Dieser Ort –unser Stellplatz mitten im Wald, nur 150 Meter von der Ostsee entfernt—hat einen so guten Geist, dass wir uns am Morgen spontan entschließen zu bleiben.
Noch einen Tag und eine weitere Nacht zwischen den knarzenden Bäumen, ums Eck des Pudersands einer See, die seicht, marineblau und freundlich ist. Alles sehr, sehr nah dran, zu einem unserer Traumcamps zu werden.
Heute tun wir nicht viel. Frühstück gibt es spät,

…erst am Mittag nehmen wir unseren ersten Ortwechsel vor: vom Wald an den Strand.
Lesen, im Wasser plantschen, den zweiten Schal fertig bekommen an einem perfekten Spätsommertag: 24 Grad und nur ein weiches Lüftchen, das warm über die Haut streicht.

Erst als es uns nach Stunden etwas zu sonnenintensiv wird, wechseln wir erneut: vom Strand zurück in den Wald.
Im Laufe des Tages reisen die paar Zeltenden ab, die uns in der letzten Nacht in weiter Entfernung Gesellschaft geleistet haben. Ungefähr zehn dicke und sehr teure Autos rollen am Nachmittag mit leisem E-Surren im Schrittempo am Magicbus vorbei, bevor wir am Abend die gesamte Welt nur noch für uns alleine haben.
Was zurückbleibt ist: nichts. Die Esten haben den gesamten Platz komplett blitzerein geräumt, nirgendwo liegt auch nur ein Rest von menschlichem Abfall.

Unvorstellbar wäre das in unserem Heimatland, wir könnten uns eine so große Scheibe davon abschneiden.
um halb acht tippeln wir wieder an den Strand.

Den Sonnenuntergang haben wir exklusiv, ein Globetrottels-Privat-Sunset: genauso surreal wie gestern und doch ganz anders. Nur eines bleibt ähnlich: das Pastell. Farben, die wegen des Kitschpotentials eigentlich verboten gehören.
Noch ein letzter Blick zurück, bevor die zappendustere Nacht beginnt.

Heute Nacht in diesem stockdunklen Wald ganz alleine zu stehen hat etwas aufregend-wertvolles.
Nach Sonnenuntergang sieht man wortwörtlich die Hand vor Augen nicht mehr, der Sternenhimmel aber ist so nah, dass man die Milchstraße mit bloßen Augen erkennen kann.
Eine beschützende Dunkelheit und doch, sprechen wir kurz darüber, ob wir das zweite Mal auf dieser Reise den Magicbus abschließen sollen, wenn wir schlafen gehen.
Hören wir noch ein wenig der Stille des Waldes zu –und dem Knacken im Unterholz—um dann zu entscheiden.
Bevor die Äuglein zu gehen und die Mitternachtstrolle aus den Gestrüppen klettern…





