Unterwegs im Magicbus

Globetrottels, die auf Gras starren

Bereits um halb sieben knallt die Sonne aufs Hochdach: Sonntag Morgen in Rockglen räumt mit dem Vorurteil auf, Kanada könne nur kalt. Um sieben hat es bereits 27 Grad im Magicbus. Sommerausbruch.

Der angedrohte Tornado ist ausgeblieben. Stattdessen hatten wir eine der ruhigsten Nächte der gesamten Reise. Die letzte Straße vor den USA befährt in der Samstagsnacht niemand. Wir haben es überprüfen können. Und den Bulli nachts nicht abgeschlossen.

Mit frisch gewaschener Kleidung geht es heute für uns weiter. Auch hierfür: Danke liebes Visitor Center! Wir durften nicht nur Windschutz hier finden, nicht nur Stellplatz mit Dorfanbindung und Strom, nicht nur reizende Menschen, nicht nur Omis Badezimmer zur Mitbenutzung mit kanadaweit eingesammelten Shampoopröbchen, sondern auch den größten Hygieneluxus der letzten vier Wochen: eine kostenlose Waschmaschine mit Trockner. Über Nacht haben wir hier alles reingesteckt, was nicht niet- und nagelfest war. Kurzzeitig habe ich sogar überlegt, Rudi mitzuwaschen, das aber ging dann doch ein wenig zu weit.

Wir starten heute also den zweiten Versuch –tornadofrei– in die Grasslands zu kommen. Der Himmel ist strahlend blau und wolkenlos, jetzt muss nur noch der Magicbus mitspielen. Denn in die Grasslands führt nur Schotterpiste. Und Schotterpiste –so haben wir bereits gelernt– mag der Bulli nur, wenn das Gras von links weht, die Sterne probiotisch gegen den Uhrzeiger drehen, die Sonne im Norden untergeht und acht Adler über uns kreisen.
Heute also!? Ja, so ist es.

Die Grasslands.
Vor unseren Augen erstreckt sich endloses Grün – wie es sich für anständiges Grasland gehört. Sich sanft wiegende Hügel, end- und baumlos, saftig. Die Prärien, Kanadas Steppe.
Weitblick wie am Meer. Die steife Brise auch. Aber statt nach Salz, riecht es nach undefinierbaren ätherischen Ölen knorriger Sträucher, deren Namen wir nicht kennen. Gleißende Sonne, Hitze auf der Haut. Keine Mücken – und auch sonst keine gefährlichen Tiere, weiß Trish, die plauderige Parkmitarbeiterin, die uns begeistert in Empfang nimmt. Ein Präriehund flitzt trotzdem vorüber.
Der Magicbus parkt ohne Murren, Knurren, Klackern, Quietschen oder Kreischen ein: Panoramablick.

Im Firepermit ist so viel Holz enthalten, wie man verfeuern kann. Also endlos. So wie der Blick. So wie die Freude darüber, hier sein zu dürfen. An diesem unfassbaren Ort, dessen Schönheit sich nicht in Worte fassen lässt.

Den Rest des Tages passiert nicht mehr viel. Globetrottels, die auf Gras starren. Mal mit Fernglas, mal ohne. Es gibt beeindruckend wenig zu sehen in dieser Weite. Nur in ganz weiter Ferne entblößt sich gegen drei ein einsamer Künstler, der mit einer selbstgebastelten Lochkamera Aktbilder von sich selbst am Flüßchen schießt.
“In this wilderness I am not shy,” sagt er. Die Weite und Ruhe tut uns allen sehr gut.
Genauso wie das große Feuer, das wir schon am Nachmittag entzünden und das –dank der steifen Brise– wie eines des stolzesten seiner Art brennt.

Endlos weit schauen, sich vom Winde verwehen lassen, Sonne auf der Haut, so hoch lodern wie es geht und brennen wie das Stolzeste seiner Art. Genau so sollte es öfter sein.
“In this wilderness I am not shy.”
Drückt mal bitte jemand auf den Auslöser!?

2 Kommentare

  1. Dagmar

    Sieht toll aus, die Bank im Grünen gefunden.
    Warten auf Büffel und den, der mit dem Wolf tanzt. Daran musste ich gleich denken.
    Mögen die Winde mit euch sein, ich Düse gleich in die Knopffabrik lg D +B

    • Joana

      Liebe Dagmar,
      Warten auf Kevin, warten auf Tatankas — jetzt fehlt nur noch der Wolf mit den weißen Socken.
      Mit besten Grüßen in die Knopffabrik (ich dachte immer, es wären Schrauben…),
      Deine Joana

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