Der Schatz von Runde soll sich an unserem letzten Abend auf der Insel direkt vor uns ausbreiten. Nicht in Form des gehobenen Goldes, sondern in den unglaublichsten Farben, die ein Sonnenuntergang zu bieten hat. Vor einem psychedelischen Meer in pink.

Wäre am Sundowner-Hotspot nicht das immerwährende Schweizer Geschwafel gewesen (das nicht einmal den Sonnenuntergang betraf, sondern –weggedreht von diesem– in Stadionlautstärke um „naturnahe und stille Plätze“ des Landes ging), man hätte weinen wollen vor lauter Schönheit.
Unser heutiger Tag wird zwangsläufig eine Fjordtour par excellence. Um in Richtung Trondheim zu kommen müssen –nach viel Küstenstraße–wir drei Linienfähren boarden.
Auf der ersten treffen wir den zweiten Deutschen, der sich für einen Norweger ausgibt. Genauso wie unser Witzkanonencampingwirt in Bunte, der eigentlich aus der Pfalz stammt und den Platz mit wütenden, deutschsprachigen Zetteln pflastert, um den kloakenartigen Geruch zu rechtfertigen. In sich ein eigensinniges Kunstwerk.
Mit dem angeblichen Norweger, der eigentlich Deutscher ist (seine Frau verrät ihn) und einer Gruppe mopedfahrender Zahnärzte aus Pinneberg boarden wir Boot Nr 1.
Keiner von uns hat eine Ahnung, wie man diese Dienstleistung bezahlen kann, denn niemand kommt kassieren und wir finden keinen Ansprechpartner.
Auf Boot 2 wird eine Webpage angeschlagen auf der steht: man zahlt die Fähren per Rechnung oder App, die Autokennzeichen würden digital eingelesen.

Auf Boot 3 haben wir immerhin schon einen Account – aber noch immer keinen blassen Schimmer, wie teuer eine Überfahrt nun ist. Bis zur Antwort müssen wir anscheinend noch ein bisschen warten. Spätestens, wenn im Herbst das Inkassounternehmen bei uns klopft, wissen wir es wohl.
Diese Fjorde sind schlichtweg unglaublich. Zerklüftetes Land, Wind, Wasser und Berge, einsame Inselchen im Nichts. Landfransen verbunden nur durch zahllose Brücken und unzählbare, kleine Fähren. Boote, die ausnahmslos nach Brühwurst riechen, deren Kaffee man nicht empfehlen möchte. Aber der Kakao ist super.
Diese Landschaft so zu fotografieren, wie sie auf einen wirkt, ist ein aussichtloses Unterfangen. Wo auch immer man den Kopf hindreht, zeigt sich ein neues Fotomotiv. Eindrücke, die sich in ihrer Gesamtheit nicht ablichten lassen. Es sind nur die Details, die man einfangen kann. So wie dieses – das Schönste des Tages. Stand plötzlich einfach auf der Wiese nahe des Straßenrands: unser erster, norwegischer Elch.
Auch wenn er nicht unser allererster Elch im Leben ist, fällt das Freudenfest, ihn sehen zu dürfen, nicht milder aus. Ein wunderschöner, halbstarker Elchbulle. Auf ein fröhlich gerufenes „Hej!“ hebt er seinen schweren Kopf und starrt uns neugierig an. Das aufgeregte Zuwinken aber wird ihm anscheinend zu bunt und er galoppiert von dannen, ins Dickicht davon. Bis zum nächsten Mal, König der nordischen Wälder! Es ist uns ein Vergnügen gewesen.
An der Marina von Kyrksæterøra (bitte merken, wird später abgefragt) parken wir für die Nacht ein, nachdem wir eine handvoll norwegische Kronen in einem (aus dem Infoblättchen eines katalanen Campingplatzes) selbstgebastelten Umschlag versenkt haben. Den gutbetuchten Wohnmobilisten hoch zu Rosse kommt der kleine Schmuddelbulli anscheinend nicht sehr gelegen: vielleicht liegt es an unserer Außenküche!? Aber unsere direkten Nachbarn sind freundlich. Und das ist ja schließlich das Wichtigste.
Mit Blick aufs Fjord und Hafen dürfen wir heute schlafen. Ein Satz so poetisch wie das Foto, das uns unsere Nachbarn etwas später dann noch liefern:
Ein norwegisches Paar in kurzen Hosen im Nieselregen mit einer Flasche Wein vor Fjord.
So, Sportsfreunde, geht Hochsommer in Norge.
Tak für dieses symbolisch-schöne Bild!



















