Der Lonelyplanet schreibt zum Cabot Trail:
Die Fahrt auf dem Cabot Trail ist die beliebteste Freizeitaktivität in Nova Scotia. Man fährt über kurvenreiche Straßen vorbei an heiteren Seen. Seeadler kreisen hoch in der Luft, und von den Klippen bietet sich ein atemberaubender Ausblick. Unterwegs verstecken sich an der südöstlichen Flanke des Trails zwischen Englishtown bis zur St. Ann’s Bay Künstlerateliers. Beim Besuch ein oder zwei solcher Ateliers lernt man mit Sicherheit interessante Typen kennen – Töpfer, Kunsthandwerker, die Arbeiten aus Leder, Glas oder Zinn herstellen, sowie Maler und Bildhauer – und stößt auf überlebende Reste der Kultur der Mi’kmaq und der Akadier. Die hinreißendste Landschaft prägt die Nordwestküste der Insel, wo die Straße hinunter nach Pleasant Bay und Chéticamp führt. Man sollte immer hübsch auf der Rundstrecke bleiben, so verführerisch die Aussicht auch ist; es gibt viele Stellen, an denen man anhalten, sich umschauen, durch das vielfältige Gelände wandern und den grenzenlosen Ausblick auf den endlosen, eisigen Ozean genießen kann.
Und den fahren wir heute – und zwar gegen den üblichen Uhrzeigersinn, Chérie meint, das ist schöner. Und schön ist’s natürlich tatsächlich. Und hügelig, so manche Steigung ackert sich der Bulli im 2. Gang bei 30km/h hoch.
Einfahrt in den Nationalpark, rein ins Infozentrum: Kein Ticket notwendig, die Saison hat noch nicht begonnen. Camping und Übernachten im Park geht nicht, alles noch zu. Aber Wanderrouten gibt’s, unter anderem gleich nebenan den Middle-Trail und an der Westküsten natürlich den berühmten Skyline-Trail.
Kojoten und Bären sollten wir im Auge behalten, zumindest haben die aber im Moment keine Jungen, sollten also nicht allzu bedrohlich werden. Und die Elche sind ja eh ganz harmlos…
Wanderzeit: 5km Middle-Trail sind perfekt für den Einstieg. Einmal die Klippe runter und wieder rauf. Sämtliche Tiersichtungen verlaufen glimpflich, eine Delphinflosse und reichlich Entenhorden im Atlantik, furchtlose Eichhörnchen auf dem schmalen Weg – alles ganz easy, unsere Taktik, durch lautstarke Quatscherei sämtliche Bären und Kojoten zu vertreiben scheint aufzugehen.
Weiter gen Norden, wir besichtigen zwei mögliche Übernachtungsplätze unserer Overlander-App: Einer im Hafen von White Point, mitten im abgelegenen 50-Seelendörfchen, hier wird man sich sicherlich nicht über ungebetene Übernachtungsgäste im fremdländischen Bulli freuen, der andere auf einer mit Bauschutt übersäten Lichtung mitten im Wald, schon bei Tageslicht gruselig und wohl kaum geeignet für unsere erste Freisteh-Übernachtung. Wir sind aber auch ängstliche Häschen!
Es ist 16 Uhr, so langsam sollte das mit dem Übernachtungsplatz eigentlich etwas konkreter werden.
Ganz im Norden gibts noch 2 Overlander-Spots, den am tief verschneiten Meat-Cove und einen kurz davor, laut Beschreibung aber eher für matsch-affine Allradler geeignet. Und nun? An der gegenüberliegenden Ostküste soll’s bei Pleasant-Bay einen hübschen Platz an der Klippe geben, bloß 50 Kilometer entfernt, schauen wir uns den mal an, immerhin ist die Straße dorthin heute wohl nicht mehr gesperrt, wir erinnern uns: Die Sache mit dem Schnee…
Und wir sind glücklich, nicht einen Tag früher dran zu sein. Schnee gab’s hier gestern wohl wirklich. Jetzt auch noch, aber nur noch neben der Straße, deren wirklich lange 13-prozentige Steigung den armen Bulli im 2. Gang trotz Eiseskälte ganz schön ans Ackern bringen. Das wir hier mitten im kanadischen Winter landen war so nicht geplant.
Pleasant-Bay, 8km Schotterstrecke gen Norden, da ist unser Übernachtungsplatz. Zwar nicht die empfohlene Lichtung, aus dem Schneematsch kämen wir nie wieder raus und wenn doch würde uns die Kuppe zur Straße vermutlich Auspuff und Standheizung unterm Bulli wegreißen – aber die Einbuchtung direkt am Straßenrand sieht vielversprechend aus. Bis auf die Buddhisten vom weiter die Straße rauf liegenden Kloster kommt hier eh niemand vorbei, und die sollten selbst für uns Angsthäschen nicht allzu bedrohlich werden.
Abendessen-Kochen an der Steilküste, Aufwärmen im Bulli, nochmal zur Klippe, diesmal mit Bärenspray bewaffnet (zwar keine Bärenspuren im Schnee zu sehen, aber man weiß ja nie), perfekten Sonnenuntergang begucken, und schnell wieder in den Bulli. Standheizung hochdrehen und schaun, was unsere erste Freihsteh-Übernachtung so bringt…







