonnenschein. Kalifornien begrüßt uns mit goldenen Bären an der Brücke des Klamath Rivers. Gleich danach folgt der Vergnügungspark: Trees of mystery. Als Auftakt der Redwoods.
In den Redwoods stehen die ältesten Lebewesen der Welt. Riesige Bäume, die teils bis zu 2000 Jahre alt sein sollen und deren Kronen bis in den Himmel und darüber hinaus ragen.
Wir parken den Magicbus vor einem der Tausende – der Stamm dicker als der Bulli, die Rinde weiser als Methusalem. Alten Tropfen beim Fallen zuschauen, schreiende Stille zwischen Riesen – ein Wald, der einem den Atem raubt. Trotz des Überflusses an Sauerstoff.
Eine abenteuerliche Straße führt an den Gold Bluffs Beach. 15 Kilometer durch enge Wälder, enorme Steigungen und zu guter Letzt fünf Kilometer auf schön nassem Schotter mit tiefen Schlaglöchern. Die Straße ist –besonders für einen Magicbus– zum Luft anhalten. Wie gut, dass wir den zuvor geraubten Atem hier also nicht brauchen. Und der erste, fromme Wunsch geht schon in Erfüllung: mehr Abenteuer. Mitten drin weiß man mnachmal nicht mehr, ob man die dann wirklich haben will.
Schlussendlich aber wird alles gut und werden wir an einem goldenen Sandstrand ausgespuckt: Gold Bluff Beach. Unser erstes Strandcamp in California, das Chouchou-Geburtstags-Camp. 50 Meter vom Pazifik entfernt, Baumriesen im Nacken, vor schroffem Fels, eine wilde Bande Gänse fliegt lautstark Richtung Mexiko. Ein äußerst angemessener Ort für den Anlass.
Den Rest des Tages wandeln wir am Meer entlang: Wellen in dustigem Licht beim schäumen—brechen—angrabbeln– weich abfließen hinterher schauen. Mit uns sind nur noch Niles und Chayenne da, die im Sonnennebel auf einer Decke kuscheln.

Als wir vorbeischlendern spricht Niles uns an: ob wir bitte kurz mitkommen könnten, um Fotos von den beiden zu machen. Eine unkonventionelle Frage –natürlich machen wir das!– und folgen ihm zur Decke, auf der die erstaunte Chayenne hockt und wartet.
In dem Moment, da wir die Kameras zücken, kniet Niles sich in den goldenen Sand. Der Ring funkelt im nebeligen Zwielicht, eine Möwe kreischt, Chayenne nickt. Sie sagt: Ja!
Vor Rührung breche ich fast in Tränen aus. Wie schön ist das denn!? Unser erster Heiratsantrag – außer dem eigenen, der in Joggingbuxe und mit welken Biorosen auf dem Balkon natürlich noch einen Tick romantischer war. Und das an Chouchous Geburtstag. Was für ein gutes Omen – für alle vier von uns. Möge ein kalifornischer Segen mit ihnen sein: Niles und Chayenne für immer.
Die Sonne geht in einem spektakulären Zwielicht über dem Pazifik unter.

Geburtstagbeachcamp in California.
Wir werden es uns heute Abend gut gehen lassen:
Mit Wind im Haar und Liebe in der Luft. Was für ein grandioser Kalifornienauftakt.





































































































































