Sonntag, 11 Uhr, die unscheuen Maultierhirsche sind wieder da und grasen fröhlich vor dem Magicbus. Unser Plan, sie mit Möhrchen in den Bulli zu locken ist gestrichen, auf das Füttern von Wildtieren stehen hier 25.000 Dollar Strafe, das ist uns doch zu teuer.
Mit ihrer Zutraulichkeit ist das Deer hier im Waterton-Park auf jeden Fall ganz einzigartig, der Evolution einen großen Schritt voraus, nur hier haben sie gelernt, daß die Nähe zum Menschen sie vor den noch böseren Bären beschützt, die hier alles fressen, was irgendwie süß und lecker aussieht…

11 Uhr ist aber auch der Zeitpunkt, an dem wir Platz Nummer G10 verlassen und auf G11 einchecken müssen – die dort letzte Nacht kampierenden Kanadier räumen auch tatsächlich minutengenau das Feld, ohne daß wir uns als typisch deutsche Pünklichkeitsfanatiker outen müssen.

Und dann ist Wanderzeit, heute ist der *Bear’s Hump‘ dran, der Rother Wanderführer verwendet unangenehm oft das Wort »Bär«:

Bear’s Hump
Gehzeit 1.00 h, Höhenunterschied: 210 m.
Einer der besten Aussichtspunkte auf die Waterton Lakes und Umgebung.
Dem großen Geist der Grizzly-Bären verdanken die Menschen ihr Wissen über die Pflanzen, weshalb er vielen Stämmen der nordamerikanischen First Nations heilig war. So hieß der heutige Mt. Crandell bei den Piikani »Grizzly Medicine Mountain« und die Bergschulter war Teil des mächtigen Tieres. Man startet am besten früh morgens oder spät abends, um in Ruhe den Ausblick auf die schier endlos erscheinende Prärie, das »Prince of Wales«-Hotel mit dahinter aufragendem Vimy Peak sowie auf den Waterton Lake bis zum Glacier Nationalpark auf der USamerikanschen Seite ohne Menschentrauben und in optimalem Licht zu genießen.

Praktischerweise beschreibt Rother auch gleich unsere Strapazen:

Anforderungen: Kurzer, durchgehend steiler Anstieg auf breitem Pfad. Oben erwartet uns eine ausgedehnte, geländerfreie Aussichtsplattform. Kurzzeitige Kondition für den Aufstieg sowie Schwindelfreiheit auf dem Plateau notwendig.

Ja, es wird anstrengend. Und warm und schwül. Soviel Jammerei darf auch einmal sein. Aber oben ist’s schön. Chip Monks (Chérie mein Goldmantelziesel) und jede Menge Aussicht:

Später gibts Softeis, Chéries Desaster-Cooking bei Gewitter und die leckersten Bratkartoffeln Kanadas.

Und statt Sonntag-Tatort gibts den Globetrottels ihr heftigstes Gewitter aller Zeiten, Starkregen, Blitz und Donner, Hagel… das Vorzelt tanzt trapfer im Sturm… und die Wetterwarnapp plingt im Minutentakt Gewitterwarnungen… Eindeutig mehr Abenteuer, als heute geplant…