Unterwegs im Magicbus

Vom Wetter verweht in Saskatchewan

Die Hauptattraktion von Moose Jaw? Elch natürlich. Und zwar der größte der Welt: Mac the Moose, den müssen wir uns natürlich angucken, Mööp und so…

Und Mac ist mit seinen 10 Metern wirklich groß, zwischenzeitlich gab’s in Norwegen mal einen größeren, das ging natürlich gar nicht, hier in Kanada muß jede ordentliche Stadt mit »größtes Irgendwas« werben – also hat Mac jetzt ein neues Geweih und ist wieder The Biggest Elch. Mööp!

Der Globetrottels-TV-Beitrag ist dank springlustiger Amis beim ersten Versuch im Kasten, wir werden von zwei Kanadiern angesprochen, wieder einmal hat der fremdartige Bulli die Neugierde geweckt und wieder einmal stoßen unsere Reisepläne auf große Begeisterung.
Das Farmerehepaar aus Dawson Creek reist selber gerade in entgegengesetzter Richtung gen Osten. Und den Unterschied zwischen »Moose« und »Elk« kennen sie ganz genau, einmal im Jahr erlegen sie einen der deutlich größeren »Moose« und zehren dann den Rest des Jahres davon und schauen uns ob unseres Vegetariertums bloß mitleidig an. Sehr sehr mitleidig. Und wirklich sehr sehr nett, die zwei.

Auch mit den überall rumwuselnden Nagetierchen kennen sie sich im Tierreich besser aus also Chouchou, die vermeintlichen Ratten seien »Ground Hogs« (von Google übersetzt zu »Murmeltier«, aber damit liegt der Translator in der Artenbestimmung fast so schief wie Chouchou).

Zutraulich und süß sind die kleinen Tierchen auf jeden Fall und erwärmen nachhaltig Chéries Herz. Und auf deutsch sind es »Präriehunde« – unserer aufwändigen Recherche nach zumindest…

Auf nach Süden. Im Grassland Nationalpark sind zwei Übernachtung gebucht, 200 Kilometer bis dahin, der Magicbus klingt mit frischem Diesel, Kühlwasser und Motoröl heute wieder fröhlicher, genauso wie wir, aufgesättigt mit leckerem Kaffee.

Quer durch feinste hügelige Graslandschaft in sämtlichen shades of green, sagte irgendwer was von *Grassland“? Wunderwunderschön die Landschaft, die Hochebene bringt uns zum staunen und den Bulli mit seinen Steigungen (und den sommerlichen Temperaturen) ordentlich ins Schwitzen.

Alarm – Alarm – Alarm, jetzt kommen auch wir ins Schwitzen, unsere Handy kreischen in gräßlichen Tönen, Cell Broadcast Emergency Alert:

Alarmstufe Hoch, »deutliche Bedrohung für Leben oder Besitz« – im Bereich unserer Funkzelle bestehe höchste Tornado- und Gewittergefahr: »Take cover immediately if threatening weather approches«.

Im Umkreis von 30 Kilometern gibt es hier nix außer unserer Straße und grünen Wiesen, wo sollen wir hier »unverzüglich Schutz suchen«? Von Tornados zwar bislang keine Spur, aber ganz so pitoresk und harmlos wie noch vor 5 Minuten wirken die Wolkenformationen plötzlich überhaupt nicht mehr, und der Wind scheint auch deutlich zuzunehmen. Und warum ist uns seit gefühlten Ewigkeiten kein anderes Auto mehr begegnet? Wie schnell kann so ein Tornado überhaupt sein, schneller als der Bulli?

Nur dank Chéries Gabe, die Zeichen der Tierwelt so präzise zu deuten gelingt es uns, einen kühlen Kopf zu bewahren: Die Kühe auf den Wiesen wirken noch ganz entspannt, also auch für uns keinen Grund, in Panik auszubrechen!?

Vollgas geben wir trotzdem, jagen den armen Bulli mit 90 Sachen die Hügel rauf, aber auch für ihn wird das ja wohl gesünder sein, als vom Tornado verweht zu werden.

Zwei Antilopenartige und ein Kojote am Wegesrand, auch noch ganz entspannt, im Gegensatz zu uns, die wir glatt das Knipsen vergessen. Was tun wir denn eigentlich, wenn so ein Tornado vor uns steht? Die Empfehlungen für so einen Fall sind widersprüchlich, so eine Situation gilt wohl als eher ungünstig, im Wagen bleiben und sich unter die Scheibe ducken oder aussteigen und im tiefergelegenen Graben Schutz suchen? Klingt definitiv beides unspaßig.

Wieder erwarten erreichen wir lebendig Rockglen, das einzige Dörfchen weit und breit. Die Straßen verlassen – sitzen die alle schon im Bunker? Mitnichten, das ganze Dorf versammelt sich in der Community Hall zu einer Beerdigung. So auch Marge, die nette Dame in Schwarz am Straßenrand, die wir verängstigt ansprechen: Wie ernst ist die Lage?

Marge, sie lebe ihr ganzes Laben lang (also ca. 70 Jahre?) hier, ist ganz entspannt. So eine Warnung habe es gestern auch, aber keinen Tornado gegeben. Blick in den Himmel: »Severe Clouds« – Ordentlich Wetter sei wohl schon im Anmarsch. Und yes, in den Nationalpark könnten wir aus ihrer Sicht schon fahren, wenn es für uns kein Problem sei, dort nach eventuellen Unwettern bei aufgeweichten Straßen dann ein paar Tage, maybe a week festzusitzen. Sie selber würde sich momentan aber lieber ein anderes Ziel aussuchen…

Wir fassen zusammen: Offizielle höchste Unwetterwarnstufe bis morgen früh auf sämtlichen Kanälen, beeindruckende Wolkenformationen, die Locals raten vor der Fahrt in den Nationalpark (offene und verlassene Prärie!) ab, deren 20 Kilometer lange Schotterstrecke den Bulli schon bei Schönwetter an seine Grenzen brächte. Wäre es eventuell ein klein bisschen dämlich, die geplante Route jetzt fortzusetzen…?

Fügung des Schicksals: Das *Rockwell Visitor Center“ wirbt mit (in keiner Camping-App verzeichnetem) »Trailer Park«: Gemütliche und komfortablen Stellplätzen in sicherer Lage am Rand des sympathischen Dörfchens.

Womit die Entscheidung wohl klar ist, wir schießen die 40 Dollar für die Reservierung im Nationalpark in den Wind und bleiben, mit Heck in Windrichtung geparkt, erstmal hier.

Dörfchenspaziergang. Eine Wagenkolonne zieht vorbei, von der Community Hall zum Friedhof, traurig aber freundlich winkt man uns zu, und schon sind wir wieder allein auf den wenigen Sträßchen Rockglens, dem verlassenen Dörfchen, an dem einfach alles und jedeR sympathisch und freundlich zu sein scheint.

Coole Sache, so eine Tornadowarnung, ohne die wir diesen Ort nie gefunden hätten…

4 Kommentare

  1. Hans-Jürgen Grundmann

    Ihr wolltet Abenteuer, ihr sucht Abenteuer, ihr habt Abenteuer!
    Hoffentlich 🙏 ist alles gut gegangen! Nicht auch noch diese Sorgen! Bitte kurzfristig melden! deM ❣️

    • Joana

      Vom Winde nicht verweht worden…
      Die sturmsicheren Globetrottels

  2. das Phantom

    Huhu,
    wie schaut‘s aus – so tornadotechnisch :-)?
    Übrigens: sexy Fingernagellackfarbe 🙂

    • Die Globetrottels

      Liebes Phantom,
      dank stylischer Nagellackfarbe kann man sich selbst bei Windstärke 12 überall festhalten.
      Sturmerprobt und partyfertig grüßen,
      Deine Globetrottels

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