Robse rennt heute den Marathon in Paris —zum fünften Mal— und wir!? Wir drücken uns vor dem losgehen in Cahors.
Nach zwei Pausentagen hat der Gemütlichkeitswolf uns im Nacken gepackt. Eigentlich wollen wir nicht weiter. Und müssen.
Wanderurlaub vs Pilgern: heute wird uns klar, wo der Unterschied liegt.
Nach zwei Wochen Trekkingtrip zu Hause auf dem Sofa über die Freiheit des Wanderns zu schwadronieren geht sehr einfach. Wie schnell gerät man dann doch ins Schwelgen, über die Leichtigkeit des Nur-das-Nötigste dabei haben. Wenn die eigene Waschmaschine ums Eck steht.
Wie bereichernd empfindet man doch das tägliche Weitergehen. Wenn man morgen die Füße auf dem eigenen Sofa langmachen kann.
Wie groß ist der Zauber des Ziellosen. Wenn die gewohnten Bahnen einen umgeben und nichts Unerwartetes wartet.
Die eigene Komfortzonr zu verlassen ist immer gut. Und es macht es einen fulminanten Unterschied, ob man dies für eine überschaubare Zeit tut. Oder eben nicht.
Die Romantik der Einfachheit erschließt sich uns heut nur schwerlich. Weil uns klar wird, dass die Schmerzen in den Fersen alsbald nicht mehr aufhören. Weil wir —auf unabsehbare Zeit— weiter täglich gehen werden. Die zwei Tage Pause machen kaum einen Unterschied. Eher fällt es uns schwerer. Siehe Gemütlichkeitswolf.
Durchs Industriegebiet geht’s raus aus Cahors. Über Geröllpfade hoch ins Gauklerland: dort, wo die Großfamilie Rozel in ihren Wohnwägen haust. Dort, wo der Wanderweg abgeriegelt ist. Dort, wo die Gypsys uns —Gott sei dank— durchwinken.
Dank Gott wird im Laufe des Tages aus dem Geröll endlich sumpfiger Wirtschaftsweg und dann knorrige Heidelandschaft.
Ein Örtchen passieren wir: der „Multiservice“ hat tatsächlich geöffnet. Unser erstes mal auf dieser Wanderschaft.
Wir bekommen Kaffee und hätten sie viel mehr haben können: Luftpostbriefe, Erbsen, Pastis, Pornoheftchen, ein Schnack mit den alten Herrschaften des Dorfs, die aufgereiht an der multifunktionalen Theke sitzen.
„Die Schönheit der Einfachheit“: uns reicht Kaffee und Internet. Um den Tops live um kurz nach zwei durchs Ziel in Paris zu tracken — und vor Stolz und Freude ein Tränchen zu verdrücken.
Wir machen heute nur Halbmarathon. Immerhin inklusive 600 Höhenmetern.
Verschnarcht um kurz vor sechs taumeln wir auf dem Hof von Marie und Jean-Michel ein. Zwei ehemalige Jakobspilgernde, die der Camino so infiziert hat, dass sie alles hinwarfen und in der Einsamkeit des Lots vor 17 Jahren eine Herberge eröffneten.
Eigentlich hatten wir geplant zu zelten. Eigentlich wollten wir niemals mehr ins Mehrbettzimmer.
Über diesem Ort aber liegt etwas so wohlwollendes, dass wir uns gegen unseren Ursprungsplan entscheiden und bei Claire mit ins Vierbettzimmer schlüpfen.
(Der Vollständigkeit halber sollte auch erwähnt sein, dass nachts Regen angesagt und die Zeltwiese schräg ist. Außerdem sind wir totmüde und noch immer gemütlichkeitswolfinfiziert.)
Der Abend ist ein fröhlicher. Alle Mann und Frau zu Tisch: Marie & Jean-Michel, Claire, die 3Generationenfamilie aus Paris und wir. Vergiss die Sprachbarriere: es ist nett, was wir verstehen. Und ebenso dass, was unverstanden bleibt.
Für heute Abend gehören wir hier alle zusammen. Egal woher, egal in welcher Sprache.
Ein guter Ort: diese Etape bleue.
An dessen Tisch heute Abend niemand der Anwesenden fehlen dürfte.









































































































































































































































