Unterwegs im Magicbus

Autor: Chérie (Seite 13 von 28)

Von Gürteltierpilgern und Panoramawolkenbildern

In jeder Nacht auf dem bisherigen Weg träumen wir beide wie wild. Heute aber setzt sich den nächtlichen Bildern noch der mittelalterliche Wahnsinn drauf.
In diesen brüchigen Gemäuern leben alte Geister, die nach Mitternacht ihr Unwesen treiben in den ahnungslosen Köpfen von armen Pilgern.
Und so entdecke ich in dieser Nacht nicht nur ein neues Universum, indem ich einen geheimen Auszug nehme, sondern tanze auch mit einem dementen Mann AustronautenQuickstep. All meine engsten Freundinnen besuchen mich: eine schwimmt in einem Meer voller Orcas, eine dated einen jungen Wissenschaftler, der das allgemeine Weltverständnis revolutioniert, mit dreien tanze ich auf einer wilden Party in NewYork. Kurt Cobain ist sich da — in einem Elch Kostüm. Und kurz vor dem aufwachen will der Papst von mir wissen, warum wir den Jakobsweg eigentlich gehen, während meine Wanderschuhe endgültig zerreißen.

Frühstück beim grumpy Wirt. Wir bekommen Milch zum Kaffee, sein Knurren ist leiser geworden und seine Schritte schwerer.

Über die Pilgerbrücke raus aus Conques.

Sehr harter Aufstieg — meinen auch unsere ersten Pilgerkumpel: drei junge, verrückte Franzosen, die sich entzückt und barbrüstig den Wald rauflärmen.
Wir taufen sie „unsere Gürteltierpilgerfreunde“. Weil Gürteltiere ja —wie wir seit Mississippi wissen— die lautesten Waldbewohner der Welt sind. Und entzückend.

200 Meter unter uns liegt Conques. An der Kapelle schlagen wir die Glocke. Schwieriges Unterfangen, nur umsetzbar durch den Einsatz des gesamten Körpergewichts. Im Kapellenbuch haben sich die fünf deutschen Pilger verewigt, die uns in der Herberge in Golinhac zuvorkamen. Und nur Gott weiß, warum bloß sie sich entschieden, ihre Initialen in die menschenunmöglichste aller Formen aneinander zu reihen!?
„Die fünf aus Passau,“ steht da. Unterschrieben: „SS WC Fe“.
Fünf Schutzstaffel-Toiletten-Feen aus Passau… oder steht Fe für Eisen!?

Pause nach 6 Kilometern in steilen und kopfstehenden Noailhac.

Die Bar hat tatsächlich geöffnet. Freundliches Volk am Tresen, zwei betagte Herren trinken Rosé zum Mittag, wir bekommen die größten „Sandwichs“ der Welt mit Cantalkäse. Krachen beim Reinbeissen.

Einer der Gürteltierfreunde humpelt herein, er hat sich das Band beim Aufstieg aus Conques gezerrt. Nur für ihn ist heute der nächste Heilige, der nach dem Kreuzweg raus aus Noailhac, in der folgenden Kapelle auf dem Kamm seine Kutte lüpft. Aus Empathie für bänderkranke Pilgern: Guck, ich hab auch. Buntes Glas als Trost.

Oben angekommen laufen wir stundenlang über einen Bergkamm, meist an einer einsamen Straße entlang. Panoramaaussicht zu allen Seiten. Wir sehen: auf der Aubracschen Hochebene liegt mittlerweile Schnee. Über uns ein Wolkenspiel mit vielen Bedeutungen.

Am Wegesrand ein paar Lamas, Pferde, natürlich Kühe. Wir schauen Schafen beim Spurt zu, ein eisiger Wind weht.

Unsere Gürteltierfreunde tanzen —trotz angeschlagener Bänder— auf unbefahrenem Feldweg, als wir sie wieder treffen. Gute Menschen.

Die Strecke zieht sich. Ein lustiger Kegelberg taucht auf, darunter liegt Decazeville. Nach 22,6km. Endlich.

Heute haben wir Facetten unserer Füße kennengelernt, von denen wir noch nicht wussten, dass sie in unseren Fussgewölben überhaupt existieren. Unseren Gürteltierfreunden geht’s genauso. Wir treffen sie erneut im runtergekommen, recht verwaisten und verwüsteten Ortskern wieder.
Sie müssen auf wunden Ballen noch weiter, wir aber bleiben.

Im Hotel Mapel, Zimmer 112, kurz nach Streetart und den zwei Autos, die Knies haben.

Zum Abendessen gibt’s das beste, was der Carrefour herzugeben hat: Frisches!!

Und dann ein Bad in der blätternden Hotelnasszelle aus den unrenovierten 60er.

Beides eine Wohltat.

Am siebten Tage sollst Du ruhen.

Ruhetag in Conques.
Außer unserer unermüdlichen Jagd, irgendetwas Essbares aufzutreiben passiert nicht viel.

Wäsche waschen im Waschbecken — trocknet bestens auf beheizter Handtuchhalterung.

Unsere gestrige Bierbar aufsuchen und nach etwas zu Essen betteln: tatsächlich bekommen wir ein Frühstück. (Und nehmen heimlich einen Apfel mit.)

Ein Gang durch mittelalterliche Dörfchen im Regen.

Abbaye Sainte-Foy. Erbaut zu Ehren einer jungfräulichen Märtyrerin im 3. Jahrhundert, deren Gebeine 500 Jahre später erfolgreich von einem Mönch gestohlen und seither hier ausgestellt werden.

Das Jüngste Gericht über dem Portal der Kirche blickt bunt und drohend, seit knappen tausend Jahren schon. Vielleicht wegen des Apfels!?

Drinnen wird Messe gefeiert. Wir bleiben gemeinsam mit den Greisinnen des Dorfs und einer Nonne im Nacken. Hoffend auf eine leckere Hostie, die für uns nicht abfällt. Fünf Mönche am Altar, einer kann der Liturgie nicht mehr ganz folgen. Hat bestimmt auch ganz doll Hunger.

Pilgerstempel in der Touri-Office einsammeln. Man freut sich, dass wir noch nicht verhungert sind. Nix zu futtern im Dorf, dafür aber stempeln sie wie die Großen.

Aligot-Pulver anrühren um halb sechs. Wie dankbar man für Käsekartoffelpapp doch sein kann, wenn man hungrig ist.

Duschen, Haare waschen und dem Regen draußen beim Fallen zu schauen.

Ein letztes Mal eine Herberge für morgen anschreiben. Nicht aufgeben!
Natürlich bleibt es ein Totalausfall.

Pilgerpause in einer Vorsaison, die eher „Non-Saison“ heißen müsste.
Immerhin hat man die Straßen für sich allein, die Wege und den Wald.
Weil die Welt hier stehen blieb. Irgendwann ums Jahr 1100.
Und seither in einer „Non-Zeit“ verweilt…

Und Conques sprach: Fasten sollt Ihr!

Am Morgen liegen Wolken im Tal unterhalb von Golinhac, der Weitblick über die Berge reicht zurück bis Nasbinals. Wo wir vor 5 Tagen losgelaufen sind.

Monique serviert uns selbst gemachte Marmelade und tatsächlich die Käseplatte von gestern Abend, über die wir sehr lachen mussten. Denn nur die Deutschen futtern die ganze Platte mit einem Kilo Käse leer. Und wir mussten gestehen, dass wir es im geschlossenen Hotel in St. Chély ganz genau so gemacht haben. Sehr zum Wunder unseres Hoteliers. Deutsche Kretins: fressen abends als Dessert ein Kilo Käse im Wert von 30€.

Der erste Teil des Weges läuft nach Bilderbuch: die Wärme verscheucht den Gefrierpunkt, Sonne über den Hügeln, liebevolle Kleinigkeiten am Wegesrand: von Menschen für Menschen.

Das erste Mal ahnend, dass dieser Weg möglicherweise wirklich etwas Magisches an sich haben könnte. Dass es sich anfühlt, am richtigen Ort zu sein.

Auen, Bäche, Brücken. Mit uns sind nur die frühen Schmetterlinge unterwegs. Vor meinem inneren Auge immer wieder das Bild eines der allerwichtigsten Menschen meiner Welt, der sich so herzlich kaputtlachen konnte wie kein anderer. Ein inneres Bild sprudelnder Lebensfreude. Wunderschön und zart wehmütig.

Ein Tête-à-tête mit dem sanftmütigsten Esel der Welt. Herzberührend. Sehr.

Und die Erkenntnis, dass sich die meisten Persönlichkeitseigenschaften der momentanen Situation anpassen:
Freundlich? Bin ich. Und unfreundlich.
Humorvoll? Und viel zu garstig und ernst.
Weltoffen? Und engstirnig und verbohrt bis ins Mark.
Nur die Tierliebe — die ist immer gleich und immer da. Vielleicht meine unverrückbarste und zuverlässigste Eigenschaft.

Pause am Fluss in Espeyrac nach 8,4km. Auch in diesem Dorf: alles zu. Nur der Popanbär hält wacker Wache.

Ab Sénergues zieht kalter Wind auf. Auf dem Kamm wehen die Böen uns fast davon. Eisig, Daunenjacke an, von den mittäglichen 15 Grad ist nichts mehr zu spüren.

Mehrere, kleine Örtchen folgen noch. In allen sorgt der Aveyron basal gut für seine Pilger: Trinkwasser und öffentliche Toilette in jedem Dorf, nur geöffnet hat weiterhin gar nichts — außer der Kirchen. Kein Café au lait also für Chouchou (das „au lait“ haben wir uns in den letzten Tagen eh schon abgewöhnt). Wir sinnieren über die
Erfindung einer portablen Pilger-Espressomaschine, Gesamtgewicht: 230g.

Abstieg nach Conques: berühmt berüchtigt in der ganzen Region. Der Wirt aus St Chély hat uns eindringlich davor gewarnt. Nach 500 Höhenmeter Geröllabstieg vor der Haustür. Die Haxenbrechernummer von vor fünf Tagen…
War viel schlimmer als der Abstieg heute. Weil es nebenan immer schlimmer ist als daheim!?

Conques:
unser Appartement mit Kitchenette finden wir prompt im Mittelalterdörfchen. Nach 22km endlich angekommen!
Jetzt müssen wir nur noch flott etwas einkaufen gehen. Für heute und morgen: unserem Pausentag nach knappen 100km.

Google Maps glauben wir erstmal nicht: angeblich kein Supermarkt in Conques!? Wie oft haben wir diese Woche schon gelernt, dass das Internet so gerne flunkert.
Wie stiefeln also einfach mal los — schauen.

Tatsächlich gibt es eine Menge Restaurants und Cafés in der Stadt. Leider alle zu. Die Touristeninformation aber ist geöffnet, also fragen wir hier nach —zumindest— einem Tante Emma Laden.

Noch immer kann ich es einfach nicht glauben! Bereits 20 mal vor mich hingestammelt, wird die Tatsache einfach nicht greifbarer: in diesem Ort gibt es keinen Supermarkt. Keinen Tante Emma Laden. Keine Bäckerei. Keinen Markt. Nichts.
Lediglich 15 Restaurants — alle zu. Alle öffnen am 1.4. — kein Scherz.
Wir haben unseren Pausentag scheinbar im einstigen Dorf Frankreichs geplant, in dem ein Pilger verhungern kann. Mit Augen in der Auslage von mehr als einem Dutzend Restaurants — noch sechs Tage geschlossen.
Wenn wir nicht so hungrig wären, wir müssten uns beinahe totlachen.
Weil es herrlich urgrotesk ist und bekloppt.
In jedem kleinsten Dorf, durch das wir die letzten 100km gelaufen sind, gab es zumindest eine Bäckerei. Überall in Frankreich, im letzten Winkel.
Nur nicht in Conques.

Am Morgen noch hatte ich den Gedanken: vielleicht hat dieser Weg ja wirklich etwas magisches.
Die oft zitierte Floskel: „the camino provides“ — der Weg sorgt für Dich— könnte nirgendwo lustiger sein als just in diesem Moment.

Was also tun?
Morgen weiter gehen wollen wir unter keinen Umständen. Die Füße haben sich zu sehr auf diese Pause gefreut.
Außerdem ist den ganzen Tag lang Starkregen angesagt.
Ob wir wohl verhungern müssen, frage ich die mitleidig dreinblickende Angestellte der Touristenoffice?
Möglicherweise nicht, denn es gibt einen Laden, der geöffnet hat: ein kleines Souvenirgeschäft.
Und im Notfall natürlich das Klosters. Das hätte zwar nicht geöffnet (ab wann!? Na rate bitte! Bingo: heilig ab 1. April), aber vielleicht haben die ja ausnahmsweise ein gutes Herz für hungernde Pilger!?
Wie dem auch sei: wir versuchen es erst beim Inhaber des Tourishops. Ein Herz für hungernde Pilger hat der eindeutig nicht.

Kurz vor knapp pesen wir in den Souvenirladen und erklären unsere Lage. Dem knurrigen Langhaarigen hinter der Kasse könnte nichts egaler sein, als dass wir vor Hunger fast umkippen. Er will nur Feierabend machen. Sofort.
Wir stürzen uns also in die Regale.

Das Dosenfleisch wollen wir nicht. Und auch nicht die GänseleberstopfPastete. M&Ms aber sind fein, die nehmen wir. Und die einheimischen Chips, Rotwein und Walnusskuchen (vergiss die Allergie!) für schmerzfreie 8 Euro.
(Reminder: heute hatten wir lediglich ein Croissant mit Moniques Marmelade, ein Stück Baguette mit Käse von der deutschen Kretinplatte, einen Naturjoghurt und ein PocketCoffee unterwegs).
Im Souvenirladen gibt auch Aligot-Pulver (historisches Pilgeressen: Kartoffelpüree mit Käse) — muss man eigentlich mit Milch anrühren. Die hat der Knurrige nicht, wir nehmen das Pulver trotzdem (siehe Reminder: extrem grosser Hunger…). Noch sind wir guter Hoffnung. Weil der Camino ja angeblich „provides“…

Und siehe da: es gibt tatsächlich noch ein geöffnetes Etablissement in Conques.
Die Bar.
Hinter der Theke winken uns 11 Liter
Milch freundlich. Wahnsinn: der camino „provides“ ja wirklich!

Wir bitten den Wirt, uns einen Liter Milch zu verkaufen. „Non!,“ schreit der, entsetzt und wild gestikulierend. „Ich brauche alles für mich selbst!!!“

„The camino provides…“
Manchmal vielleicht anhand von Aligot-Trockenpulver!?
Etwas desillusioniert schleichen wir nach Hause mit unseren Vorräten.

Öffnen den Kühlschrank…

Und siehe da:
Milchpulver!
Ach ehrlich: Das kann sich doch niemand ausdenken…

Estaing—Golinhac:15,7 windignasskalte Kilometer

In Estaing braucht man keinen Wecker. Der Glöckner bimmelt einen wach. Wegen lahmer Zunge am Abend heißt er für uns nur der „Hampfzeilglöckner“. Unser Wirt serviert im Leopardenpulli altes Brot und wirkt etwas knurrig: wegen des Hampfzeilglöckners am frühen
Sonntag womöglich.

Über die verzwirbelte Mittelaltertreppe runter, geht’s im Niesel los. Pünktlich vom Hampfzeilglöckner hassenden Wirt auf den Glockenschlag rausgeworfen.

Immerhin per Mail die freundlichste Herbergenabsage seit Beginn der Pilgerei. Regine hat zwar keinen Platz für uns —5 deutsche Pilger belegen heute Nacht ihre Betten— nennt uns aber eine Alternative für die Nacht abseits des Jakobswegs. Im Notfall würde sie für uns dolmetschen, wenn wir heute Abend nicht zurecht kämen. Und erneut die schriftliche Bestätigung: vor April ist’s hart, einen Unterschlupf zu finden.

An der Lot entlang.
Ab Kilometer vier geht’s gnadenlos bergauf: 300 Höhenmeter lang, angeblich an insgesamt 20 Kreuzen vorbei.
Mittlerweile in Ponchos, da der Niesel zugenommen hat. Wir finden bis Ankunft lediglich drei Kruzifixe am Wegesrand…

Kilometer 7: Zwei AubracKühe sind von der Weide ausgebüxt. Liberté pour vaches!
Sie beäugen uns skeptisch — oder neugierig? Grund genug, uns angstsingend an ihnen vorbei zu drücken. Und die Erkenntnis: Nur der Kühe Gutmütigkeit bewahrt uns vor dem blanken Tod. Sie sind uns körperlich heidenlos überlegen. Und wie danken wir ihnen Gutmut und Neugier? Indem der Mensch sie aufisst. Seltsame Welt.

Pause nach Kilometer acht.
Ponchos trocknen im Höhenwind. Jemand hat an die Garderobe geschrieben: „J‘ai mal aux tentacules.“ Schmerzen an den Fangarmen, ich weiß genau, was er meint.

Der plötzliche Temperaturabfall lädt leider nicht zum langen Verweilen ein. Im Aveyron hat’s heute Mittag um eins gefühlte 6 Grad. Und der Regen kehrt zurück mit einem kalten Wind im Schlepptau.

Bis zum Ende des Tages haben wir fast all unsere Klamotten einmal angehabt: Daunenjacke, Mütze, Schal, Windjacke, Poncho…und den Rest darunter. Warm eingepackt und Schönes und Kurioses am Wegesrand.

Wiesen, Aussicht und Flüsschen. Manchmal idyllisch hinter Stacheldraht. Meist ein Auenland mit Zauberbäumen.

Die fünf deutschen Pilger überholen uns. Die ersten ihrer Art seit Nasbinals. Und staunen nicht schlecht über unser Wissen, dass sie heute Nacht bei Regine übernachten. Regine, die einzige, die Fremdenzimmer in dieser Gegend zu dieser Zeit vermietet und nette E-Mails schreibt. Neben Monique und Michel.

Um vier klingeln wir diesen. Monique, eine breit lächelnde Dame um die 75, öffnet. Hier —in Golinhac— dürfen wir in Wärme ankommen. Nach 15,7 nassen und kalten Tageskilometern.

Ganz langsam beginnen unsere Körper zu verstehen, dass das Laufen keine Eintagsfliege ist. Nur Chouchou Zeh und meine Archillissehne sind diejenigen, die noch dagegen ankämpfen.

Frisch und heiß geduscht mit der herrlichsten Seife ganz Frankreichs, warten wir unter Engels- und Enkelsaugen im eigens für uns reservieren Obergeschoss nun aufs Abendessen. Monique wird kochen: es kann nur bestens werden.

3. Tag: By the stairs on the left, on the right, on the bottom of the church



Herrlich geschlafen. Das Appartment nehmen wir den Rest des Caminos einfach mit. Bäckerei direkt vor der Haustür. Bomben-Schokoladentörtchen, bewacht vom Popanbär.
Zwei Frühstückseier pro Nase.

Über dem gesamten Ort wabert Musik aus Lautsprechern. Beim Lospilgern läuft der Star Wars Soundtrack. Kann man sich nicht ausdenken. Best.

Stempel in der Touriinfo.
Wir laufen als erste über den neuen Jakobsweg direkt an der Lot.
Ein fingierter Radfahrer kommt vorbei. Aus seinem Ghettoblaster tönt: „Just the two of us, we can make it if we try…“
Kann man sich auch nicht ausdenken…

Bessouéjouls.
Mittelalterkirche, 9. Jahrhundert, Karolingerstil aus rotem Sandstein:
Die englische Einladung zum Aufstieg in die Oberkirche wurde knallhart kordiert von „unterzeichnet Nathalie“.
Originale Wegbeschreibung: „by the stairs on the left, on the right, on the bottom of the church“.

Über einen engen Gang geht’s nach oben. Erzengel Michael zertritt hier den Teufel, ein Meermann ist auch da und ein schlecht gelaunter Flötenengel. Seit über 1000 Jahren ist hier nur wenig passiert. Genauso wie im restlichen Dorf.

Widerlicher Aufstieg, super Aussicht. Ein kalter Wind bläst oben über die Äcker. Ein Schäfer mit Schafen, ein Ort, der „La Bibla“ heißt.

Noch mehr Äcker, wieder keine Menschen. In Verrieres eine weitere Uraltkirche. Wäsche im Garten, letzter Aufstieg.

Nach 15km: Estaing. Auch hier hat sich seit dem Mittelalter nicht viel getan.
Unser Zimmer hat direkten Blick auf die Kathedrale, der Wirt ist mit Karaoke beschäftigt, Katzen heulen lautstark in den Gassen bei untergehender Sonne auf altem Gemäuer.

Bierchen im einzigen Lokal im
Ort. Originale Gäste, die Bedienung sieht aus, als träumte sie von Paris. Wir bekommen einen Stempel und Blättern in Pligerführern von Anfang des Jahrtausends.

Beste Pizza seit Parry Sound, Kanada gibt’s nebenan. Der nette Wirt serviert um Wein aus Estaing — St Jaques Edition.

21h: die Kathedrale scheppert laut. Ich nehme an, sie haben hier noch einen Glöckner, der stündlich fürs Bimmeln geweckt wird und sich an einer alten Hanfstrippen abbuckeln muss, um die Glocke zu Klingeln zu überreden.

Highlight des Abends: wir haben für morgen schon die einzig geöffnete Herberge im nächsten Ort organisiert. Neuland. Wie so vieles hier…

Bloggen und Pilgern verträgt sich nicht

 

Erkenntnis des zweiten Pilgertags:
Ausführliches Bloggen und Pilgern schließt sich leider aus. Ich hatte er vorab geahnt, spätestens heute zeigt es sich.
Wobei: wenn ich ehrlich bin, war es bereits schon gestern so weit.

Dieser Weg ist keine gemütliche Magicbusreise. Es braucht so viel mehr Logistik, ist so viel mehr körperliche und so viel mehr mentale Anstrengung, dass es sich leider nicht ausgehen wird, darüber auch noch im Detail zu berichten.
Mir selbst tut das am allermeisten leid: weil das Schreiben mir so viel Freude bereitet und eine so schöne Chance ist, vor allem die kleinen Details festzuhalten. In einem großartigen Ganzen.
Nach 24km Laufen aber, inklusive Gepäck und 700 Höhenmeter — nach angestrengter Nachtplatzsuche — nach dringender Hygiene — nach viel mehr „socializing“ als beim Bullicampen in einer Sprache, die man kaum spricht, dann aber doch so viel, dass man trotzdem zu kommunizieren versucht und jeder Satz enorme Konzentration erfordert, lassen sich keine zusammenhängenden Sätze mehr als Ganzes zusammenformulieren. Etwas, mit dem ich auch glücklich wäre.
Weil jeder Text ja die Essenz des Tages rausschälen soll. Weil die Sätze hintereinander logisch sein sollen. Weil die Details und auch die Emotionen drin sein sollen. Und am besten natürlich auch die Weltbeschreibungen und tollen Fakten der Gegend. Und obendrein soll der Text vergnüglich und schön zu lesen sein.
Dann haben wir aber noch nicht die Bilder bearbeitet, die Zeilen konfiguriert, die Fotos eingefügt und die Rechtschreibfehler korrigiert…

Leider geht das alles im Pilgerpace nicht.
Daher werden es auf dem Jakobsweg wohl deutlich weniger Zeilen als (von mir) gehofft. Nächste Erkenntnis: ich selbst bin die Person, die darauf Druck macht. Ich selbst bin die Person, die nur einen Text veröffentlichen will, der mir auch selbst etwas sagt. Ich selbst bin diejenige, die es sich schwer macht.
Auch das: eine wichtig Erkenntnis!

Kurzum, wird es auf dem Jakobsweg hier vor allem Fotos geben. Und kleine Blitzlichter des Tages.
Weil es bei diesem Weg nicht um die perfekte Beschreibung gehen sollte, sondern um das pure Erleben.
Nicht immer schließt das eine das andere aus. Momentan leider schon. Da der Pilgertag leider drei Stunden zu wenig hat. Und weil er so fordernd ist, das die Kraft für tolle Texte nicht mehr reicht.

Hier also lediglich ein paar harte Falten und kurze Blitzlichter des heutigen, zweiten Pilgertags:

St Chely d‘Aubrac — Espalion: 24,5km
Wetter: Sonne, 21 Grad
geöffnete Herbergen: null

Blitzlichter:

Gedacht, schlau zu sein und bereits beim Frühstück im geschlossenen Restaurant („kleine Knabberei“) versucht, eine Herberge für die nächste Nacht zu organisieren. Weiterhin: erfolglos. Alle Herbergen weiterhin geschlossen…

Gedacht, schlau zu sein: Linkes Knie nun auch getapt, da heute weitere 700 Höhenmeter abwärts auf dem Weg stehen.

Wunderbares St Chély über die Pilgerbrücke verlassen. Ohne Stöcke. Also nochmal einen Kilometer wieder zurück zum Hotel.

Auf dem Weg: Kreuze im Gegenlicht, Aussicht gefühlt bis Santiago. Frühlingsblüte, Wiesen, alte Steinhäuschen und viel Wald. Ein Baum, der Munchs „Der Schrei“ mimt. Mit Aubrackuh im Zwiegespräch.

Pause neben einem Bauernhof im Nichts:
Kuhauftrieb. Liebevoll gestaltete Pilgerscheune mit Trinkwasser. Die Katze trinkt zuerst, sie und der alte Hund leisten uns bei unserer Mittagspause Gesellschaft. (Und bekommen natürlich was leckeres ab.)

St Côme d‘Olt:
Plus beau village nach 17km ohne eine Menschenseele. Enge Gassen, nett restaurierte Häuser, der Kirchturm steht schief. Eine Herberge hat geöffnet, ist aber so fies, dass wir uns entscheiden, weiter zu gehen.

Kirche von St Côme d‘Olt:
Draussen: Selfie mit Katze. Drinnen beweist der liebe Gott, dass er absolut pro-queer ist.

Am Fluss Lot nach Espalion.
Hier hat’s ein Appartement zum Herbergspreis. Alte Herren spielen Boule, die alte Brücke ist schön in Szene gesetzt.

Nach 24,5 km endlich da.

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Duschen, Hirschtalg, Wäsche waschen im Waschbecken. Humpelnder Gang zum Supermarkt: Nudeln kochen und essen für vier.

Ein Pilgertag, wie er im Buche steht.
Jetzt bräuchte man nur noch Kraft zum bloggen….

Und der Yogitee sprach: Der Weg versorgt dich…

Und so schnell wie alle im Herbergswohnzimmer saßen, waren alle kurz nach neun genauso schnell auch schon wieder weg. Ab in die Pilgerfalle an des Pilgers Mitternacht.
Wir hingegen eiern noch bis halb elf in der Gegend herum und tapsen dann auf leisen Pfoten in ein stockdunkles Zimmer.
Unser Bettnachbarn haben mit den Jalousien die Nacht hermetisch abriegelt. Lustig, wie unterschiedlich Menschen doch sind. Wenn’s nach uns ginge, würden wir eher alle Fenster komplett rausreissen als in stockdunkler Dose schlafen zu müssen. Aber wer zuletzt kommt, malt zuletzt. Heute Nacht also Globetrottels in der Dunkeldose….
Oropax rein, Schlafbrille auf — trotz allem. Weil Pilger das halt so machen…

Wildeste Träume in der Nacht:
Ein Alligator im Maisfeld wird von einem Flugsaurier gerissen und davon getragen. Vor unserer Bonner Haustür gibt es plötzlich einen See, in dem wilde Braunbären baden: gerade aus dem Winterschlaf erwacht, rutschen sie vom gegenüberliegenden Dach ins Nass. Chouchou stürzt unbekleidet mir dem Fahrrad und hat danach eine schnittige Kurzhaarfrisur. Im stockdunkelen Dosenzimmer schlafen alle Pilger inklusive uns bis nachmittags um halb drei. Da es da schon wieder dunkelt, wir bleiben alle einfach liegen…
Unergründliches Menschenherz — was Du so träumen kannst.

Erwachen mit dem Gefühl, in der Nacht einen zu eng geschnallten Rucksack auf dem Rücken gehabt zu haben. Unergründlicher Menschenkörper.
Zum Trost um halb sieben aus dem oberen Etagenbett runterschleichen, um für zehn Minuten bei Chouchou unten ins Bett krabbeln. Fühlt sich an, wie das Anarchistischste, was ich seit Mitte der 90er gemacht habe.
10 Minuten weiter träumen….von frischer Luft, Sonnenaufgangslicht und weit geöffneten Fenstern.

In der Küche sind wir am Morgen allein. Schnell verstanden: die Dynamik der Herberge. Wer sich initial als Platzhirsch aufführt, dem gehört am Morgen auch der Wasserkocher.
Wir retten unsere Schlafsäcke auf die Wäscheleinen, um den Dosendunst der Nacht auszuschütteln, dann gibts Kaffee.
Sich so bewegen als wäre man zu Hause. Vielleicht ist das schon ein kleines Geheimnis!?
Schritt eins: diese Welt zu der unseren zu machen. Und darin einfach nur wir selbst bleiben…

Als allerletzte stiefeln wir um halb zehn los — ungefähr zwei Stunden nach den echten Pilgern. Tatsächlich ist es die Putzfrau, die uns aus der Herberge kegelt. Sonst wären wir wohl noch länger geblieben.

Erster Pilgertag startet unter dem Schutz aller Wandersgötter: bei strahlendem Sonnenschein geht es weiter die Hochebene hoch.
Die Gegend ist noch genauso schön, wie wir sie von 2022 in Erinnerung haben. Damals Ende September waren einige Wandersleut mit uns hier oben — und sehr vielem wunderschöne Kühe.
Heute sind wir gänzlich allein. Die Pilger sind lange vor uns weg und die Kühe kommen erst wieder im Mai nach dem Almauftrieb.
Sonnenschein, ein paar Vögel, Schneeschmelzbächlein im Feld und allerletzte Schneefelder. Sehr viel Ruhe unter einem sehr weiten Himmel.

Nach 7,5km die erste Pause zwischen Fliegen und mit Aussicht. Email der morgens angefragte Herberge: „Désolé nous sommes fermés aujourd’hui 🙏“.
Auch wenn Gegenteiliges auf der eigenen Webseite steht.
Es ist exakt die gleiche Chose wie gestern — heute aber waren wir etwas schlauer und haben vorher per Mail angefragt. Das Ergebnis aber bleibt das Selbe: bisher keine Herberge für die Nacht für uns.
Wir lernen: Vertraue nicht dem Internet. Und schreiben zwei weiteren, potentiellen Herbergen eine SMS und WhatsApp, da telefonisch niemand dran geht.

Aubrac.
Das erhoffte Café hat geschlossen. Außer einer Dame, die an einem zerrütteten Haus werkelt, sieht man keinen Menschen weit und breit. Natürlich auch keine Pilgerherberge — versteht sich von selbst. Also weiter.

Hinter Aubrac geht es knallhart bergab: genau genommen 600 Höhenmeter auf bösen Kullersteinen. Eine Haxenbrechstrecke durch den Wald. Alles sehr fuss- und kniegefährlich, aber äußerst idyllisch, auch das muss gesagt sein.
Ein Flüsschen furten und dann noch eins. Schmetterlinge und Vögel als einzig Lebendiges neben Bäumen und Gras. Der Mensch hat sich auch hier abgeschafft, wir sehen nur vereinzelte Ruinen. Sehr zauberhaft.

Bis St Chely d‘Aubrac, unserem Tagesziel nach 17km, hat sich keine weitere Herberge auf unsere Anfrage zurückgemeldet. Die, die wir telefonisch im Laufe des Tages dann doch noch erreichten, sind momentan auch noch geschlossen. Während des Abstiegs ins Dorf halten wir die Augen nach potentiellen, wilden Zeltcampörtchen offen. Und finden —auf Grund des Dauergefälles— kein einziges.

St Chely d‘Aubrac Zentrum, halb fünf.
Wir haben keine Ahnung, wohin jetzt mit uns. Also bestellen wir erstmal ein Bier in der einzigen Brasserie weit und breit. Eine vorgezogene „unter der Brücke“-Nummer. DIE immerhin hat St Chely. Keine offene Herberge, aber eine „Pont des pèlerins“ — eine „Pilgerbrücke“. Eine Pilger-unter-der-Brücke. Verstehste?

Schlussendlich wird natürlich alles wieder gut. In der Bar gehen wir nochmal alle Übernachtungsmöglichkeiten durch, die dieses Dorf zu bieten hat:
Sieben Herbergen: alle kontaktiert, alle geschlossen.
Campingplatz: zu. Wildcampen auf der Abschussrampe fällt auch raus. Genauso wie die „Unter-der- Brücke-Pilgerei“.
Ein Hotel: geschlossen. Kurz nach 17h sind wir allerdings so verzweifelt, dass wir trotzdem einfach klopfen.
Der Wirt öffnet und überlegt. Eigentlich sei das Hotel ja zu!? Aber wer, wenn nicht er, könne ein einziges Hotelzimmer einfach für geöffnet erklären!? Also, wenn es uns nichts ausmacht, dass des nachts niemand dort sein wird. Nee, das macht uns gar nix.
Gut. Ob wir Hunger haben? Ja. D´accord. Später stellt er uns etwas zu Essen einfach auf die Theke. Wein trinken wir dann so viel wie wir wollen.
Augen knipsen — ob ohne Steuer ok für uns sei!?
Natürlich. So haben wir heute alle etwas davon.

Schon gestern begegnete uns der Yogiteequatsch von wegen: Der Weg versorgt dich mit dem was du brauchst. Einfach vertrauen…
Heute mögen wir —um halb sechs abends—ja fast daran glauben.

Abends —frisch geduscht— in der einzigen Bar des Orts. Gefühlt sind alle Männer des Dorfs hier. Wir auch. Sie trinken herbes Bier, wir auch. Sie sprechen ein hartes Französisch, wir leider, leider nicht.
Der Abend ist Sommer lau, das Örtchensterben ist hier noch lange nicht angekommen.
Und unter dem Glockengeläut der verwitterten Kirche und dem Gezirpe der sich gleich schlafenlegenden Vögelchen der Midi-Pyrenées fühle ich für einen Moment:
Das Leben könnte eigentlich nicht schöner sein.
Zustand nach erstem Tag auf dem Jakobsweg.


Pilgerabend ganz ohne gepilgert zu sein

Der Wecker in Clermont Ferrand geht um halb acht, ein kollektives Geraunze aus den Kissen schallt zurück. Der erste Gedanke des Tages: warum zum Teufel machen wir das hier überhaupt?
Dringend liegen bleiben wollen…

Der Blick aus unserem Fenster geht auf den Exerzierplatz des 92. Regiments der französischen Infanterie. Junge Menschen joggen durch einen zarten Frühlingsmorgen im Zentralmassiv — bestenfalls für den Frieden. Nun gut, dafür macht es ja vielleicht auch Sinn aufzustehen: für megalomanes Pilgern für den Weltfrieden. Die Vulkankathedrale in der Ferne blickt stumm und dunkel.

Frühstück.
Nacheinander fallen mir diverse Utensilien aus der Hand: die Kaffeetassen, ein Glas, die Saftkaraffe. Es kommt einem Wunder gleich, dass nichts nachhaltig zerstört wird. Eine aufrichtige Entschuldigung beim netten Servicemenschen für meine unerklärliche Tapsigkeit folgt. „Pas de problème“, sagt der. Ich sei doch nicht tapsig, sondern lediglich „stark im Ausdruck“. Wie freundlich und aufbauend.

Die erste Überforderung des Tages setzt bereits mein Zusammenpacken der Rucksäcke ein.
Kaum was dabei, machen gerade die wenigen Überschaulichkeiten einen riesigen Schlamassel. Warum bloß? Ich weiß es nicht.
Beim Anziehen der Schuhe die erste Mittelfusspanikattacke: einen Moment lang bin mir ich mir sicher, bereits jetzt schon eine Marschfraktur zu haben. Im Kopf. Dort, wo der Weg anfängt.

Nächste Herausforderung: Handling der Zahnbürste.
Aus Gewichtsspargründen haben wir keine Zahnpasta dabei, sondern lediglich Zahnputzdragees, die lustigerweise wie überdimensionierte Valiumtabletten aussehen. Auch äußerst passend.

Am Busbahnhof gibt’s unverständliche Querelen, den Bus nach Aumont-Aubrac (140km für unglaubliche 2€) erwischen wir trotzdem pünktlich. Wie es von dort aus weiter geht, wissen wir allerdings noch nicht. (Geschweige denn, wo wir heute Nacht unterkommen.)
Am liebsten würden wir in St Chély d‘Aubrac wieder auf den Jakobsweg einsteigen. Dort, wo wir 2022 ausgestiegen sind. Allerdings scheint es bis dorthin keinen öffentlichen Nahverkehr zu geben. Stichwort: Hyperländischer Raum Frankreichs.
Ob wir ab mittags die 50km von Aumont-Aubrac bis St Chély nochmals zu Fuß gehen müssen? Peut-être.
Vielleicht aber finden wir noch einen Tingelbus, der uns weiter heranträgt an unseren Wunsch-Jakobswegwiedereinstiegpunkt. Zumindest bis Nasbinals!? Von dort wären es bis St. Chély d’Aubrac nur noch schöne 16km…
Das heutige Programm also lautet:
Mit Öffis so weit es geht wieder Anpirschen an St Chély d‘Aubrac. Was wie wo wann wohin geht, wird sich auf dem Weg ergeben. Ergo: das Abenteuer hat bereits begonnen.

Im Bus nach Aumont-Aubrac.
Schlierige Sonne über dem Zentralmassiv, ungewöhnlich warm mit 17 Grad für Ende März. Auf fernen Bergkuppen aber liegt noch Schnee.

Bus fahren über Hügel ist fein. Weil man Höhen bestaunen kann, die man nicht zu Fuß hoch oder runter muss.
Ein Greifvogel über Aubrac-Kuh, eine der schönsten Rinderart der Welt mit großen, weiß umrahmten Kulleraugen, tollen Hörnern und flauschig braunem Fell. Da sind sie wieder: die Wunderkühe, in die wir uns 2022 —beim Überwandern der Hochebene— unsterblich verliebten.

Busstopp: St Chely d‘Apcher.
Der Geruch von Rasierwasser wird geboardet. Alte, verwitterte Steinhäuschen, rau pittoreskes Dorf im Zentralmassiv. Ab hier pest der Bus nun über Land. Zackige Kurve, enge Holperstrassen, eigentlich müsste man ab hier anfangen, den Passagieren Tüten anzubieten.

Bahnhof Aumont Aubrac:
Ein eisiger Wind pfeift über den verlassenen Bahnhofsplatz. Auf 1000 Höhenmetern wirken die 17 Grad gleich deutlich frischer.
Wie befürchtet, fahren von hieraus tatsächlich keine Öffis mehr weiter nach Nirgendwo. Also in den Ortskern eiern in der Hoffnung auf eine taxieske Transportmöglichkeit. Denn klar ist: um eins am Mittag wollen wir die 26km bis Nasbinals zu Fuß auf keinen Fall mehr antreten. Nicht in unserem Trainingszustand, wir kämen heute nicht mehr an. Und ein wildes Zeltcamp auf der Aubrac’schen Hochebene ist uns am ersten Tag bei 5 grad nachts ein etwas zu abenteuerlicher Start.

In der Autowerkstatt können wir ein Taxi bestellen. Weil Werkstatt hier auch Tanke und Taxi macht. Mit einem Fahrer. Den muss die Dame an der Theke aber telefonisch erstmal erreichen…

Nach 30 Minuten brausen wir los. Schnittiger Mann um die sechzig am Steuer, ein Typ, der in einer Welt ohne Mittelstreifen und Fahrbahnbegrenzung lebt. Lockeres Steuerverreißen im angeregten Gespräch, um kurz vor drei schaffen wir drei es lebend bis nach Nasbinals. Über diese zauberhafte Aubrac‘sche Ebene— wir haben nie vergessen, wie wunderschön es hier ist. Und wie besonders. Nicht nur wegen der Kühe.

Nasbinals, 15h.
Unsere anvisierte Herberge hat zu. Sehen wir an den Bettskeletten im Garten, hören wir am Telefon — das Internet hat geflunkert bezüglich der Öffnungszeiten „toute de l´année“.

Gegenüber dem Hotel de France aber hat’s noch zwei Bettchen für uns. Stilecht übereinander mit knallbunten Filzdecken. Bisher ist nur Evan hier. Er arbeitet temporär in einem der zwei Restaurants des Orts und spielt für uns Bob Marley ein. Noch hoffen wir, dass der Rest der Gite heute Nacht für uns drei bleibt. 15 Euro pro Nacht inklusiver privater Delphintasse, die ich mir sofort für morgen reserviere, nachdem ich sie nochmal gespült habe. Zusammen mit Evans Müslischüssel, die anscheinend schon etwas länger auf einen Schuss Spüli einsam im Küchenbecken wartet.

Da wir noch nicht wissen, was Pilger nach dem Einchecken in eine Herberge sonst noch so tun, waschen wir erste Unterwäsche und T-Shirts im Waschbecken — eher aus Verlegen-, denn Notwendigkeit. Im Hochebenenwind und unter Hochebenensonne flattert sie sich flott frisch. Ein bisschen stolz.

Nasbinals ist schnell durchlaufen:
In der schlichten Kirche verewigen wir uns im goldenen Kirchenbuch und zünden ein paar Hände voll Kerzen an. Für alles Wichtige und gegen Fußangst.

In der Touri-Info holen wir uns den ersten Stempel und verstehen uns ganz wunderbar mit dem Mitarbeiter, indem wir ein Jibbrish aus Französisch, Deutsch und Spanisch anschlagen. Auch er ist schon den Jakoksweg ab Le Puy gepilgert: 40km pro Tag. „Un pocito loco,“ sagt er selbst, ein bisschen stolz, wie unsere Wäsche. „Un pocito loco …. y superb! Wirklich sehr,!“ sagen wir.

Im Minimarkt ums Eck kaufen wir Nüdelchen und Kronenbourg: weil in der Herberge heute auch gekocht und getrunken werden muss. Denn Evans Restaurant öffnet erst um 20h und hat nur Kuh auf der Speisekarte.

Bei der Rückkehr in die Gite hat diese sich —wie durch ein einbrechendes Wanderwunder— plötzlich gefüllt. Sehr gut, dass wir die Delphintasse und den Kuhbecher bereits reserviert haben.
Bei einem ersten Bierchen auf den Terasse bewundern wir die schönen Dächer um uns herum, schauen der Wäsche beim Flattern zu, Restsonne auf der Nase.

Und dann sind wir ganz schnell drin im ersten Pilgersetting. Beim Kochen kommt Liam zu uns, später dann Souvanna. Im Gespräch landen wir zügig unterhalb der oberflächlichen Themen, zackig schnell dran am Leben. Über Schuhangst und Unsterblichkeit..
Ein guter Vorgeschmack auf diesen, unseren, Camino, der eigentlich noch gar nicht begonnen hat.

In 11 Stunden und 11 Minuten nach Clermont-Ferrand mit Fußangst

Schlussendlich waren es kaum Tage Vorbereitung.
Was braucht man für einen Spaziergang für gute tausendfünfhundert Kilometer — wenn denn die Pfoten mitmachen?
Gefühlt haben wir es frei nach Douglas Adams gehalten: „Always take a towel.“ Und drei paar Socken pro Nase.
Mit sechseinhalb Kilo vs zehn ziehen wir heute morgen los: gefühlt einigermaßen unvorbereitet um fünf Uhr.
Möglicherweise ist das die größte Herausforderung!? Zumindest fühlt es sich nach zwei Stunden Schlaf —dank Reiseflöhen und vorauseilenden Fusspanikattacken— durchaus so an. Schön wär’s — wenn auch unrealistisch.

Die Bummelbahn nach Köln fährt um 05:22h. Bis Brühl sind wir die einzigen, die unter der tiefkühlenden Lüftung frieren. Die U18 schafft es trotz fehlender Fahrgäste bereits um diese Zeit eine ordentliche Verspätung rauszufahren. Nach fast eineinhalb Stunden erreichen wir den Dom … und unseren Thalys nach Paris nur äußerst knappig.
Unser einziger zwischenmenschlicher Kontakt bis hierher ist der Herr mit Brillenhämatom und Fahne kurz vor Gleis, der freimütig und ganz selbstverständlich bei uns ein Getränk bestellen will. Siehe: wir treten unsere Pilgerreise anscheinend mit „Eine Nacht mit Kumpels an der Bar“—Gesichtern an.

06:44h, Köln, Gleis 7:
Der Thalys ist bumsvoll. Unsere Sitznachbarin trägt Nackenhörnchen, während sie eine sehr bunte, sehr koreanische Gala durchblättert, der Schaffner spricht freundliches flämisch, lockeres luxemburgisch, heiteres holländisch, flottes französisch, deutsch und oxfordenglisch. Er staunt nicht schlecht und grinst sehr breit, als wir unsere PapierTickets nicht nur aus einer Klarsichthülle, sondern auch aus einem Bauchtäschchen zaubern.

Schau an. Das erste Mal im Leben außerhalb der Heimat unterwegs?!
Fast. „Letztes Mal war Klassenfahrt nach Nütterden“, sehr viel anders fühlt es sich tatsächlich nicht an. Jetzt fehlen nur noch die hartgekochten Eier und die selbstgemachten Frikadellen aus der Tuppabox. Und Serviettchen natürlich.

Gare du Nord, Paris — kurz vor Mittag. Halligalli ist hier der normale Ton, die Schlangen vor den Metroschaltern orakeln von fünfzehn Minuten Wartezeit bis alle ahnungslosen Reisenden ihre Tickets endlich gezogen haben.
Wir haben es nicht eilig. Unser Anschlusszug geht erst um eins. Das entspannt genauso wie die Tatsache, dass wir uns diesmal keinerlei Mühe geben müssen wie non-chalente Pariser aussehen zu wollen: nichts könnte weiter entfernt sein von Prêt-à-Portier als unser Outdoorlook. Ein schamloses Auftreten als Alemans Wanderer, die ab heute ihr Outfit monatelang nicht mehr wechseln werden — auch das nimmt seltsam Stress von einem.

Metro 4 und Metro 14 zum Gare de Bercy. Ab hier gehen nur Züge in die Bourgogne und in die Auvergne, immer zur vollen Stunde.
Zeit für ein spätes Frühstück am ZweiMännekesTisch mit Papiertischdecke im „Bristot du Metro“ ums Eck. Mit Saft und Sonnenschein und butterweichen Croissants, nach denen die Finger in munteren Fettschlieren schillern und die man hemmungslos krümeln darf.
Rechts werden dunkle Zigarillos geraucht, die so riechen, als seien sie bereits in den 90ern aus gesundheitlichen Gründen verboten worden, links wird Pastis mit Eiswürfeln kredenzt.

Am Bahnhof sitzt die Taubenfrau von Bercy. Schwarze Häkeljacke, grauer Zopf, ein altes Gesicht, das erstaunlich wenig Leben gesehen zu haben scheint. Entsprechend glatt die Haut, entsprechend verträumt die blauen Augen, der Blick verhangen in einer eigenen, wahrscheinlich schwer zugänglichen Welt, in der zentral nur ein Nähkörbchen zu stehen scheint.
Die Tauben kennen sie schon, die Träumende. Möglicherweise kommt sie täglich um halb eins, um ihre Linsen ausstreuen. Die meisten für ein einbeiniges Täubchen, das scheint sie besonders lieb zu haben.
Wir beobachten die Szene lange, lüften ein Geheimnis jedoch bis zum Schluss nicht: was bloß befindet sich in dem Nähkorb? Stricknadeln können es nicht sein, die bewegen sich nicht.
Chouchou tippt aus der Lameng auf Hase, ich aber werde den Verdacht nicht los, dass sie die lahme EinbeinTaube fangen und tauschen möchte gegen ein noch behinderteres Exemplar, das sie im Verborgenen schon lange mit sich durch die Stadt der Liebe trägt.

Nach Clermont-Ferrand im Sonnenschein.
Beim Einsteigen versuchen mehrere Fahrgäste hochengagiert einer Ukrainerin beim Finden ihrer Platznummer zu helfen, obwohl die schon längst auf ihrem
Plätzchen sitzt. Supportiv und ruckelnd geht’s pünktlich weiter.
Auen fliegen vorbei, ein Storch im Weiher, ein einsamer Mann schleckt Eis auf einer verwitterten Bank an einem Bach ohne Namen. Irgendwo in Frankreich.
Fast alle Passagiere schlafen irgendwann, nur in vereinzelten Reihen wird leise geschnieft. Viele Misteln in den kahlen Bäumen, Ente mit Auffahrunfall auf Container.

Ein netter Bengel mit Milchhaut und roter Fliege kommt irgendwann vorbei und schenkt Kaffee aus, während im hyperländlichen Frankreich vor dem Fenster nicht viel kaputt ist. Ein bisschen so, als sei die Welt für einen Schnellzugmoment vollkommen in Frieden mit sich.
Die Ukrainerin wird von ihrer unbekannten Sitznachbarin auf einen Kaffee eingeladen.

Welt fliegt vorbei. Es tut gut wieder zu schreiben. Auch, weil es von einem selbst ablenkt. Weil die Welt um so viel größer ist, wenn man einfach mal die Augen aufmacht und…ja… sie wirklich reinlässt in den oft so engen Kopf. Obendrein ist’s draußen oft so viel schöner als drinnen. Und auch interessanter.

16:37h.
Nach ziemlich exakten elf Stunden und elf Minuten Reisezeit rollen wir endlich in Clermont Ferrand ein. Vorher nie bemerkt: dieses Örtchen im Schatten des erloschenen Vulkans Puy de Dôme, mitten im Zentralmassiv, mitten in Frankreich.
Die Straßen um den Bahnhof: eher Gebrauchsgegend. Wir nehmen uns ein Zimmer für 44€. Das „Pression“ auf der „Roof top bar“ des Hostels: müde und köstlich, wenn auch nicht wirklich auf dem „roof“ oder „top“. Aber macht nix. Jetzt ist’s eh nur noch die Bar, die interessiert.

Eher zur Probe, denn aus Notwendigkeit wasche ich mir am Abend die Füße im Waschbecken, um sie danach mit Hirschtalg einzusalben. Das machen Pilger so, habe ich mir sagen lassen.
Ob’s was bringt? Woher soll ich’s wissen? Wir sind ja noch nicht gelaufen.
Eines aber ist sicher: gegen Fussangst hilft sie nicht.

Von meinem iPhone gesendet

Was in der Zwischenzeit geschah…

Die Abgabe des Magicbus im Hafen von Baltimore läuft problemlos. Just mit Schlüsselübergabe streiken die Nasen das erste Mal. Es soll ein Auftakt eines langen Nebenhöhlenterrors werden, der uns die nächsten Monate begleiten wird. Das aber wissen wir noch nicht. Die letzten Tage auf amerikanischem Boden verbringen wir im Bett, glaubend, dass es sich lediglich um Reisemüdigkeit handelt.

Am 16. Dezember geht’s über Island nach Paris. Der Vulkan vor Ort bricht nicht aus, so dass wir trotz Verspätung eine Maschine der Play-Airline nach Charles de Gaulle erwischen. In Paris hat sich nichts verändert. Auch nicht unsere Angst vor Taxis. Trotzdem oder weil wir bereits 36 Stunden wach sind. Wir besteigen die Metro und schleppen je 23 Kilo Kilometer quer durch die Stadt. Im Jardin du Luxembourg scheint eine adventliche Sonne. Wir spüren, aber sehen sie nicht, da wir die Augen nicht mehr öffnen können.

17.12.: Hochzeitstag in Paris nach 16 Stunden Schlaf. Am Sacre Coeur singen wir –mittlerweile wieder mit geöffneten Augen—„Imagine“ mit Blick auf die Stadt. Chouchous Frage: Willst Du noch ein Jahr meine Frau sein, wird mit Ja beantwortet. Das Baguette kracht beim reinbeißen, die Patisserie ums Eck führt Schokotörtchen mit Blattgold. Die Welt könnte kaum besser sein. Wenn der glitschige Schnupfen nicht wäre.

Mit dem Zug geht’s nach Bonn, dann nach Bocholt, von dort mit dem Auto nach Potsdam kurz vor den Feiertagen. Das erste Weihnachten ohne Papa. Alle Beteiligten fangen sich Corona ein. Nur wir nicht: unsere Nebenhöhlen sind bereits mit einem anderen Virus infiziert. 2. Weihnachtstag in Eitorf: alle fit, außer uns.

Zwei Tage vor Silvester mit Freunden an der holländischen See. Die Party scheitert einen Tag später an Fieber, Luftnot und notwendiger Präsenz im Heimathafen. Das Meer sehe ich kein einziges Mal, aber die Matratze im Ferienhaus ist weich. Die Reise wird vor Ende abgebrochen.

Silvester / Neujahr. Beim Blick in den Spiegel schaut ein Klingone zurück. Meine Nebenhöhlen haben sich mittlerweile nach außen gestülpt. Wir rufen Claasi an, da ein Gang zum niedergelassenen Arzt noch ausgeschlossen ist: unsere europäische Krankenkasse hat unsere Aufnahme bisher noch nicht rückbestätigt. Die erste Antibiotikakur beginnt.

Erste Januarwoche. Bocholt. Da Mama bald umzieht, wird die alte Wohnung entrümpelt.

Zweite Januarwoche. Hamburg. Ein paar Tage bei Claire, wir sammeln den Magicbus im Hafen wieder ein. Nach zweifachem Mucken springt er bei Schneekälte an.

Dritte Januarwoche. Abfahrt nach Andalusien. Glauben wir noch. Wir kommen bis Südfrankreich. Ein paar sonnige Tage in Meze – mit Blick aufs Meer. Ende des Monats wollen wir uns mit Pia und Werner in Katalonien treffen.
Das Treffen kommt zu Stande: wir verbringen ein paar schöne Tage im Kreis alter Freunde.

Anfang Februar: Weiterfahrt gen Süden scheitert an einem Raubüberfall auf der Autobahn. Die Ortung unseres Handys rettet einen Großteil unserer Sachen, indem wir sie Stunden später wiederfinden. Nicht so der Knaller: die spanische Polizei. Dafür großer Freundschaftsmoment, da Pia und Werner uns zur Hilfe eilen und uns ihre Visakarte als Backup überlassen. Wider Erwarten muss unsere Reise hier nun doch nicht vorzeitig enden.

Erste Februarwoche. Prades. Sonnentage im katalonischen Gebirge. Leider schlägt unerwartet der Nachtfrost im Dachzelt zu. Die nicht gänzlich erholten Nebenhöhlen streiken erneut. Ein paar Tage halten sie sich noch wacker auf Hartschnupfenniveau, das Fieber schlägt erst ab Herault wieder zu – wohin wir uns sonnentechnisch evakuiert haben.

Zweite/ dritte Februarwoche. Das marode Immunsystem zwingt uns aus dem Dachzelt. Zweiter Antibiotikazyklus startet. Wir finden auf dem Campingplatz in Banyuls sur mer ein günstiges Mobilehome mit Blick auf die Pyrenäen: unser Zauberberg. Ab nun heißt es eine Woche komplett flachliegen. Lediglich Antoine – der Campkater—kommt ab und an zu Besuch. Nach 8 Tagen haben wir erstmals wieder einen Funken Kraft, um die zwei Kilometer zum Meer zu laufen. Der Zauberberg soll 12 Tage dauern. Die Nebenhöhlen lassen die Hälfte an Luft wieder durch, nur ein Restschnupfen und tiefe Müdigkeit halten sich hartnäckig.

Vierte Februarwoche. Rückfahrt nach Bonn. Dank endlich erhaltener Krankenkassenkarte schaut sich ein HNO die Gesundheitslage mal an: verschleppt. Pech. Mama zieht in Bocholt um. Jede Hand wird nun gebraucht.

Erste Märzwoche. Bonn. Abklappern von Ärzten, nicht alles läuft so problemlos wie erhofft. Immerhin wird die Nase nach knappen 9 Wochen nun endlich etwas besser. Einer meiner liebsten Kollegen stirbt. Es wird mittlerweile dringend Zeit, auf den Jakobsweg zu kommen.

Zweite Märzwoche. Die Organisation von guten 1500 Kilometern zu Fuß startet. Die gekauften Wanderschuhe stellen sich als zu groß, die entstandenen Mittelfußschmerzen als nicht zu klein heraus. Es kommt einem Wunder gleich, dass ich sie noch umtauschen kann: die Schuhe, nicht die Füße. Aus purer Kulanz. Oder Mitleid.
Zweifelsohne sind wir in der körperlich schlechtesten Verfassung unserer Selbst, um Ende März die letzten 1500km von St Chély d´Aubrac in der Occitanie (bis dorthin sind wir in den Jahren 2018 bis 2022 von Bonn aus schon gekommen) bis Santiago in Angriff zu nehmen:
Immunsystem platt, fünf amerikanische Kilo mehr auf den Rippen als Standard, 10 Monate kein Sport mehr gemacht, Mittelfußschmerzen.
Das einzige, das nun noch helfen kann, sind wohl Gebete.
Immerhin werden wir dafür bald am richtigen Ort sein….

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