Unterwegs im Magicbus

Autor: Chérie (Seite 8 von 28)

Njupeskär — Thors Elfenwasserfall

Thor, der Wettergott, ist gut zu uns: nach einer „Tropfen, die an mein Fenster klopfen“-Nacht erwachen wir mit einem Hauch Sonnenschein über dem See. Trocken das Camp zusammenpacken ist immer ein gutes Omen für den Tag und obendrein sehr komfortabel.

Nach einer letzten Dusche geht’s weiter gen Nordwest: Nadeln werden zu Birkenwäldern und wieder zu Nadeln. Eine Explosion Lupinen am Straßenrand und sehr viel nichts bis zum ersten und letzten Einkaufsstopp auf 190km Strecke: in Älvdalen – im „Flusstal“, 1669 schauriger Schauplatz bekannter Hexenprozesse, heute allerdings ganz harmlos.

Im ICA decken wir uns mit allerlei Leckrigkeiten ein und heben unsere ersten Kronen ab, die uns der Kassierer freundlicherweise gleich auch in kleine Scheine zerlegt.

Die Mädels werden wir in den nächsten Tagen brauchen, weil das Campsystem auf unseren nächsten zwei Etappen sich dem kanadischen angleicht: zahlen auf Vertrauen, in dem man Bargeld in einen Briefkasten wirft.

Unser heutiges Tagesziel ist der Fulufjäll Nationalpark an der norwegischen Grenze, bekannt für seine urwaldartigen Täler und kahlen Höhen, vor allem aber für den höchsten Wasserfall Schwedens: den Njupeskär –93 Meter hoch– und die Uraltfichte Old Tjikko –9550 Jahre alt.

Der Nationalpark scheint kein Geheimtipp zu sein. Wir rollen kurz vor Mittag an, der Parkplatz ist bereits brechend voll. Macht nix, auf einer Fläche von 385 Quadratkilometern wird sich das wohl zerlaufen. Genauso ist es – nach der Hundebadestelle.

Für die Tausendsasser der Naturliebhabenden wurden gemütliche Stege angelegt, um erst durchs Marschland mit seinen Puschelblumen zu wandeln, das sogleich in nordischen Urwald mit verschlängelten Flüsschen übergeht. Rentierflechte zwischen alten Steinen und Moose auf den Rinden, Farne greifen nach den Wandernden, die alle früher oder später gen Njupeskär streben.
Ein Wunder, dass am Wasserfall selbst so wenig los ist.

Ein rationaler Geist würde behaupten, der Fall sei durch rückschreitende Erosion entstanden – das Wasser trüge den Sandstein des Gebirges mehr und mehr ab. Ein mythologischer Geist aber weiß: es war Thors Hammer, der den Fall in den Fels schlug. Im Pool darunter lebt heute noch eine Elfe, die betörend ein Streichinstrument spielt. Man muss seine Ohren ganz weit spitzen, dann aber hört man es deutlich.

Zum Old Tjikko wollen wir natürlich auch hoch. Keuchend erklimmen wir die Stufen, die aufs Bergplateau führen: 200 Höhenmeter Anstieg auf einen Streich, meine Kontrolletti-Uhr behauptet: hart anaerober Bereich, bitte 35 Stunden Erholung einplanen. Und einen pinken Schweppes trinken.

Auf dem Gipfel angekommen unterstreicht auch Thor die Notwendigkeit, langsam zu machen: er schwingt seinen Hammer und donnert. Einmal, zweimal, dreimal. Bis zum alten Tjikko ist es noch einen Kilometer über die baumlose Bergflanke, während wir dabei zuschauen können, wie das Unwetter von Weitem über die Ebene ankriecht.

„Unwetterwarnung“, meint jetzt auch meine Kontrolletti-Uhr hysterisch. Nun gut: also keine baumlose Bergflanke für uns, Old Tjikko muss wohl warten. Er macht seit 9550 Jahren ja nichts anderes. Schade für uns, der Fichte ist es leidlich egal.

Der Regen setzt im Urwald ein. Spitze Tropfen auf bunten Schirmen.
Bis zum heutigen Nachtplatz ist es für uns nicht mehr weit: wir rollen lediglich acht Kilometer wieder hinaus aus dem Park und schnurrstracks an den Fluss des Mörkret Camps.

Der einzige Platz mit Privatsphäre ist unserer – alle anderen müssen sich später in Reihe und Glied nebeneinander reihen. 200 Kronen in den Briefkasten, nun können die dicken Tropfen problemlos kommen. Natürlich tun sie das auch.

Für uns heißts heute nur noch: ein flotter Text, ein paar schnelle Videos, definitiv die Heizung an, die Nudeln müssen sich heute von selbst kochen. Programm bis um sechs, Joggingbuxe an und dann auf einen fairen Internetgott hoffen.

Einer, der das Fussballspiel ganz ohne Blitz und Donner überträgt.

Haushaltstag im Sturm

Über dem Kratersee stürmt es bereits am Morgen heftig. Das Wetter ist für den gesamten Norden in den nächsten Tagen grottig angesagt, ein guter Grund, es entspannt und winddicht angehen zu lassen.

Als erstes nach dem allerersten – den Kaffees!—wird der Bulli sturmfest umgeparkt: Popo in den Wind, damit die Böen im sauberen Winkel übers Dachzelt abwehen. Die Bergerplane prügelt uns hart für diesen Plan, sie scheint ganz und gar nicht einverstanden und verteilt wilde, wütende Ohrfeigen beim Abnehmen. Damit –Freundchen– ist deine Chance für heute verspielt: ab in den Bulli mit dir! Zur Strafe darfst du nun nicht mehr wüst vor dich hinflattern und eine knallende Geräuschkulisse veranstalten.

Rote Ohren vor Mittag, Zauseln im Haar und ziemlich außer Atem: immerhin hat Chouchou nach dieser Aktion nun auch mal berauschenden Seeblick. Eine gute Aussicht, bei der die nächste Zecke gezogen werden will. Diesmal aus Chouchous Schädel…

Als nächstes sind die Müffelklamotten dran. Mit zwei Tüten voller Kleidung marschieren wir zur Campingwaschmaschine und kommen zum richtigen Zeitpunkt.

Eine Stunde später sind die Handtücher und Socken trocknerflauschig, die empfindlichen Teilchen dürfen wüst am Baum flattern. Nach 20 Minuten ist –dank der reißenden Böen—alles wie glattgebügelt, keine Falte mehr im Stöffchen. Vielleicht sollte ich mein Gesicht ganz genauso in den Sturm halten? Eine gute Anti-Aging-Maßnahme, aber leider ist es dafür eindeutig zu zugig, meint Uschi inne Leoleggins und dem Flamingopulli.

Der erste Regen kommt pünktlich um eins. Ein guter Zeitpunkt, um den Rest des Camps nun regenfest zu machen. Ein guter Zeitpunkt für Recherche bei laufender Heizung – auch, um die restlichen Klamotten zu trocknen, die –nach Trocknungsschnellabbruch durch erste Tropfen—nun wild durcheinander im Magicbus herumhängen. Zum Trost gibt es Zimtschnecken.

Bis drei wälzen wir Wanderbücher, Reiseführer und Internet, um eine Idee der nächsten globetrottelsgeeigneten Anlaufpunkte zu bekommen und werden äußerst vorfreudig fündig. Verraten werden darf so viel: es wird toll werden. Egal, ob´s stürmt oder schneit. Weil es unter anderem um eine sehr romantische Tiergeschichte geht. Aber dazu in den folgenden Tagen mehr…

Um vier kommt der kleine Hunger. Da draußen noch immer Ronjas Räuberregen runter geht, weichen wir auf die Campküche aus – welch glücklicher Umstand, dass es diese gibt!

Gemüsebällchen, die touristenfallig als „vegane Köttbullar“ verkauft wurden, in einer richtigen Pfanne zu brutzeln, ohne Sorge zu haben, dass im nächsten, stürmischen Moment der Kocher vom Tisch gefegt wird, macht durchaus Freude. Und schmeckt.

Um fünf ist satte Zeit für Meditation, ab halb sechs dann Glamour anhand von goldenem Glitzernagellack. Schade, jetzt kann ich den Trangiakocher nicht mehr ausscheuen wie geplant. Äußerst traurig teile ich diese Erkenntnis Chouchou mit und darf freudig verkünden: „message delivered“. Tja, hätte sich ja auch die Nägel lackieren können…

Um halb sieben lernen wir, dass die Vorhersage mit „Sturm im Vamhus“ nicht den Wetterzustand bis sechs meinte. Über den See sehen wir die Sturmfront herankriechen, bevor sie mit Wucht aufs Camp trifft. Unser Tisch lernt fliegen, die Jungs von nebenan haben sich ins zitternde Zelt verzogen und tun uns von Herzen leid. Aus einem warmen Magicbus heraus lässt sich gönnerisch kommentieren: Das sind die Abenteuer, von denen ihr später euren Enkeln erzählen werdet!, während man selbst die Heizung höher dreht. Aber ein klitzekleines bisschen wahr ist es trotzdem.

Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, die Schweden schicken ihre Kinder wieder auf den Spielplatz.
Ein Sortiermittwoch in Vamhus – eine stürmisch-schöne Angelegenheit.

Asteroidenglück zwei Werktage vor Kollektivsommer

Das gestrige Essen muss noch erwähnt werden. Nicht, weil es so grandios gut war, sondern vor allem heiß. Nepalesischer Fenchelreis ist überall auf der Welt ein Hit, aber besonders wohltuend schmeckt er, wenn der Mensch gut durchgekühlt ist. Innere Hitzemaschine aus dem Himalaya.

Niesel klopft uns aus dem Bett: es ist an der Zeit, weiter zu ziehen und den Zaubersee hinter uns zu lassen. Danke, schönes Glaskogen Naturreservat. Eine bessere Pforte in Richtung Mittelschweden hätte sich nirgendwo sonst auftun können.

Hinter Värmland wird es hügeliger, hinter Torsby wird es einsam. Wir rollen über Straßen wie im kanadischen Westen, lediglich der Wald ist enger und die Straßenführung kurviger.

In einer Nische am Straßenrand frühstücken wir mit Blick auf den endlosen Wald. „Magisch,“ meint Chouchou, der sich plötzlich dreißig Jahre zurückversetzt fühlt: „wie das erste Schwedengefühl damals mit Peter.“
Erste Schneemobilschilder tauchen am Straßenrand auf, die haben im Juli Pause. Im Sommer fährt der Mittelschwede lieber Endzeitkarre. Oder Ghostbustersmobil.

An der Kirche links, achtzigkilometer geradeaus bis zum nächsten Kreisverkehr, dahinter kommt ein schrottiges Sammelsurium namens „Grymb place“. Nun ist es nicht mehr weit.

270km nordöstlich von Glaskogen liegt das Städtchen Mora am Siljansee, siebtgrößter See ganz Schwedens, entstanden durch den Einschlag eines Asteroidens und angeblich die größte sichtbare Einschlagstruktur ganz Europas. Die bekanntesten Persönlichkeiten des Ortes: entweder Eishockeyspieler, Freestyle-Skirennläufer, Metalbandfrontleute und ein Maler namens Zorn. Ab heute bewegen wir uns also auf rauem, aber geschlossenrotem Terrain.

Das spüren wir auch sogleich beim ersten, zarten Versuch, bei VW Mora einen flotten Ölwechsel zu bekommen.

Der Herr am VW-Tresen ist freundlich und deutlich. Ölwechsel? „Not today.“ Nächste Termine im August.
Wir könnten es aber mal bei Mekonomen versuchen, vielleicht haben die noch spontane Termine? Also hin.

Im ersten Mekonomen gibt es leider keine Werkstatt, dafür aber viel günstiges Bulliöl. Das packen wir ein. Die Dame am Tresen ist nicht sicher, ob wir bei den Kollegen, vier Kilometer weiter nördlich in der Werkstatt spontan einen Termin bekämen, aber versuchen lohne sich alle mal.

Im zweiten Mekonomen treffen wir auf einen liebenswerten Herren, der uns leider auch nicht helfen kann, wie er uns traurigen Auges mitteilt. Er sei eh schon im Verzug mit seinen Auftragsarbeiten, obendrein fehle ihm ein Mann und Freitag sei ja letzter Arbeitstag wegen der „holidays“. Welche Holidays?, fragen wir. Er meint Schwedens kollektiven Sommerurlaub, ab nächste Woche haben die allermeisten Werkstätten für mindestens drei Wochen dicht. Wir können es aber mal bei Meca versuchen, sagt er, den Tränen nahe.

Im Meca belächelt man unseren naiven Wunsch nur, in den folgenden Tagen noch zum Zuge kommen zu wollen. „Fully booked.“ Aber wir könnten es ja mal bei Bosch auf der anderen Straßenseite versuchen. Wir können nicht, wir müssen.

Langsam aber sicher rückt ein Hauch Verzweiflung immer näher. Nach Mora wollten wir eigentlich ins nordische Nichts, in Gegenden, wo ein Ölwechsel nicht nur nicht leichter, sondern hunderte von Kilometern-streckenweise quasi unmöglich ist. Der Magicbus aber braucht einen Ölwechsel – noch vor dem schwedischen Kollektivsommer, also: jetzt. Erste Gedanken spinnen sich um eine möglicherweise notwendige Streckenabweichung in die nächstgrößere Stadt Östersund: von hier aus schlappe 400 Kilometer gen Osten statt Norden. Wieviel Lust wir dazu hätten, muss hier nicht explizit erwähnt sein. Die Frage nach einer Werkstatt dort, die noch vor dem Wochenende einen Termin für uns hätte, ist hiermit noch nicht einmal gestellt….

Mit schlaffer Trauermiene schlurfen wir zu Bosch, feilend an einem psychologischen Manöver, wie wir das nächste Mechanikerherz eventuell weich kochen können. Trauermiene ist dafür schon mal gut und muss nicht mal geschauspielert werden, den Satz: „Sie sind schon unsere fünfte Anlaufstelle“ lassen wir weg. Wenn fünf schon abgelehnt haben, fällt es dem sechsten auch nicht schwer. Träne an den Wimpern und rein geht’s: „God dag! We are deeply desparated…“ Das stimmt!

Und wie immer haben die Globetrottels natürlich Glück! Ein Sonnenschein an schwedischem Herren steht hinter der Theke. Kurz überlegt er: tatsächlich sei sein Tag bisher gut gelaufen, alle Auftragsarbeiten seien schon durch. Aber – kritischer Blick auf die Uhr—es bräuchte durchaus Risikowillen, eine Stunde vor Feierabend an einem so alten Auto –kritischer Blick aus dem Fenster auf den Magicbus—noch irgendetwas zu beginnen. Bekanntermaßen seien Karren dieser Art ja Wundertüten.
Mit einem schlagenden Argument aber, bekommen wir ihn dazu, dieses Wagnis heute noch einzugehen: „Wir sind wagemutig und versuchen zwei Tage vor dem Urlaub noch einen Ölwechsel zu bekommen – Sie sind wagemutig und versuchen eine Stunde vor Feierabend so einen noch durchzuführen. Das passt doch gut.“ „Det stämmer,“ sagt er, das stimmt! Und macht sich an die Arbeit.

Schlussendlich werkelt Timo aus Leer am Magicbus. Timo, der sich vor drei Jahren nach Schweden abgesetzt hat, um hier ein wunderbares Leben zu führen, wie er meint: „Viel besser als Zuhause.“ Der Ölwechsel verläuft reibungslos und weil Timo auch einen Bulli hat und sich scheinbar freut, deutsche Bullifreunde zu treffen, guckt er ganz ungefragt noch einmal schnell über den Rest drüber: „Top Zustand, der Bus!“ sagt er und macht uns damit heute zu den glücklichsten Menschen in ganz Dalarna. Tak tak Timo, tak tak Bosch.

Weit schaffen wir es nach dieser Aktion heute nicht mehr. Aber unsere Glücksträhne reißt nicht ab:
In Vamhus –15km hinter Mora—gibt es ein allerletztes Plätzchen direkt am Siljansee. Auf einem Campingplatz mit Dusche und Pizza.

Ein Glücksmittwoch am Asteroidenkrater. Und noch zwei Werktage bis zum schwedischen Kollektivsommer…

Zwei Bilderbuchtage am See

Unsere zwei Tage am See –irgendwo in Mittelschweden—im Glaskogen Naturreservat sehen ganz genauso aus, wie eine Outdoor-Astrid Lindgren sie malen würde:

Zu allererst steht die Jungfernfahrt mit unserem neuen Aufblaskanu, das wir auf den höchstkreativen Namen „Das Bøøt“ taufen, auf dem Programm.

Das Bøøt –ab heute neues Teammitglied der Globetrottels—ist die günstigste Variante eines Pustebötchens, quietschbonbontürkis und nur willig zu schwimmen, wenn es exakt drei PSI in die Backen geblasen bekommt. Die müssen mit purer Menschenkraft erstmal in die Kammern rein: eigentlich sind wir danach schon vollkommen im Eimer und mit unserer Sporteinheit durch. Aber es hilft ja nix: das Bøøt ruft nach seinen Gefilden, also wassern wir es. Und finden so riesige Freude daran und darin, dass es an diesen zwei Bilderbuchtagen gleich zweimal zum Manöver starten muss: einmal im Sturm und einmal auf spiegelglattem Wasser.

Egal bei welchem Wetter: Bötchen fahren bleibt auf ewig eine der besten Meditationen von Welt! Neben in der Erde wühlen.
Wir tanken auf tiefschwarzem Wasser so viel Stille ein, dass diese für die nächsten Wochen halten sollte. Ich glaube, danach kann man durchaus süchtig werden.

Mehrere verlassene Inseln werden für einen Moment erobert, bevor wir sie ohne Spur wieder verlassen, ein Mittagssnack mit Annika, der Ente, geteilt. Gänse echoen über den verlassenen See, das einzige, das zu hören ist und Wasserläufer tanzen zwischen den Seerosen. Nur das einsteigen üben wir noch…

Als zweites steht das Jungfernschwimmen im Neoprenanzug an. Sieht aus wie ein hochsportliches Olympiadress, verliert aber ganz schnell an Eleganz, wenn man die ersten Schwimmzüge beobachtet. Das liegt ganz und gar nicht am Anzug, sondern lediglich an dem mopsartigen Wesen, das sich mühsam in die zweite Haut hineingepresst hat. Den höchsten Kalorienverbrauch eindeutig beim An- und auskleiden!

Dazwischen: ein Sams plantscht fünf Minuten im dunklen Wasser. Wie gut, dass ansonsten keiner hinschaut. Aber großen Spaß hat´s schon gemacht.

Viel Feuer gibt’s zu machen. Knurrtrockenes, schwedisches Holz brennt lichterloh und riecht phantastisch. Wir verfeuern insgesamt 40 Kilo.

Lecker kochen und essen…

…ein paar Runden Hoolahoop, einige Momente auf der Yogamatte und dann sind sie auch schon vorbei: zwei Märchentage an einem See in Mittelschweden.
Tage, die nie mehr vergessen werden…

Mit neuen Schlappen nach Mittelschweden

Thors Hammer schlug also über dem gestrigen Fussballspiel ein. Rudi, als alter Fußballfan, war hellauf begeistert, während unserem dänischen Teammitglied Brutus eine leise Träne übers zottelige Gesicht rollte. Sein erstes Fußballspiel – gleich verloren, das fällt einer sensiblen Moschusochsenseele nicht leicht.

Der Tag beginnt mit Nieselregen und einer vereitelten Dusche. Mit einem verträumten und voll shampooniertem Kopf, schaltet Annikas Hahn einfach aus. Ein viertel entsetzt, halb angezogen und komplett verstohlen bleibt nur, in den Spülbereich zu entwischen und schäumende „Wahre Schätze“ in einem Küchenabflusssieb zu versenken, das bisher nur Speisereste kannte. Sieb und Haar gemeinsam, vereint in einer neuer Erfahrung.

Bevor es heute weiter gen Norden, weiter gen Natur geht, müssen wir unsere Vorräte aufstocken.
Der Maxi-ICA –-vor Göteborgs Toren—hat auch am Sonntag geöffnet: ein weitläufiges Einkaufsparadies, in dem man problemlos verloren gehen kann. Neben frisbeegroßem Knäckebrot, Lasagne-Smoothies und kiloschwerem Käse in Konservenform finden wir endlich auch neue Schlappen. Eine Wohltat, nachdem sich einer der alten Birkenstocks an der dänischen Ostsee aus dem Staub machte und nur Plastikflipflops übrigblieben, die im nassen Gras und mit 300 Metern Laufstrecke zum WC nach drei Tagen eine wundtreibene Zwischenzehgeschichte erzählten.

Kurzum: alles da, was das Herz begehrt. Nur einen neuen Outdoorteppich und ein Kaltgerätesteckerkabel finden wir leider nicht – in diesem Herzen des schwedischen Vorstadtkonsums.

Über eine Wurschtelautobahn geht’s aus dem Großraum Göteborgs wieder heraus, vorbei an harten Schweden, die trotz des Regens Achterbahn nahe der Schnellstraße fahren.

Nach den ersten 50 Kilometern tauchen Riesenhasen auf den Feldern auf. Und Elchschilder, -übergänge und –zäune. Den König des nordischen Waldes persönlich bekommen wir leider nicht zu sehen.

Hinter Trollhättän steht ein welkender Midsommarbaum und der Wald nadeliger. Hallo borealer Nadelwald. Ab hier beginnt in unseren Herzen langsam der Norden.

Der letzte größere Ort auf unseren heutigen 290km ist Amal – mit zwei Kringeln überm A. Das Navi schickt uns links. Ab hier beginnt in unseren Herzen langsam die Wildnis. Die roten Häuser werden weniger, die Straßenränder von Lupinen geküsst. Danach: 30km Schotterstraße.

Die Anreise in den Glaskogen Nationalpark gestaltet sich deutlich abenteuerlicher als erwartet: der Magicbus wackelt sich tapfer über die –von ihm so verhasste—Schotterstraße, Menschen gibt es hier keine mehr, nur die Lupinen stehen noch einsam Wache – Blüte in Ast mit den Nadelbäumen.

Wir hatten möglicherweise viel erwartet, alleine nur nicht das: dass es 30km Schotterstraße sind, mitten hinein nach Kanada…

Unser Plätzchen für die Nacht liegt direkt am totenstillen See. In unserem Garten: eine Feuerstelle aus Stein, die Infotafel warnt, dass „in den letzten Jahren“ Wölfe und Bären gesichtet worden seien. Nun gut, lediglich das „in den letzten Jahren“ ist nicht ganz Kanada. Aber fast.

Es reicht, um das Herz weit aufgehen zu lassen. Nur nur wegen der neuen Schlappen und des Feuers…

Kulinarische Schwedenhits und hoffentlich keinen Strich durchs T(h)ør

Nach satten neun Stunden Schlaf behauptet meine Kontrolletti-Uhr, dass ich mit einer „body battery“ von 100 in den Tag starte. Genauso gut fühlt es sich an – insbesondere wenn man weiß, dass man deutlich weniger davon brauchen wird. Weil nichts an diesem Samstag, dem schwedischen »lördag« wartet.

Unser erster schwedischer „lördag“ ist ein Schwedenankommenstag. Wir nehmen uns Zeit für pures Leben:
Minisport auf Matte und im Stehen.
Frühstück mit einer kulinarischen Sonderentdeckung: vegane Kaviarpaste, der Hit!

Lesen im Sitzen und Atemübungen im Liegen, dann einen Spaziergang ans Meer mit einem nächsten Geschmacksexperiment: „Homie – wake up symbiotic“, der schwedischen Energydrink mit linksdrehenden Batterien und „Keishi“ – was auch immer das sein soll. Dank Google finden wir heraus: Keishi-cho ist das Polizeipräsidium Tokios. Jetzt, wo du´s sagst, schmeckt´s auch irgendwie nach Exekutive…

Die Kühe sind von ihrer einsamen Insel heruntergeschwommen und chillen heute am Strand. Mit fliegenden Hufen werden sich die Plätzchen fein gemacht, bevor es mit lautem Schnaufen mit dem Kuhpopo in den Sand geht. Und dann die Augen mit langen Wimpern zu: auch auf die Strandkühe wartet heute rein gar nichts zwischen Sonne und Wind. Nur die Schafe müssen arbeiten: die haben heute leider Satellitenwache.

Katastrophenküche im Wind: das Handling mit zwei Platten will nicht recht von der Hand gehen, die Blumenkohl-Kartoffeln mit Mango-Curry-Sauce und veganen Schnitzelchen, die etwas zu sehr in die unbeschichtete Pfanne verliebt sind, schmecken nichts desto trotz.

Das schwedische Schnäpschen danach – auf der Stenaline gekauft unter dem Deckmäntelchen des Integrationswillens—schaffen wir allerdings nur halb.

Mit einem viertel „Fläderschnaps“ im Kopp zum Spülen eiern, die Welt sehr ulkig finden und den Geschmack danach schnell mit Marabou-Schokolade übertünchen.

Heißkalte Wellnessdusche ohne triftigen Grund, einfach weil sie wohltuend ist in Annikas liebevoll dekorierten Bädern. Frisch für das abendliche Fußballspiel: Deutschland gegen Dänemark.
Wie gut, dass heute ein schwedischer „lördag“ und kein dänischer „lørdag“ ist.
Möglicherweise hätten uns die Gastgeber ansonsten einen Strich durch skandinavische T(h)ør gemacht…

Ein Wellness-Fredag für alle

Die Wettergötter meinen es gut mit uns: in der Nacht trifft ein dänischer Starkregen aufs Land. Schwere Tropfen auf dem Dach trommeln uns aus dem Schlaf vor Sonnenaufgang um vier. Sie kühlen das viel zu heiße Westschweden auf Normaltemperatur ab. Eine romantische Wohltat, wenn man eingemummelt in der Daunendecke diesem nächtlichen Regenlied zuhören darf.

Die Regengötter sind am Morgen noch nicht durch mit ihrer Arbeit. Noch immer schauert es: ein prima Grund, um langsam zu machen. Nach dem Frühstück setzen wir als Duo unsere Lesebrillen auf: endlich Zeit zu recherchieren, wie sich unsere nächste Etappe in Schweden gestalten kann; übermorgen.

Als wir Annika durch Zufall treffen, buchen uns für weitere zwei Nächte auf ihrer Wiese ein. Weil das Wohlfühlen sehr groß ist … und wir ab nun langsam: im Konsens entschieden.

Nachdem der Magicbus mit neuem Öl und frischem, pinken Kühlwasser gefüttert ist, eine Mücke im Closeup gefilmt und Chouchous zweiter Zeckenbiss (Chouchou-> Wildlifeopfer) kontrolliert wurde…

…zieht der Regen weiter und wir uns unsere Wanderschuhe an. Bis zum Meer ist es einen Kilometer durchs Naturreservat, vorbei an Seerosen und den gigantischen Satellitenschüsseln, die stumm über ein paar grasende Schafe wachen und leider nicht fotographiert werden durften.

Mit dem ersten Wellenrauschen in den Ohren, kommt die Sonne raus, sie scheint uns auf die erstaunten Gesichter. Und dann sehen wir die Ostsee hinter den »voll trolltollen« Felsen.

Wir kraxeln von Bucht zu Bucht. Mit uns sind nur ein paar Enten und Möwen hier. Und eine Bande Kühe, die auf der gegenüber liegenden, einsamen Insel hausen. Wie auch immer sie dort hin gekommen sind?! Eine von Kühen besetzte Insel in der Ostsee, ein Best-of-Kuhleben. Gefällt den Globetrottels sehr.

Der Rest des Tages kann in einem Satz zusammengefasst werden:
Langsam Videos schneiden (Chouchou), langsam tippen (ich), langsam die Powerstation aufladen (Chouchou in Zusammenarbeit mit Annikas Strom), langsam kochen (ich), langsam essen (wir beide).
Wenns gut läuft hängen wir später noch ein „langsam Film gucken“ dran. Wellness für alle.
Ein guter, schwedischer „fredag“…

Mit dem Wissen um die wahre Größe nach Schweden

Der sich ständig verändernden Farbe des Sonnenuntergangs hinterher schmachten bis um halb zwölf nachts, so ging es gestern. Farbentaumelnd dann der kurzzeitige Gedanke: „Den Sonnenaufgang will ich auch sehen,“ weil Sonnenaufgangsseite, weil noch nicht verstanden, dass bereits hier die Tage um so viel länger sind. Ein Blick auf die App flüstert: Gerne. Sonnenaufgang um 4:22h. Ach, dann vielleicht lieber doch nicht…

Die Sonne brennt uns um halb acht aus den Federn. Angesagte 27 Grad im nördlichen Dänemark heißt „garen hinter grauen Zeltwänden schon vor acht“. Erster Kaffee im Morgensonnenschein mit Blick auf die Ostsee, während in den großen WoMos um uns herum noch wohltemperiert geschlummert wird.

Wir können uns mit dem Frühstück Zeit lassen bis elf. Erst dann müssen wir langsam in Richtung Fähre bummeln. Die Stena Jutlandica fährt erst zum Highnoon tutend und schäumend aus dem Hafen. Farwel Danmark. Du hast Dich für uns von Deiner wunderschönsten Seite gezeigt. Tak dafür.

Und dank Dir lernen wir heute obendrein, dass der Bulli nicht 2,05m hoch ist, sondern lediglich 1,98m. Den Aufpreis „Höhe bis 4m“ hätten wir uns also sparen können. Sadly no refund, sagt die Dame am Schalter. Aber immerhin ist das Wissen um seine wahre Größe Gold wert. Nicht nur beim Magicbus, sondern generell im Leben.

Bötchen fahren ist immer toll. Besonders, wenn das Meer ruhig und der Himmel strahlend ist. In den ersten zwei Stunden kundschaften wir das gesamte Schiff aus: Reling und Restaurant, Sun deck Bar und Shoppingmeile, Bistro und Passierservicepunkt, dystopischer Raucherbereich, Café und Relaxsessel.

Beim lecker Essen auf dem Sonnendeck kämpfen wir erst mit den Haaren, die nicht in den Mund sollen und dann mit einer Möwe, die nicht an den Burger darf. Die erste „Fika“ (schwedische Kaffeepause) wird mit blauem Ausblick (heute marine) und trockener Zimtschnecke zelebriert.

Im Duty free dieselen wir uns einmal von oben bis unten mit kostenlosem Parfum ein und kaufen dann zehn Pinnekes schwedischen Schnaps. Botten upp! Und dann kommt auch schon Göteborg mit seinen tausend vorgelagerten Inselchen in Sicht.

Die Einreise läuft zügig: Knattern und ab. Ganz anders als 2021, als wir das erste Mal hier waren und die Schweden einen hochaktuellen PCR-Test und Perso von uns sehen wollten – mit Maske. Oh baby, baby, how times are changing. Nur Göteborg war damals ganz genauso schön wie heute.

Unser erster Orientierungsstopp in diesem Land soll 40km südlich der Stadt sein: in Onsala, nahe dem Svängehallar-Fjärehals Naturreservat.

Weil es hier ruhiger ist und grüner, die Ostsee noch ums Eck, allerdings von der Sonnenuntergangsseite.

Auf Annikas grüner Wiese dürfen wir zwischen den Zelten stehen.

Passend, da der Magicbus kein Wohnmobil ist, sondern lediglich ein pupsnormales, altes Auto mit 1,98m Höhe (wie wir heute gelernt haben) und Dachzelt (das wussten wir schon länger). Es hat über eineinhalb Jahre gebraucht, bis wir es endlich begreifen: wir leben nicht in einem komfortablen WoMo, nicht mitten im stylischen „vanlife“. Wir schlafen momentan in einem ollen Auto, das kleiner als ein SUV ist.
Und kochen, lachen, essen und leben unter einem Himmelszelt, dem das Wissen um seine wahre Größe nie abhanden kam: Gold wert!

Von Wikingern, dualen Wellen und sehr viel buntem Blau

Unseren Public viewing-Spot fanden wir gestern tatsächlich noch: am anderen Ende des Hafens, drum herum um einen bunten Street food-Markt, von dem wir gar nicht ahnten, dass es ihn gibt. Welch ein Reiseführerversäumnis.
Der Markt ist pickepackevoll mit Menschen in roten Trikots. Neben zahlreichen Studentenmützen, trägt der fussballaffine Däne heute Häubchen mit rotweißen Hörnern – „vikinger fodbold“ 2024, dazu gibt’s lauwarmes Bier aus Plastikbechern.

Das Spiel gestaltet sich mäßig spannend und die Dänen sind so groß, dass man von der Leinwand kaum etwas sieht auf Grund zahlreicher Hünenrücken. Nach der ersten Halbzeit rücken wir ab – 0:0– und erfahren später, dass auch die zweite kein verändertes Ergebnis ergab. Stimmung eingeschnappt und sonst nix verpasst: wir haben´s gut abgepasst.
Nächste Spiel: Dänemark gegen Deutschland. Da werden wir allerdings schon über alle Berge sein…

Den ersten Kaffee am Morgen gibt’s an der Hafenkante. Außer zwei älteren Herren kommt niemand an der einsamen Bank vorbei. „Go morn,“ brummeln sie; ein verschlucktes „God morgen“. Wie herzig kann eine Sprache sein, die wie eine Mischung aus betrunkenem holländisch, faulem englisch und übermüdetem Deutsch klingt!? Mein neues Lieblingswort lautet übrigens: „gammeldags“, ich werde es in Zukunft in meinen Wortschatz einbauen: „Dein Vintage, Liebling, ist mein gammeldags“.

Wir verlassen den Aalborger Hafen mit Erwartungen. Nur sechs Kilometer weiter wartet unser größtes, geplantes Dänemark-Highlight. Mit entsprechend euphorischer Vorfreude und lautem Tuckern wackeln wir um Punkt zehn Uhr an: in Lindholm Hoje.

Das Erste, was wir hören sind blökende Schafe, die sogleich den Hügel hinunter in unsere Richtung traben als wir parken – mit springenden Lämmchen im Schlepptau. Eigentlich reicht das bereits, um diesen Ort zum höchstpersönlichen Favoriten zu erklären. Und wir sind noch lange nicht die Anhöhe hochgekraxelt…

Lindholm Hoje ist Dänemarks größtes Gräberfeld. Vor der Christianisierung wurden an diesem Ort Steine für die Verstorbenen gesetzt –in Form von Ovalen (für die Frauen), in Form von Schiffen (für die Männer). Die Wikinger glaubten, dass die Toten nach ihrem Ableben ins geheime Thule reisen würden: ein mystisches Land im äußersten Norden, jenseits der bekannten Welt, tief im ewigen Eis, nur mit Booten zu erreichen. Daher die Schiffsetzungen.

Dieser Ort berührt uns sehr. Vielleicht weil er etwas Archaisches und gleichzeitig sehr zartes hat. Zauber in den alten Baumen am Hügelrand, ein mystischer Hafen, aus dem man ins Ungewisse aufbricht. Ein perfekter, heiliger Ort; unser 185.

Ins Museum wollen wir eigentlich gar nicht rein. Im Wikingershop aber geraten wir an eine blonde Hünin, die so tief eingetaucht ist in die Sagen des Nordens, dass diese dringend wieder raus wollen. Mit unserer Frage nach der Bedeutung der Schlange auf einem Armreif zieht sie uns in die Ausstellungshallen hinein: einmal durch Midgard im lebendigen Sprudeln, während derweil die Götter in Asgard chillen.
Ein viertelstündiger, ungeplanter Ritt durch die nordische Sagenwelt. Natürlich kaufen wir den Armreif. Und Thors Hammer gleich dazu.

Die Sonne steht noch hoch an einem strahlend blauen Mittagshimmel, der Tag ist noch jung, also geht es weiter nach Skagen.

Durch die Dünen sind wir flotten Reifens am nördlichsten Punkt des dänischen Festlands: Grenen.
Neben Kopenhagen ist dies –will man dem Andrang glauben—sicherlich der meist besuchte Ort des Wikingerstaats. Hier, wo an der sandigen Spitze Nord- und Ostsee aufeinandertreffen.
Und ich will sagen: er ist es zurecht.

Während Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, zu Hauf mit dem Traktor an die Landzunge karrt werden, schleichen wir uns durch weißen Pudersand an. Über die Ostseeseite, kobaltblau.
Am Hotspot heißt es „hinten anstellen“, das tun wir brav, indem wir uns erstmal in den warmen Sand setzen. Hinten ansetzen, also – mit Blick auf Nord- und Ostsee gleichermaßen. Ein guter Ort zu warten.

Als der Traktor wieder ablegt, lichten sich die Reihen und wir tapsen mit den Füßen in die dualen Wellen. Chouchou in die Nordsee und ich in die Ostsee – Hand in Hand, zu jedem Sprung bereit.

Eine wunderbar verrückte Welt, wenn man von zwei Seiten den gleichen Punkt ansurfen kann. Und genau in der Mitte: eine Mischwelle.

An der Nordsee spazieren wir barfuß zurück: azurblau. Über ihr sind die Möwen zu Hause, während im Osten die Quallen schwimmen.
Endloses blau in blau im höchsten Norden Dänemarks: kobalt, azur, marine, türkis, indigo, lapislazuli. Und oben drüber der Himmel – natürlich in himmelblau.

Auf dem Rückweg verliere ich in den Dünen meinen Schuh, er flüchtet vollkommen unbemerkt aus der Tasche. Wohl ein Seesüchtiger, es sei ihm vergönnt: die endlose Freiheit im Norden und nie mehr getreten werden in diesem Schuhleben.
Im Sand ist sein Abschied nicht allzu dramatisch für mich, auf dem folgenden Kies aber vermisse ich ihn bereits sehr.
Machs gut, oller Birkenstock. Wir beiden sind weit miteinander gegangen…

Am Abend parken wir am Hafen von Frederikshavn ein.

Erste Reihe an der Ostsee, kobaltblau.

Nach einem Tag, den Dänemark nicht schöner hätte malen können. Für niemanden.
Eine Perfektion in kobalt und azur, in marine und türkis, indigo und lapislazuli.
Vor allem aber in bunt.

Menschenfreundliches Aalborg

Geschmeidig kommen wir um 10h los, die Altstadt Ribes winkt uns von weitem „farwel“. 270km weiter gen Norden durch sonnig-grünes Hügelland mit Herzkirsche bis Aalborg.

Am Yachthafen parken wir für die Nacht ein, einen Steinwurf von der Stadt entfernt. Strom können wir für 3 Euro zapfen –ein gänzlich undänischer Preis—problemlos: sehr dänisch. Nur an den Toilettentüren zappeln wir uns doof, also müssen wir uns durchs Hafenviertel fragen. Nach zwanzig Minuten kennen wir die Hälfte der Skipper und wissen zumindest, wie wir in die Toiletten 300 Meter weiter mit einem Code gelangen. Schiff ahoi, jetzt können wir die Stadt besuchen.

Stadtbeschreibungen sind langweilig, daher nur so viel:
Aalborg ist aufregend unaufgeregt und menschenfreundlich. Der Blick aufs Wasser für Wohnungen, statt Startup-Unternehmung, an der Hafenpromenade ist das Kopfsteinpflaster für Menschen mit Rollstuhl, Kinder-, Bollerwagen oder Rollator begradigt. Die Innenstadt ist weitestgehend autofrei: der Verkehr wird großzügig um den Ortskern herumgelenkt.

Menschen flanieren zur besten Arbeitszeit gemütlich im Sonnenschein oder sitzen in den Cafés, ein freier Platz schwer zu finden. Die Aalborger*innen sind ein buntes Völkchen, herrlich heterogen. Was aber vereint sind die roten Trikots fürs heutige Dänemarkspiel und die Studentenhüte der Schulabgängerinnen, die sich eine Woche lang für ihren Erfolg öffentlich feiern lassen. Zu Recht.

Kleine Boote dümpeln auf dem Wasser, die Brücken heben sich gemächlich jede halbe Stunde zur Durchfahrt der größeren Schiffe.

Ein Kreuzfahrtschiff liegt gegenüber des Utzon-Centers: letztes Projekt des Architektens Jorn Utzon, der auch die Oper von Sydney entwarf. Schönheit vs Gigantomanie.

Wir tippeln den gesamten Nachmittag durch die Stadt, schlecken Eis und schauen den Möwen hinterher. Sommer in Aalborg und wir sind mittendrin.
Jetzt müssen wir nur noch eine Bar auftreiben, die um neun Public-viewing veranstaltet…

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Die Globetrottels

Theme von Anders NorénHoch ↑