Unterwegs im Magicbus

Autor: Chouchou (Seite 4 von 5)

530 Kilometer bis Quebec

Reicht für heute

Westwärts

Westwärts. Ab heute geht’s nur noch westwärts. Runter von unserer schönen, internet-armen und seit heute morgen auch verregneten Cape-Breton-Halbinsel zurück aufs Festland. Und da erstmal zum Tim Hortons, mit der Kaffeemaschine kennen sich die Sikhs mittlerweile aus.

Von hier aus rüber zum Subways. Mit dem Bulli natürlich, die 100 Meter würde hier kein Mensch freiwillig zu Fuß gehen. Für ein vegatarisches Sandwich schon gar nicht…

Highway 104. Östlichster Abschnitt des »Trans Canadian Highway«, mit dem werden wir jetzt ein paar Tausend Kilometer zu tun haben, erstmal bis in die Rocky Mountains. Westwärts natürlich.
Der Bulli schnurrt brav durch die kanadische Landschaft – so gut ein fast 30 Jahre alter Schiffsdieselmotor halt schnurren kann, ein bisschen scheppern, quietschen, gluckern, klackern, klopfen und noch ein paar Geräusch, für die es keine Namen gibt sind wohl auch dabei, vor allem bei Vollgas im 3. Gang die sanften Steigungen rauf – was für ein Glück, daß die Kanadier so ein nettes Völkchen sind, Gedrängelt wird hier nicht mehr als unbedingt nötig.

Wie das mit der Pannenhilfe hier ist googlen wir trotzdem lieber noch mal nach, da gibt es wohl irgendeine Partnerschaft vom ADAC mit der Canadian Automobile Association… Bitte, lieber Magic-Bus, halte durch!

Nach 200 recht meditativen Kilometern Trans Canadian Highway scheint die Frage erlaubt, wie die fraglos wunderschönen, aber auch recht natur- und landschaftlastigen zigtausend Kilometer sich wohl gestalten werden – Vielleicht ist Spotify tatsächlich eine gute Idee…!?

Mittagspause irgendwo auf halber Strecke, statt europäischen Schmuddelrastplatz gibts kanadischen… nennen wir es »Aneinanderreihung sämtlicher Fastfoodketten der Menschheit in trister Vorortmelancholie«. Tanken kriegen wir noch ganz gut hin, die Sache mit dem Essengehen bei »Wendys« erweist sich als schlimmer Fehler. Positiv erwähnen ließe sich die supernette Bedienung, aber das ist ja eh klar, wir sind ja in Kanada. Mit dem National-Food Putine braucht uns allerdings keineR mehr zu kommen…

Weiter gehts auf Highway 104, raus aus Nova Scottia, rein in den nächsten Staat, New Brunswick, der mit den wenigsten Seiten im Lonely Planet… Wichtigste Attraktion ist der Tidal Hub, bis zu 12 Metern Gezeitenunterschiede hat der Atlantik hier. Und den gucken wir uns nach rund 400 Kilometer in Moncton an. Neben potentiellen Übernachtungsplätzen, die Overlander-App schlägt hier Parkplätze am Sportpark oder hinter dem Künstler-Café vor, so richtig cosy wollen die uns aber nicht vorkommen.

Also erstmal zurück zur Tidal Hub. Um 17:24 soll die Welle, mit der sich die Flut hier den Fluß hochschwuppt hier ankommen. Wir sind früh dran. Eine handvoll Schaulustiger hat sich schon eingefunden, wir sichern uns unseren Viewpoint-Platz in der ersten Reihe, und da rollt sie schon heran, 5 Minuten zu früh, Chèrie ist hochempört ob dieser Unpünklichkeit, und schon ist sie vorbeigeschwappt, die rotbraune Atlantik-Flut-Brühe… Zugegebenermaßen ein beeindruckendes Erlebnis von Naturschauspiel… dessen genaue geologischen und physikalischen Abläufe wir hier natürlich mühelos erläutern könnten, aber dafür gibt es ja auch noch Instagram und Wikipedia…

Genug von Moncton. Eine schöne Altstadt- und Kneipenecke soll’s hier noch geben, wir entscheiden und trotzdem für die Übernachtung für den Stellplatz im 20 Kilometer entfernten Hillsborough, dem sympathischen 1.348-Seelen-Dörfchen mit legalem Stellplatz für WoMo-Übernachtende – inklusive rund um die Uhr geöffneten WCs neben der Touri-Information, ein Luxus, den wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen!

Wir lassen uns (bzw. den Bulli) auf dem Schotterparkplatz zwischen Düsenjäger und Eisenbahnmuseum nieder, bewundern angemessen die lokale Autotuner-Poser-Szene, kurze Örtchenbesichtigung: Kirche, Friedhof, German Bakery alles da, alles schön, alles sympathisch.

Good night und Bon nuit – New Brunswick* ist bilingual.

Cabottrail Teil 1

Der Lonelyplanet schreibt zum Cabot Trail:

Die Fahrt auf dem Cabot Trail ist die beliebteste Freizeitaktivität in Nova Scotia. Man fährt über kurvenreiche Straßen vorbei an heiteren Seen. Seeadler kreisen hoch in der Luft, und von den Klippen bietet sich ein atemberaubender Ausblick. Unterwegs verstecken sich an der südöstlichen Flanke des Trails zwischen Englishtown bis zur St. Ann’s Bay Künstlerateliers. Beim Besuch ein oder zwei solcher Ateliers lernt man mit Sicherheit interessante Typen kennen – Töpfer, Kunsthandwerker, die Arbeiten aus Leder, Glas oder Zinn herstellen, sowie Maler und Bildhauer – und stößt auf überlebende Reste der Kultur der Mi’kmaq und der Akadier. Die hinreißendste Landschaft prägt die Nordwestküste der Insel, wo die Straße hinunter nach Pleasant Bay und Chéticamp führt. Man sollte immer hübsch auf der Rundstrecke bleiben, so verführerisch die Aussicht auch ist; es gibt viele Stellen, an denen man anhalten, sich umschauen, durch das vielfältige Gelände wandern und den grenzenlosen Ausblick auf den endlosen, eisigen Ozean genießen kann. 

Und den fahren wir heute – und zwar gegen den üblichen Uhrzeigersinn, Chérie meint, das ist schöner. Und schön ist’s natürlich tatsächlich. Und hügelig, so manche Steigung ackert sich der Bulli im 2. Gang bei 30km/h hoch.
Einfahrt in den Nationalpark, rein ins Infozentrum: Kein Ticket notwendig, die Saison hat noch nicht begonnen. Camping und Übernachten im Park geht nicht, alles noch zu. Aber Wanderrouten gibt’s, unter anderem gleich nebenan den Middle-Trail und an der Westküsten natürlich den berühmten Skyline-Trail.
Kojoten und Bären sollten wir im Auge behalten, zumindest haben die aber im Moment keine Jungen, sollten also nicht allzu bedrohlich werden. Und die Elche sind ja eh ganz harmlos…

Wanderzeit: 5km Middle-Trail sind perfekt für den Einstieg. Einmal die Klippe runter und wieder rauf. Sämtliche Tiersichtungen verlaufen glimpflich, eine Delphinflosse und reichlich Entenhorden im Atlantik, furchtlose Eichhörnchen auf dem schmalen Weg – alles ganz easy, unsere Taktik, durch lautstarke Quatscherei sämtliche Bären und Kojoten zu vertreiben scheint aufzugehen.

Weiter gen Norden, wir besichtigen zwei mögliche Übernachtungsplätze unserer Overlander-App: Einer im Hafen von White Point, mitten im abgelegenen 50-Seelendörfchen, hier wird man sich sicherlich nicht über ungebetene Übernachtungsgäste im fremdländischen Bulli freuen, der andere auf einer mit Bauschutt übersäten Lichtung mitten im Wald, schon bei Tageslicht gruselig und wohl kaum geeignet für unsere erste Freisteh-Übernachtung. Wir sind aber auch ängstliche Häschen!

Es ist 16 Uhr, so langsam sollte das mit dem Übernachtungsplatz eigentlich etwas konkreter werden.

Ganz im Norden gibts noch 2 Overlander-Spots, den am tief verschneiten Meat-Cove und einen kurz davor, laut Beschreibung aber eher für matsch-affine Allradler geeignet. Und nun? An der gegenüberliegenden Ostküste soll’s bei Pleasant-Bay einen hübschen Platz an der Klippe geben, bloß 50 Kilometer entfernt, schauen wir uns den mal an, immerhin ist die Straße dorthin heute wohl nicht mehr gesperrt, wir erinnern uns: Die Sache mit dem Schnee…

Und wir sind glücklich, nicht einen Tag früher dran zu sein. Schnee gab’s hier gestern wohl wirklich. Jetzt auch noch, aber nur noch neben der Straße, deren wirklich lange 13-prozentige Steigung den armen Bulli im 2. Gang trotz Eiseskälte ganz schön ans Ackern bringen. Das wir hier mitten im kanadischen Winter landen war so nicht geplant.

Pleasant-Bay, 8km Schotterstrecke gen Norden, da ist unser Übernachtungsplatz. Zwar nicht die empfohlene Lichtung, aus dem Schneematsch kämen wir nie wieder raus und wenn doch würde uns die Kuppe zur Straße vermutlich Auspuff und Standheizung unterm Bulli wegreißen – aber die Einbuchtung direkt am Straßenrand sieht vielversprechend aus. Bis auf die Buddhisten vom weiter die Straße rauf liegenden Kloster kommt hier eh niemand vorbei, und die sollten selbst für uns Angsthäschen nicht allzu bedrohlich werden.

Abendessen-Kochen an der Steilküste, Aufwärmen im Bulli, nochmal zur Klippe, diesmal mit Bärenspray bewaffnet (zwar keine Bärenspuren im Schnee zu sehen, aber man weiß ja nie), perfekten Sonnenuntergang begucken, und schnell wieder in den Bulli. Standheizung hochdrehen und schaun, was unsere erste Freihsteh-Übernachtung so bringt…

Kaffeefahrt nach Cape Breton

Frühstück bei Tim Hortons. 340 Kalorien Blaubeer-Muffin und 240 Kalorien Boston Cream Donuts, gemeinsam mit dem Cappuccino sollte das als erste Stärkung reichen. Kurzer Plausch mit den freundlichen Rentnern am Nebentisch, unser Tagesziel Cape Breton ist wohl wirklich die schönste Gegend der Welt: »God made the Carbot trail and when he saw it he decided, it was perfect«. Nur die Sache mit dem Schnee sollten wir ernst nehmen.

Highway 104, auf dem Trans Canadian Highway gen Osten – in umgekehrter Richtung werden wir noch ganz viel davon bekommen. Der Ölnachschub hat dem Bulli offenbar gut getan, das jammernden Geräusche ist weg. Oder liegts am Dröhnen der Trucks, die wir am Berg ausbremsen?

Nächster Kaffeestopp bei Tim Hortons gleich neben der Deutschen Bäckerei, zwei Sikhs zelebrieren am Kaffeeautomaten eine spirituell anmutende Zeremonie – die Warterei lohnt sich, der Cappuccino schmeckt göttlich… Inspiriert von soviel Ruhe entscheiden wir, es heute ebenfalls entspannt angehen zu lassen, bis ans nördliche Ende zum Meat Cove müssen wir es heute nicht mehr schaffen sondern gönnen uns nochmal einen Campingplatz. Im Finden geöffneter Campgrounds sind wir mittlerweile Experten. Unter anderem spricht ja auch der Wetterbericht eher gegen Freistehen auf einsamen Klippen…

Eine Stunde, eine Firstnation-Community, mehrere Graupelschauer und einen Adler später erreichen wir nach beschaulichen 125 Tageskilometern MacKinnons Campground am Lake Ainslie. Campingplatz-Chef Michael hat Mittagspause, wir suchen uns unser Plätzchen am See selber aus. Einparken mit dem Heck gen See und Windstärke-5-Schneeregen – fein im Windschatten eines der verlassenen Monsterwohnwägen, neben denen sich der Magic Bus wieder einmal extrem winzig anfühlt.

Check-In bei Michael. Ob wir den Cabot Trail fahren wollen? Die Sache mit dem Schnee – sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit – ist wohl ein wenig kompliziert, ein Teil der Route ist heute gesperrt, von den verschneiten Webcam-Bildern zeigt sich selbst unser gälisch sprechender Campingwirt einigermaßen beeindruckt. Unsere Pläne für morgen überdenken wir dann wohl nochmal…

Besorgte Whats-App-Nachfrage bei Tobias, unserem jungen Platznachbarn vom Norse-Cove-Camping, der letzte Nacht in der Meat Cove verbringen wollte: Er hat es noch rechtzeitig vor dem Schnee rausgeschafft und ist in Sicherheit.

Und dann zieht der Adler von Vorhin an uns vobei in Richtung untergehender Sonne…

Highway 7 nach Antigonish

9 Uhr, Highway Nummer 7 ruft, auf Norse Cove folgen Murphys Cove, Carters Cove, Webbs Cove und hunderte weitere »kleine Buchten« – perfekt, um einen ersten Eindruck kanadischer Weite und Einsamkeit zu bekommen. Von Verkehr keine Spur, ebensowenig von Handyempfang oder Internetz. Stattdessen reichlich malerische Ortsnamen: Moosehabour, Ecum secum river, Bear Brook erzählen von Geschichten, die wir gerne gehört hätten. Und immer wieder „No-MPA„-Plakate – von der Marine protection area hält man hier wohl nicht sonderlich viel…

Tapfer ackert der Bulli sich durch die hügelige Landschaft, bergauf gerne auch mal mit höchsten 50km/h im 3. Gang, bis nach 180 Kilometern kurz vor Antigonish dann wieder die Sache mit dem merkwürdigen Geräusch vorne-rechts los geht. Da ist wohl mal wieder ein halber Liter Öl fällig…

Einkauf bei Sobeys, an der Kasse lernen nun auch die Globetrottels, einen Gang zurückzuschalten: Hier gehts gemächlich zu. Und gleich um die Ecke hat’s tatsächlich einen geöffneten Campingplatz, den nehmen wir.

Nur die Sache mit den keltische Ursprüngen der Stadt verstehen wir nicht so ganz, Wikipedia ordnet den alten Stamm eher der Eisenzeit zu – nach unserer Information also eher vor der hiesigen Siedlungsgeschichte…

Abgefahren

„Bäh, Chérie, ich mag nicht aufstehen, können wir nicht einfach liegenbleiben?“
6 Uhr, Sonnenaufgang, gleich soll’s losgehen: Bulli starten und nach Feuerland fahren. Hunderte von Vorbereitungs- und Planungsschritte der letzten Jahre verdichten sich heute morgen zu einer unüberwindbar scheinenden Herausforderung. Unter-der-Bettdecke-verkriechen ist definitiv eine gute Alternative…

Drei Kaffee später sieht die Welt schon wieder anders aus. Zumindest scheint draußen die Sonne – für uns zum ersten Mal in Kanada. Vielleicht ist die Sache mit der Reise ja doch eine gute Idee.

Bullipacken, Wohnheimplatz kündigen, Reifendruck kontrollieren (bisschen niedrig, aber egal), Abfahrt. Nervös quer durch Halifax, als wären wir noch nie im Ausland gefahren. Rechtsabbiegen trotz roter Ampel – eindeutig zu viel Abenteuer.

Erster Stopp: Walmart. Von dem fremdartige Gemüse lassen wir lieber die Finger, stattdessen gibts Basic-Verpflegung für die nächsten Tage. Kanadische Packungsgrößen sind nicht unbedingt auf Bulli-Verhältnisse zugeschnitten. Und Motoröl gibt’s, ohne 50001-VW-Norm, aber wird schon passen.
Kein Camping-Gas bei Sportcheck, dafür aber Diesel bei Shell und Cappuccino bei Tim-Hortons. Kultur-Schock im Jagd- und Angelshop Cabella’s: Kaffeekochgas findet sich gleich neben den Maschinengewehren.

Und dann endlich: Raus aus der Zivilisation, auf dem Highway 7 entlang der Fjorde gen Osten. Der Verkehr wird spärlicher – genaugenommen findet er nur noch hinter uns statt, die Trucks würden vermutlich gerne schneller fahren als wir mit unseren gemütlichen 80km/h.

Und so langsam realisieren wir: Die Globetrottels sind wieder on the road. Im wunderschönen Nova Scotia.
Viel zu schnell ist das Tagesziel erreicht, der einzige schon geöffnete Campingplatz in hunderten Kilometern Umkreis: Norse Cove-Camping, 80km östlich von Halifax, direkt am atlantischen Fjord.

Wie schön, heute morgen aufgestanden zu sein.

Wir sind dann mal los

Abschied, Tränen, Abflug. Frankfurt – Toronto. Zoll und alle anderen super freundlich und entspannt.
Check-In im Quality-Inn-Airport-Hotel. Boston-Blonde im Hotel Pub. Neil Young singt »Long way to run«.

Alles wird gut.

Dem Chouchou seine BestOldestFriends-Abschiedswanderung

Und noch ein Abschied. Diesmal von Christophs #BestOldestFriends: Eine gemütliche Wanderung im Siebengebirge soll es werden – was für eine Freude, die drei nach viel zu langer Zeit endlich wiederzutreffen! Weil heute aber nicht Chérie berichtet war’s das mit Gefühlsüberschwang und es folgt der nüchterne Report:

9:30 Start in Königswinter, noch nicht wissend, auf was wir uns da eingelassen haben. Spätestens ab Kloster Heisterbach ahnen wir: Möglicherweise kommen hier nicht alle lebend durch. Kein Kaffee für Christoph, wir haben für 13 Uhr den Tisch auf dem Ölberg gebucht und müssen weiter… ein Mordversuch durch Kaffee-Entzug? Die Zeit für ein Foto muss trotzdem sein:

Auf dem Stenzelberg dann das unabwägbare Risiko, wahlweise vom Kletterfelsen zu plumpsen oder vom Oberförster verknackt zu werden – und am mörderischen Ölbergaufstieg ist es eigentlich kaum zu glauben, dass nicht eins der insgesamt über 200 Jahre alten Herzen den Geist aufgibt.

Wie durch ein Wunder erreichen wir aber tatsächlich den Gipfel, zur Belohnung gibts in der dünnen Höhenluft lecker Essen und feinste BestOldestFriends-Qualitytime.

Dann Abstieg bei Gewitterwarnung, also quasi erneut in permanenter Lebensgefahr. Die Knie schreien längst »nein«, aber viel zu schön ist’s, um den schnellsten Weg zurück zu nehmen, also doch nochmal hoch zum Drachenfels, möge dieser Tag bloß nicht zu schnell zu Ende gehen!

Und dann ist irgendwann doch Zeit für ein letztes Eis in Königswinter, die Freude darüber, diese Extrembergtour überlebt zu haben und… Abschiednehmen.

Und für das Gefühl der tiefen Dankbarkeit für diesen wundervollen Tag mit den allerbesten #BestOldestFriends ever.

Der Bulli ist dann mal weg

Trommelwirbel, Adrenalinschub und Dieselqualm: Heute wird es wirklich ernst. Nach 2 Tagen hektischen Bullipackens – irgendwie passte tatsächlich alles rein, nicht wirklich »blickleer«, aber egal – wird der Bus heute verschifft. Auf nach Antwerpen!

Schweigsam lassen wir auf den 230 Kilometern die Gefühle schweifen, nach jahrelangem Träumen und Planen sind wir jetzt tatsächlich on-the-road-to-Feuerland (ok, erstmal nach Halifax Antwerpen), für den kleinen Globetrottelsgeist erstmal schwer zu fassen…

Der berüchtigte Stau um Antwerpen bleibt aus, dafür gibts feinsten belgischen Nieselregen am ganz weit draussen liegenden Euro Terminal Kaai 1333, nur zu finden mittels GPS-Koordinaten: N51.272637 / E04.203268. Die Anspannung steigt, das mit dem Verschiffen ist so eine Sache, aber was solls, so schlimm wie im Iran oder in Mumbai kann’s ja nicht werden. Glauben wir…

Einparken zwischen den wartenden LKWs, Warnweste übergeworfen, rein ins Check-In-Gebäude. Hektisch umherirrende Trucker geben einen guten Vorgeschmack, auf das, was kommt: Wenn schon die Profis keinen Überblick haben – das kann ja lustig werden.

Am Schalter erwarten uns klare Anweisungen: Zettel mit unseren Daten ausfüllen und Magnetkärtchen am Automaten programmieren, dann wiederkommen. Kein Problem, einer von den Truckern hat sogar einen Kugelschreiber für uns, zurück zum Schalter, diesmal gibts kryptische Aufkleber, ein gelbes Bändchen und eine schmuddelige Kopie unseres mühsam ausgefüllten Formulars. Am Gate 4 sollen wir uns damit melden, da helfe man uns weiter.

Zurück zum Bulli, ein schnelles Abschlussfoto im Regen, auf zum Gate. Und da stehen wir erstmal. Eine ganze Weile. Viel Zeit, noch mehr Brummifahrern beim Herumwuseln zuzuschauen. Und dann wirds – wie einem ungeschriebenen Gesetz zufolge offenbar bei jeder Verschiffung zwingend vorgeschrieben – plötzlich hektisch: Der Sicherheitsmensch läßt nur eine Person mit dem Bulli ins Hafengelände, bis Chérie mit unserem Handgepäck im Regen steht ist die Schranke längst wieder geschlossen, hinter uns hupts, der Zöllner wirkt angespannt, Chouchou ists ohne Chérie eh, ab auf die Waage, das gemessene Gewicht geht uns offenbar nix an. Der mysteriöse Aufkleber landet auf der Seitenscheibe, dann knappe Anweisung: „Den Bus dort drüben zwischen den anderen Mobilehomes abstellen und den Schlüssel im Wagen lassen!“

Ok, also rein ins Hafengelände, dichte Reihen von LKWs blockieren die Umsetzung der so einfach klingenden Mission – nach langer Irrfahrt und Rangiererei erreichen Bulli und Chouchou die befohlene Parkposition. Und nun? Wirklich einfach den Schlüssel liegen lassen und verschwinden? Eine wirkliche Alternative tut sich nicht auf, schweren Herzens und ein wenig irritiert läßt Chouchou den Bulli zurück, was ist denn nun mit Zollkontrolle, Inspektion, Vermessung und Dieselstandüberprüfung, das sollte doch alles noch passieren!

Zumindest klärt sich, wofür das Magnetkärtchen gut ist, damit gehts wieder raus aus dem Hafengelände. Und endlich sind die Globetrottels wieder vereint – Rendevous im Check-in-Gebäude. Das kann doch nicht alles gewesen sein? »Doch«, meint die Frau am Schalter. Mehr als unsere wenig vertrauenswürdige und mittlerweile vollgeregnete Fotokopie gibts nicht als Einlieferungsbeleg, weitere Kontrollen auch nicht.

Der traurig in der Ecke sitzende ältere Trucker erkennt messerscharf unsere Hilflosigkeit und tröstet: „Das ist alles ok so, alles ist gut.“
Ein Hauch von Zweifel bleibt. Ob der Bulli wirklich in zwei Wochen wohlbehalten in Halifax ankommt?

Uns bleibt also nichts mehr anderes übrig, als an Seabridge, den belgischen Hafenbetrieb und die gute Truckerseele zu glauben… und unsere Rückreise zu organisieren: Hans-Jürgen wird uns in einer Stunde aufsammeln, auch sein Navi hat so seine Probleme mit der speziellen Lage des Hafenterminals…

Zeit zum Plaudern mit Juliana, die schon eine Weile im Hafengebäude herumirrt und noch unglücklicher wirkt als wir. Ihr Mann Dieter kümmert sich im Gelände gerade um ihren alten Rundhauber, der auf der Rückverschiffung von Montevideo »ausgeräumt« wurde – der Albtraum aller, die Ihr WoMo per RoRo-Fähre verschiffen. Also auch unserer. Tagelang stehen die Fahrzeuge unverschlossen im Hafen, genug Zeit für böse Menschen, sich in ihrem Inneren zu bedienen…
Bei ihren weiteren Erzählungen von langen Reisen durch Afrika, Indien, die Amerikas und fast überall sonst noch hin dämmert es uns: Den alten Mercedes kennen wir doch! Und tatsächlich, eines der vielen Reisebücher von Dieter Kreutzkamp haben wir tatsächlich in unserer kleinen Bibliothek.

Erschöpft und ausreichend durchgefroren werden wir schließlich von Hans-Jürgen eingesammelt. Zurück nach Bonn. Ohne Bulli.

Zen, oder die Kunst, eine mexikanische Kfz-Versicherung abzuschließen

Den Globetrottels ihre Odyssee, dem Bulli eine Kfz-Versicherung für Kanada und USA abzuschließen – Rekonstruktion eines Dramas in 25 eMails:

15.2.23: Wir brauchen eine Kfz-Haftpflichtversicherung für Kanada und die USA. Nach ausführlicher Recherche steht fest, dass weltweit nur ein einziger Versicherungsanbieter europäische Wohnmobile in Kanada und den USA versichert: Seguro Gringo in Mexiko. Seguro Gringo! Mexiko! Das klingt ja richtig seriös…
Chérie mailt den in Reiseforen ausgiebig gelobten Fernando an.

28.2.23: Noch keine Antwort aus Mexiko. Wir schicken noch eine eMail.

1.3.23: Mariel von Seguro Gringo antwortet: Wir sollen unsere Fahrzeugdaten mailen. Machen wir.

7.3.23: Mail von Mariel: Der Bulli sei kein »Campervan« sondern ein „Motorhome„, der Tarif wird also teurer als erwartet.

9.3.23: Wir machen uns daran, über die sehr gewöhnungsbedürftige Webseite von Seguro Gringo die Motorhome-Versicherung zu buchen. »Volkswagen« wird hier nicht angeboten und unsere VIN (Fahrzeugnummer) nicht akzeptiert. Nächste eMail an Seguro Gringo.

10.3.23: Antwort von Mariel: Macht nichts, wenn das System bei der VIN meckert, als Fahrzeug sollen wir »Eurovan« eintragen. Das könne alles noch später korrigiert werden.
Wir setzen die Online-Buchung fort…

eMail vom Seguro Gringo-System: »¡Felicidades! Tú póliza ha sido emitida exitosamente«. Herzlichen Glückwunsch, wir haben Versicherung für 180 Tage in Kanada und USA. Deckungssumme: 30.000$, viel zu wenig für eine Fahrt durch das Land der Millionen-Schadensersatzklagen. Viel viel zu wenig! Die in Aussicht gestellte »Extension« auf zumindest 300.000$ läßt sich auf der Webseite nicht finden.

Nächste Mail an Mariel: Wie kommen wir an die Extension?

11.3.23: Mariel kann sich das Problem nicht erklären und fragt nach Screenshots vom Buchungsprozess. Schicken wir.

Prompte Antwort von Mariel: Die von uns gebuchte Police läßt sich nicht erweitern. Sie könne unsere gebuchte Police stornieren, uns die richtige ausstellen und wir müssten den Aufpreis noch zahlen.

Rückfrage von uns: Die richtige 100/200/100 Police wurde uns auf der Webseite gar nicht angeboten. Was würde diese kosten und wie sollen wir bezahlen? Und ist sie sich sicher, daß der winzige Bulli nicht doch ein »Campervan« ist?

16.3.23: Noch keine Antwort von Seguro Gringo. Wir schicken unsere letzte Mail nochmal.

17.3.23: Mariel entschuldigt sich vielmals: Natürlich ist unser Wagen ein „Campervan„, es wird also doch nicht ganz so teuer. Sobald wir die Preisdifferenz bezahlt haben schickt sie die neue, bereits auf 300.000 US$ erweiterte Police.

Mail zurück: Ok, wie können wir die fehlende Summe begleichen?

21.3.23: eMail vom Seguro Gringo-System: »¡Felicidades! Tú póliza ha sido emitida exitosamente«. Herzlichen Glückwunsch die Zweite, wir haben eine Versicherung über 100.000$. Und der Bulli ist auf den Dokumenten sogar deutlich jünger geworden, plötzlich steht da das Baujahr 1998…

Außerdem eine eMail von Mariel: Es wird doch etwas teurer, 774$ stehen jetzt für die Extension noch aus, wenn wir die online gebucht haben bekommen wir die für die erste Police zu viel gezahlten 40$ zurück.

22.3.23: Wir mailen zurück: Gracias, wunderbar! Was machen wir denn mit dem falschen Baujahr? Und ist es ok, wenn wir die Extension buchen, bevor das korrigiert ist?

25.3.23: Mariel entschuldigt sich erneut, versehentlich wurden nicht die 40$ sondern die gesamte Summe rückerstattet. Jetzt muss auch diese Police storniert werden und wir sollen mit der Online-Buchung nochmal von vorne beginnen…

Mail an Mariel: Alles klar, das Geld ist tatsächlich zurückerstattet, Montag machen wir uns an die neue Buchung.

27.3.23: Mutig machen wir uns an die erneute Buchung, diesmal direkt »Campervan 100/200/100«, schwuppdiwupp, wie von aztekischer Geisterhand ist die Police gebucht. Nächster Schritt »Extension«, fertig, wir haben Versicherung.

Muchos gracias an Mariel, die uns just in diesem Moment an die Buchung erinnert. Alles bestens, wir melden uns kurz vor Mexiko wieder.

Hoffnungslos unterversichert sind wir damit zwar immer noch, und wie die Kommunikation im Schadensfall aussähe wollen wir uns nun wirklich nicht ausmalen…

Böse Zungen halten die Police mehr für einen sehr teuren Grenzpassierschein denn für eine Versicherung

Egal: Wir freuen uns auf Mexiko

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