Mal wieder als letzte der Herberge verlassen wir das lebendige Limogne mit den potentesten Mandelcroissants von Welt. Ein Saurierhund bellt uns Au revoir, wir sind wieder „en chemin.“
Weiter geht’s mal wieder über mittelalterliche Ziegenwege, auf denen nur Baader- oder Gauklerkutschen entgegen kommen könnten. Es kommt aber keiner. Den ganzen Tag bleiben wir —bis auf einen Schäfer— allein.
In einer der zahlreichen Schutzhütten gibts bei den ersten Regentropfen Frühstück für uns. Hektisch an der Avocado herumfuhrwerkend, zerstöre ich eine der wenigen Habseligkeiten, die wir besitzen. Nun haben wir nur noch eine halbe Gabel. Und ein drittel Löffel.
Statt der ständigen Kreuze gibt es heute zur Abwechslung einen Engel am Wegesrand. Schön.
Alternativweg (wir kürzen die ohnehin viel zu lange Etappe zwei Kilometer ab) über ein düsteres Schloss. Kein Vogel singt hier mehr, kein Wunder , dass die Pilger seit Jahrhunderten diesen unheimlich Ort meiden.
Einziger Ort, den wir heute queren ist Bach. Niemand hier, aber gesprayte Rosen an den Hauswänden und eine attraktive Herberge, die vernichtende Kritiken in allen Pilgerführern genießt. Also weiter.
Ab nun beginnt kalter Platzregen im Wechsel mit einem Hauch Sonne. Dann Niesel, dann Wind die letzten neun Kilometer. Wir ziehen die Ponchos vier mal an und wieder aus. Nicht langweilig.
Auf den letzten Kilometern lernen wir, dass der Lot insgesamt vier Wegetypen besitzt:
Den Haxenbrecher, den Haxenknacker, den Haxenbröseler, den Haxenschmeichler. Kilometer 20 bis 22 sind eindeutig Haxenbrösler. Plus eine Brücke in Schlittermodus.
An der Route de Cremps —Straße der Krämpfe— geht es nach 24km endlich links. Ein Schelm hat auf den letzten 100 Metern einen Barfusspfad anzubieten. Darauf muss man kommen.

Und dann sind wir für heute auch schon da. In der Gite de Poullady, im Sechsbettzimmer.
Die Bude ist bumsvoll. Wo auch immer die Menschen plötzlich alle herkommen!?
Die meisten wohl mit dem Auto, glaubt man das Parksituation vor Ort.
Fix und fertig ist uns das alles fast egal: Hauptsache essen und schlafen und jeden Quatsch mal mitmachen.
Immerhin bekommen wir das beste Essen des ganzen Pilgerwegs: eine Traum-Suppe, ein Traum-Curry, ein Traum-Kartoffelgratin, ein Traum-Tiramisu.

Nach über 200 Kilometern zu Fuß mit so harter Ernährungssituation wie auf der Via Podiensis macht für ein solches Essen fast alles. Sogar Sechsbettzimmer….



















