Unterwegs im Magicbus

Athabasca – eine aussterbende Art

Weiter geht’s auf Highway 93, Icefields Parkways, für uns mehr »Traumstraße« als für den Magicbus, dem geht am Sunwapta Pass (2035m) im 2. Gang bergauf so langsam die Puste aus, der Gesang aus den Tiefen des Kühlwasserkreislaufs nimmt gar kein Ende mehr und der Motor protestiert mit zunehmendem Gedröhne. Aber er schafft es, und hat damit die Grenze zwischen Banff- und Jasper-Nationalpark offiziell überschritten. Bravo braver Bulli, Du bist der Größte!

Frisch ist’s auf dem Columbia Icefield – wen wundert’s bei einem riesigen Gletschergebiet auf 2000 Meter Höhe? Aber es hat Internetz-Empfang, als einziger Ort auf unserer 230 Kilometer langen Panoramaroute, keine Ahnung, wann wir danach wieder Netz haben werden…

Und einen wunderschönen Gletscher hat’s hier für uns, den Athabasca-Gletscher, betreten dürfen wir den auf eigene Faust zwar nicht, die Kanadier haben die Nase voll davon, Touristen aus den Gletscherspalten zu ziehen, aber immerhin dürfen wir ihn von ganz nah sehen.

»Majestätisch« würde ein poetischerer Mensch als Chouchou vielleicht tippen, auf jeden Fall aber sehr traurig, immerhin stehen wir hier vor einer aussterbenden Art, wie seine Artgenossen taut auch unser Athabasca-Gletscher so langsam weg, 5 Meter pro Jahr, vom »2006«-Schild aus sinds deprimierende 85 Meter bis zum Eis…

Die Übernachtung auf dem Campground hier oben am Icefield wird uns im Nieselregen dann doch etwas eisig, weiter geht’s Richtung Jasper. Der Bulli singt und dröhnt aus Protest auch bergab munter weiter, vermutlich wird er noch eine Weile über diese Strapaze beleidigt sein.

Beleidigt ist vermutlich auch der Elch, der es vor den 2 Wagen vor uns und uns so gerade noch heil über die Straße schafft – dabei sollte er sich lieber merken, daß kleine VW-Bullis ungefähr so träge bremsen, wie sie beschleunigen…

15 Uhr, Zeit eine Unterkunft zu finden, das Wochenende steht voraus und nahezu alle reservierbaren Campingplätze der Umgebung sind längst, teils seit Wochen, ausgebucht. Aber es hat ja noch die »First-come-first-serve«-Plätze, nicht reservierbar und um diese Zeit noch nicht voll besetzt: Auf dem *Mount Kerkeslin Campground“ können wir uns tatsächlich das schönste Plätzchen aussuchen, bei der »Selfregistration« werfen wir den Zettel mit unseren Kreditkartendaten ein, 26 Dollar (18€) kostet die Nacht inklusive Fire-Permit und unbegrenzt Brennholz.

Irritierendes Phänomen: Gestern floß der Fluß an unserem Camp noch in entgegengesetzter Richtung, ganz normal Richtung Süden, heute strömts nach Norden in Richtung Arktischem Ozean. Ob das wohl an dieser Wasserscheiden-Sache oben am Pass liegen könnte?

4 Kommentare

  1. Hans-Jürgen Grundmann

    Wunderschön! Je höher Ihr kommt, desto schöner wird es. Und kanadischer und unwirklicher. Macht Euch keinen Kopf wegen Internetz, wir hören uns doch von Zeit zu Zeit. Genießt! DeP.

    • Anelie

      😘

  2. das Phantom

    ich muss mich dem Herrn Papa anschliessen: wunderschöne Bilder/ Eindrücke und Geschriebenes…!!!

    Der Tradition halber:

    http://campingjasper.com/Kerkeslin-Campground.html

    Wie lange bleibt ihr dort?

    Welcher Platz?

    Gruß

    das hängemattenschaukelnde Phantom

    • Die Globetrottels

      Liebstes Phantom!
      Der Tradition halber: gestern Platz 23, heute auf dem Snaring Camp kurz hinter Jasper, Platz B10…
      Wir bleiben eine Nacht, bevor es weiter nördlich geht.
      Sei gedrückt, zwischen den Bergriesen und einer platzinteressierten Hängematte,
      Deine relaxten Globetrottels

© 2026 Die Globetrottels

Theme von Anders NorénHoch ↑