Ein Tag des Rollens.
Nach drei stillen Nächten und zwei herrlichen Tagen verlassen wir unseren exklusiven Seeplatz und das liebevoll gestaltete Naturcamp – heute mit frischen Wildblumen auf den Pitstoiletten.
Und da es von Anfang an so gut rollt an diesem Montag, rollen wir einfach viel weiter als geplant:
Statt der angedachten 200 Kilometer rocken wir heute satt das Doppelte ab: 402 Kilometer gen Nordosten.

Kurz nach Mittag passieren wir die Grenze zu Lappland, Hochherrschaftsgebiet der Samen.

Ein einsames Rentier grast in einem der Vorgärten der immer spärlicher werdenden Dörfer. In einem davon kaufen wir das Nötigste, die Läden werden deutlich kleiner. Frühstück gibts auf dem Parkplatz — auffe Hand.

Ölpause an einem einsamen Vogelausguck.

Der Bulli macht Geräusche während er steht: das hatten wir auch noch nicht. Und finden im weiten Nichts erleichternderweise heraus, dass es lediglich das Nachgluckern der Kühler-Wasserpumpe sein kann. Wir hatten schon wieder Spillopp in Verdacht, der sich verschmitzt aus unserem Blickfeld wegdreht.

Nächstes Dorf, Pipipause. Die Lappländer tragen ihre Fifis Gassi und eine einsame „Inlandsbanan“ wartet auf Passagiere, die nicht mehr kommen. Ansonsten ist hier nicht mehr viel.

Die Birken weichen, die Berge werden höher, die Steine größer. Immer geradeaus bei bestem Wetter: Fahrmeditation mit 80km/h, der sich die Schweden gerne anschließen. Lediglich die Norweger überholen von Zeit zu Zeit: jedes zweite Auto ein Tesla.

Kurz vor Arvidsjaur reicht es uns, wir beschließen für heute ankommen zu wollen.
Auf dem Renvallen Camping hat bisher niemand eingeparkt. Wir werden von einem nordischen Hünen ohne Hemd herangewunken: ein Mann mit einem vollkommen unerwartetem Dialekt und perfekter Nase: einer süddeutschen.

Wo auch immer wir auf der Wiese stehen wollen, sollen wir uns einfach hinpflanzen. Dusche gibt es nach Voranmeldung – der Strom müsse lediglich eine halbe Stunde vorher aktiviert werden. Ergo kein Problem, nur melden! Beim perfektnasigen, süddeutschen Aussteiger.

Beim ersten Türöffnen laden wir einen halben Insektenzoo in den Magicbus. Hallo lappländische Flugtierchen. So wichtig wie ihr draußen seid, so wenig wollen wir euch im Bulli.
Die dicksten Fliegen fangen wir sofort mit Tassen wieder ein, um sie vor die Tür zu werfen, die Kleinen kriegen wir nicht: sie muss das Thermacell später erledigen.

Abendbutterbrot im Sonnenschein, müde vom fahrenden Nichtstun. Es reicht noch für lesen über die Eigenheiten Lapplands, zum duschen eigentlich nicht mehr. Aber es hilft nix, es muss ein!
Irgendwann müssen wir uns also nur noch einmal heute aufrappeln und den Aussteiger mit der Tasse einfangen, damit er uns bitte den Strom anmacht.
Für heiße Dusche – later. Vielleicht hat´s danach im Magicbus auch etwas weniger Fliegen!?