Am Morgen danach heißt es erst einmal: Schäden begutachten. Gott sei Dank sind wir äußerst schnell durch, der Magicbus hat sich mal wieder von seiner tapfsteren Seite gezeigt und sein altes Fell kühn in den Sturm gehalten. Weder ihm, noch uns ist etwas passiert. Nur Waterton hat die ganze Sache nicht ganz so wacker weggesteckt.
Gestern haben wir im Halbdunkel einen neuen Fluss entdecken dürfen, dort wo eigentlich unsere Straße war. Der Cameroon Fall hat anscheinend sein Bestes gegeben, um über die Ufer zu treten. Mal wieder war´s Licht aus in ganz Waterton.
Was wir gestern Abend noch nicht sahen, waren sturmzerrupfte Zelte, die wir am Morgen verwaist vorfinden. Wo sind ihre Bewohner hin? Verweht? Geflohen? Verschwommen? So wie die gesamte Lage vor Ort?
Die Ranger tun alles, um sich einen ersten Überblick über die Katastrophe zu verschaffen: Hubschrauber in der Luft, alle Wanderwege gesperrt, unser gestern noch begangener Bear hump wurde von einer Gerölllawine weggerissen, auf der Webpage des Parks (die wundersamerweise das erste Mal gut läuft) werden Menschen gebeten, nicht mehr anzureisen. Es ist an der Zeit, dass die Globetrottels weiterfahren. Auch, weil zusätzlich ein Bär im Nachbarcamp eines der verwaisten Zelte verwüstet hat. Mannomann, hier ist wat los, Leute, ich sachet euch…

Bei ausgeprägtem Beziehungserleben könnte man fast meinen, die Globetrottels zögen eine Schneise der Verwüstung hinter sich her. Ostkanada brennt, Tornadowarnung in Saskatchwan, im Waterton Parc bitte nicht mehr anreisen. Wir müssen hier erstmal postglobetrottelig aufräumen. Sorry for the inconvenience.
Bei gesundem Menschenverstand ohne Beziehungserleben könnte man einfach mal die KanadierInnen befragen. Alle, ausnahmslos alle, mit denen über das Thema sprachen, fürchten sich vor dem Sommer. Wir haben erst Juni und die Brände sind bereits jetzt außer Rand und Band. Von den Tornados und den Unwettern ganz zu schweigen. Bei gesundem Menschenverstand hat jeder Klimaleugner eigentlich eine Backpfeife verdient.
Gegen halb zehn verlassen wir das Katastrophengebiet: Chouchou unerschrocken am Steuer, ich daneben bei 500g Mayonudelsalat und mittlerweile dem zweiten Käsebagel. Weltuntergangsangstknabbern.
An alle, die mir so ökotrophologisch gewieft getippt haben, dass die zwei Eis der letzten zwei Tage sehr viele Kalorien hatten, den soll gesagt sein: Kinnas, in Kanada lernt man zügig: man lebt nur einmal und das kann ziemlich schnell vorbei sein. Lasst mir also mein Eis. Und Mayonaisse-Nudelsalat morgens um halb zehn im Krisengebiet. Ich kann mich hier nicht um alles kümmern.
250 Kilometer sind es bis Calgary. Bob Dylan fragt im Radio: How does it feel to be without a home. Like a complete unknown, ein Bauernhaus lächelt uns an, eine Reklame erinnert: Be curious. Be transformed. Und dann sind wir auch schon da.
Obligatorischer Einkauf im Walmart: diesmal das große Programm mit allem drum und dran. Hafermilch ist im Angebot, wir kaufen vier Päckchen, räumen die halbe Gemüseabteilung leer. Für die Beyond Meat-Würstchen sind wir eh die einzigen Abnehmer kanadaweit. Bei ausgeprägtem Beziehungserleben könnte man davon ausgehen, dass sie nur für uns in der Auslage liegen. Dann noch Baguette, Käse, Oliven, Gurken, Eier, Reis, Nudeln, Pad Thai, Daal, Bagels, Chips, Ahornsirup, Nutella. Man merkt: das Weltuntergangsangstknabbern ist noch lange nicht vorüber.

Danach noch fix zum VW South Center: unser telefonisch bestellter Retro-Ölfilter wartet auf uns. Wir mussten Vorkasse leisten, da sie das olle Ding ansonsten nicht los werden. Eine Beratung zur Anschaffung des neuen VW Camper Buzz war anscheinend im Preis mit drin.
Jetzt sind´s nur noch 150 Kilometer bis zum Banff Nationalpark: unser Camp für die nächsten drei Tage. In großer Hektik reserviert, da bereits zu dieser Jahreszeit fast alles heidenlos ausgebucht ist – sagen uns alle, das Buchungsportal hat´s bestätigt.
Banff, erster Nationalpark Kanadas, der drittälteste weltweit und eines DER Kanada-Highlights, zumindest, wenn man den Reiseführern glauben darf. Banff – so schön wie Chouchou kann das kein Mensch sagen. Also: Wir fahren nach Bääämpff. Bääämpff Für Outdoorabenteuer in Bääämpff.
Dass dies ein kleiner Scherz sein wird und wir in Bääämpff sicherlich keine großen Outdoorabenteuer erleben werden, ist uns –ehrlich gesagt– von vorne herein klar. Kanadas überlaufenster Nationalpark soll eher einer großen Kirmes gleichen, einer Kumbh Mela für Touris, die Outdoorenthusiasten mimen. Die Bären sollen ihre helle Freude an diesem Schauspiel haben: viel lecker “Food for free” auf den Campingplätzen, daher hat man hier auch ernsthaft abgeriegelt und sehr, sehr viele Warnschilder aufgestellt.
Auf einem asphaltierten Großraumparkplatz parken wir ein. Netterweise gibst ein kleines Stückchen Rasen mit ein paar Bäumen drauf, der uns von unseren Nachbarn trennt, die augenscheinliche Partytiger um die 50 mit –Gott sei dank– sehr guten Musikgeschmack sind.

Morgen schauen wir uns das Spektakel im Dorf mal an. Outdoorenthusiasten-mimende Globetrottels im nächsten Nationalpark, in dem sie diesmal hoffentlich keine Katastrophe verursachen. In einem alten, schröddeligen Bulli-reisende Globetrottels, die gleich Lagerfeuer machen und ganz sicher auch nicht den besten climate foodprint hinterlassen.
Bääämpff. Ein bisschen Zeit für Selbstkritik in Bääämpff. Ich glaub, ich brauch noch einen Nudelsalat. Das nächste Gewitter ist angeblich schon im Anmarsch.





Bäääämpf! Angeblich ein Traumziel! Als wir vor über dreissig Jahren in Kanada waren, hatte ich mal Bääämpf für einen Winterurlaub angedacht. Und nun seid Ihr im Sommer da. Und alle haben Angst davor. Hoffentlich werden es schöne Tage in Bäääämpf! DeP.
Moin mein Pabels!
Nun sind wir also hier und man muss sagen: es ist herzuleiten, warum so viele andere auch hier sind.;-) Aus Gründen.
Mitten aus dem Trubel,
Deine Anelie
„ An alle, die mir so ökotrophologisch gewieft getippt haben, dass die zwei Eis der letzten zwei Tage sehr viele Kalorien hatten…“
Welche ungehobelten Halunken hat denn solch einen besch…. Kommentar abgegeben ?
Und wenn Du 10 Eis gegessen haben solltest – das kann denen egal sein und wenn nicht, dann sollten sie bitte Ihre Meinung für sich behalten.
Liebes Phantom!
„Ungehobelte Halunken“ —- das gefällt mir. Im Endeffekt werden es Neider gewesen sein. Bei so viel leckerem Eis kann man ja auch neidisch werden…
Dein eiskaltes
Schnuffpuff