Heute ist´s so weit. Seit Tagen beobachtet, bekommen wir sie nach Abfahrt aus den Prärien nun endlich fotogen vor die Linse: die, die wir “die Gazellenartigen” nennen. Oder: die Steppenrehe, die Antilopen der Prärie, die Gazellinskis mit Lamagesichtern und im Alpakamove. Heute finden wir auch heraus, wer diese feinen Viehchelchen wirklich sind. Es sind Gabelantilopen. Oder für die Burschikoseren unter uns: Gabelböcke. Schnellstes Säugetier Amerikas. Ich konnte es selbst nicht glauben, als ich es das erste Mal las. Gabelböcke so weit das Auge reicht, heute immer wieder, in der Summe sicherlich hunderte, verteilt auf 400 Kilometer, an den Straßenrändern, auf Kuhweiden, auf der Fahrbahn, zwischen Sträuchern. Mal sportlich galoppierend, mal träge auf Hügel starrend, einmal nicht flott genug gewesen und daher plattgefahren auf der Straße.
Wen wir heute auch dreimal zu Gesicht bekommen–und leider kein einziges Mal vor die Linse– sind die Steppenwölfe. Präriewölfe. Kojoten. Die, die wir Coyotis nennen und die wir bisher nur gehört haben. Im Gras lauernd, am Straßenrand, auf der Kuhweide. Dort, sehr wahrscheinlich zur coyoti´schen Mittagszeit, ergo: am Esstisch. Alle drei mit funkelnden Augen, die sagen: Mir nimmt keiner die Butter vom Brot. Spitz- und schlitzohrige Gesellen, die man abends im Zwielicht neben dem Magicbus zweifelsohne nicht braucht. Zähnebleckend, bereit für den Nachtisch.
Ansonsten passiert heute nicht viel. 400 Kilometer meist entlang an Agrikultur und freilaufenden Rindern auf Steroiden. So langsam geht auf, warum in den gigantischen Fleischabteilungen der Supermärkte nur ein kleiner Kühlschrank vorgesehen ist für tote Tierteile “raised without antibiotics”. Kanadisches Bio. Eine aus der Zeit gefallene Raststätte voller Mennoniten mit ranzigem Kaffee aus der Gulaschkanone. Grundwasserpumpen, riesige Silos, ratternde Landmaschinen, die gigantisches Land pflügen. Grüne Hügel, teils bewirtschaftet, teils unberührt, die meisten würden im Winter großartige Rodelberge abgeben. Man könnte die Gegend “einlullend” nennen. Oder –mit einer blue mood, so wie sie die Globetrottels heute haben– auch: öde. Westliches Saskatchewan, so also verlassen wir Dich. Vor uns liegt Alberta: der “wild rose country”, der für uns in Medicine hat beginnt.
Medicine hat. Klingt gesund und super. Woher der Name stammt, lässt sich nicht eroieren. Vielleicht daher, dass der größte Medizinmann der Welt im größten Tipi der Welt (steht am Ortausgang) die größte Heilung des Universums abgehalten hat. Vielleicht.
Oder daher, dass jedem Einwohner empfohlen wird, den größten Medizinhut der Welt zu tragen, um sich vor möglichen Gasunfällen zu schützen; Gas, das in Medicine Hat gefördert wird. Vielleicht.
Vielleicht ist mit “Medicine Hat” auch nur ein einfacher Sonnenhut gemeint. Bei den meisten Sonnenstunden im Jahr kanadaweit – sagt zumindest das kanadische Institut of “environment and Climate Change” –wäre ein solcher ja durchaus empfehlenswert. Vielleicht.
Wir wollen von Medicine Hat eigentlich nur einen Ölwechsel und eine Pizza. Beides sollen wir nicht bekommen.
VW hat keine Termine vor nächsten Dienstag, aber den großen Bullifan Stephen, der lediglich Automatikvans kennt.
Canadian Tire hat weder das richtige Öl, geschweige denn den passenden Filter, aber einen guten Tipp, wo es für uns weiter gehen könnte.
Bei Mobile 1 wird äußerst engagiert an die Sache heran gegangen, aber der nötige Filter sei weder vorrätig, noch gelistet, noch lieferbar.
Nach knappen zwei Stunden erklären wir das Projekt Ölwechsel für abgehakt. In Calgary werden wir erneut unser Glück probieren. Auf Pizza haben wir mittlerweile keine Lust mehr, stattdessen gibt es Veggieburger. Den einzigen der ganzen Stadt und sehr wahrscheinlich als Pioniere. Schmeckt. Also Fett statt Öl. Schade, dass die Garlic Parmesan Pommes aus waren.
Heute Nacht bleiben wir in Redcliff am Sportplatz.
Die Sonne steht noch nicht schief, mit unseren Nachbarn aus Missisippi haben wir uns bereits angefreundet. Ein paar Gabelböcke rennen die Straße entlang, weg vom Baseballfeld, mit Lamagesichtern und im Alpakamove. Es ist warm, nicht mehr so heiß wie gestern. Der Veggieburger sackt und so langsam könnte ich einen Nachtisch vertragen. Kein Lust auf Brot, von dem ich mir nicht die Butter nehmen lassen würde. Zähnebleckend in Redcliff auf der Picknickbank. Ich brauch was richtiges…
Alberta, country of wild roses, weckt möglicherweise den Steppenwolf in einem.
Na ja, oder zumindest den Kojoten.
Einen kleinen, tapsigen mit einem lustigen Medizinhut auf, tief ins schlitzohrige Coyotigesicht gezogen, unter dem sehr hungrige Augen funkeln.








Na, wo der Saamis-Tipi die einzige Sehenswürdigkeit ist, kann man vielleicht auch Medizinmänner erblicken, die die Adlerfeder am Hut tragen. Ansonsten muss der Bully mit altem Öl auskommen und zum Grillen gibts ja genug Gabelböcke! 🤣🤣🤣
Liebster dePabels!
Gut abgehangenes Gabelbockfilet mit einer schönen Marinade —das wär mal was. Fast so gut wie Kibbeling…
Lass es Dir schmecken,
ich drück Dich ganz fest!
Deine Anelie
Der Medizinhut sagt:
Schon mal Termin in Calgary ausmachen.
Damit die Filter filtern können.
Die Bilder aus der Prärie sind wirklich einlullend, hat was
Mögen die ölfilteranlagen mit euch sein
Liebe Dagmar!
Wir haben sofort Deinen welterfahrenen Tipp in die Tat umgesetzt: in Calgary bestellt man uns nun einen Filter, den wir Freitag abholen können.
Vergiss den Medizinhut, wir sollten viel öfter auf die fachpflegenden Pillboxhütchen hören. Dann wird’s auch was: mit Filtern UND den Knöpfen.
Sei gedrückt,
von den öligen Globetrottels