Wer hätte gedacht, dass in einem der bekanntesten Nationalparks der Welt jede geschlagene Stunde in einer gar nicht mal tiefen Nacht ein Zug fährt!?
Wir kennen das Phänomen bereits aus Parry Sound: fährt ein Zug nach Nirgendwo neben dem Magicbus, dann fährt ein Zug nach Nirgendwo plötzlich direkt ins Hirn eines so ganz und gar nicht mehr schlafenden Globetrottels.
Irgendwann schrieb ich: im Dachzelt des Bulli ist drinnen wie draußen. Genauso ist es. Und so haben wir heute Nacht also in einem der bekanntesten Nationalparks der Welt mit den Köpfen auf den Gleisen campiert. Anyway, macht nix. In Bääämpff sind wir ja eh schon Asphaltkrieger im Durchgangsverkehr, die transkanadische Railwaylinie passt also problemlos noch rein in die Durchfahrt. Rein kompensatorisch schläft Chouchou am Morgen bis fast gegen neun. Rekord in ganz Kanada, Rekord auf glühenden Gleisen.
Zu allererst wird am Morgen der wunderbaren Brunny zum Geburtstag gratuliert. Viel zu weit weg, aber wenigstens ist die Internetverbindung so gnädig, einigermaßen Stand zu halten. Kam vielleicht mit der Bahn: 4G, 2 Balken, das ist das Minimum, um einigermaßen kontinuierlich eine Stimme vom anderen Ende der Welt zu übertragen. Danke Transcanadian railway – selbst, wenn Du es nicht gewesen bist. Es macht mein Verhältnis zu Dir aber besser. Und noch einmal: Happy birthday, liebste Brunny, meine allerliebste deMamels von Welt. Eigentlich bin ich überhaupt nicht weit weg.
Wie bereits angedroht, wollen wir uns heute die Kirmes geben. Anreise im Bollerwagen wäre am passendsten, wir aber nehmen den nächstgelegenen Wanderweg, der über die so genannten Hoodoos nach Banff führen soll. Hoodoo bitte was?

Wer Hoodoo bei Google eingibt, stößt zuerst auf die Übersetzung: »person that brings bad luck« – ein Unglücksbote. Gott sei dank verbergen sich hinter diesem ominösen Namen keine bösen Wichte, sondern lediglich Feenkamine. Das wieder rum klingt wirklich wunderschön. Also ab auf den Feenkamin-Trail.
Durch ein Zauberwäldchen geht es ab nun 10 Kilometer bergauf und bergab. Man hatte uns versprochen, dass auf diesem Weg wahnsinnig viel los sei. De facto sind wir ganz alleine. Grund genug, nach knappen fünf Kilometern reinem Wald eine Runde ernstgemeinte Bärenparanoia zu schieben.
Ich bin mir nicht sicher, wie es sich mit den Maestros Petz hier vor Ort wirklich verhält. Mein eingeschränkter Verstand aber sagt mir: wo viele Menschen sehr viel Essen krümeln werden irgendwann ein paar pfiffige Bärchen darauf kommen, dass es ganz besonders schlau ist, sich vor allem auf gut bewanderten Wegen aufzuhalten. Diese bauernschlaue Nummer von wegen eins plus eins ergibt und so kenne ich ja selbst ganz gut. Warum im tiefen Wald mühsam nach Wurzeln, Knospen, Früchten, Maultierhirschen suchen, wenn arglose Touristen (wir!) die Taschen voll haben mit Snickers (haben wir), Trockenfleisch (haben wir nicht) und Eiern (haben wir). Und nebenbei selbst noch Frischfleisch am wandelnden Knochen sind (immerhin: frisch sind wir –Gott sei dank– nicht. Aber Fleisch. Manchmal reicht das ja.) Schritt für Schritt tiefer in den Wald, kommt mir plötzlich der rehknackende Schwarzbär von Waterton wieder in den Kopf. Diese Begegnung fühlte sich zweifelsohne surreal an. Auch weil so viele Menschen auf dem Wanderweg waren und ich wohl insgeheim gehofft hatte: sollte der Bär uns bemerken, frisst er als erstes die laut schnatternden Tanten mit ihren Schoßhündchen. Oder die Schulkinder.
Hier ganz alleine nach ein paar Kilometern purem Wald hat sich das Blatt gewendet. Ich komme mir plötzlich sehr klein und lächerlich vor – mit meiner Dose Bärspray in der linken Außentasche meines Rucksacks. Missen möchte ich es zweifelsohne aber trotzdem nicht. Das Spray nicht und auch nicht das Erlebnis.
Viel gelästert haben wir vorab, über diese überlaufende Banffregion. Auf diesem Wanderweg aber verstehen wir auch, warum es so viele Menschen hier her zieht.

Die Natur ist wahrlich atemberaubend, teilweise fast märchenhaft mit seinen grünen Tannen, dem kristallklarem Bow River, eine Lichtung, saftig grüne Wiese, ein bunter Vogel im Unterholz. Wenn ich träumte von einem perfekten Wald, dann ist es einer wie dieser. Welt erleben– so, wie sie gefühlt noch im Urzustand ist. Und danach einen iced Cappuccino bei Tim Hortons und ein hochwertiges Souvenir in einem der zahlreich stylischen Läden kaufen als Erinnerung. Schlecht gemacht ist das nicht. Banff Town hätte ich mir wirklich gruseliger vorgestellt.
Wir flanieren noch ein wenig durch den Ort, zünden in der Kirche ein sehr wichtiges Kerzchen an, essen –stellvertretend für Brunny– zehn Birthday Timbits bei Tim Hortons und spülen sie mit besagtem iced Cappuccino runter. Pünktlich zum Regen sind wir nach insgesamt 14 Kilometern wieder zu Hause…
Und so endet dieser Dienstag mit klopfenden Tropfen auf dem Hochdach des Magicbus´. Kalter Regen nach einem warmen Tag. Mächtige Berge beäugen uns, vielleicht gütig, vielleicht süffisant lächelnd, ich weiß es nicht.
Aber ganz bestimmt sind sie unberechenbar.







Das liest sich ja alles nach Urlaub pur. Gut, dass Ihr erstmal da bleibt und Euch ein wenig Ruhe gönnt. Jetzt beginnt die Schönheit Kanadas. DeP.
Liebster Pabels!
„Jetzt beginnt die Schönheit Kanadas“ — und wie. Selbst bei Regen ist’s ganz wunderbar hier.
Liebste Grüße,
Deine pitschepatschenassen
Globetrottels
Legen Sie sich auf den Boden und geben Sie ihre Hände in den Nacken. Der Bär erkennt so, dass Sie keine Gefahr für Ihn sind. Stellen Sie sich tot und wehren Sie sich nicht. Warten Sie, bis der Bär wieder weit genug weg ist.
Nun weiß ich woher der Begriff kommt. Ich habe eine Bärenangst
Google schlägt s.o. vor
Aber , wie lange kann man sich totstellen, ohne dabei vor Bärenangst zu sterben?????
Trotzdem mutig weiter und die Augen offen halten.
Sonnige, bärenhungrige Grüße vom Frühstückstisch, ein Kaffee auf euch
Moin liebste Dagmar!
Sehr wahrscheinlich muss man sich das gar nicht merken, da im Falle eines Bärenangriffs eh zuerst die Ohnmacht einsetzt.
Fimmschig und mit Bärenspray im Anschlag,
Deine Globetrottels
Huhu liebe Globetrottels,
wo genau steht ihr?
https://parks.canada.ca/pn-np/ab/banff/activ/camping
Gruß
das Phantom
Moin Lieblingszahlenphantom!
Wir stehen auf der A24.;-)
Morgen gehts weiter.
Sei fest gedrückt von
Deinen Globetrottels