Zwei Tage verbringen wir in dieser unfassbaren Szenerie, die nur von Göttern oder Trollen geschaffen sein kann. Im kalten Nebel, der über dem Fjord hängt, wandern wir donnerstags auf den einen Berg, um am Freitag im Sonnenschein auf den nächsten zu steigen.
Donnerstags liegt Dunst über dem Fjord.
Auf nassem Fels glitschen wir bergauf und bergab, eine halsbrecherische Aktion. Nur die Johannisbeeren am Wegesrand retten uns durch dieses Abenteuer und der Blick vis-s-vis aufs Dorf, der für alle ausgestandenen Ängste entschädigt.

Vorbei an Schäfchen, die unterm Wasserfall grasen und behangenem Apfelbaum unter Kirche.

Im Donnerstagdorf ist nicht allzu viel los, wir checken die Trolleinkaufsmöglichkeiten zwischen tief stehenden Wolken, während eine schwedische Männergruppe neben uns die Partyzeit einläutet.
Am nächsten Tag, Freitag, ist plötzlich Sommer. Wo auch immer der auf einmal herkommt!? Über der ersten Fähre zieht der Nebel ab und macht einer nördlichen Julisonne Platz. Die Luft riecht vollkommen verändert an diesem Morgen: sommersonnenaufgangskühl mit einem Hauch von Meer – eine Frische, die ich selten so gerochen habe. Ein Aufbruchsgeruch, ein heilender, ein olfaktorisches »Da geht noch was«, das durch die Haut geht. Und unter.
Nach einem obstlastigen Frühstück sind wir bereit für kleine Fußtaten, bereit für einen echten Ortsrundgang.
Am grandiosen Wasserfall in unserem Rücken beginnen wir auf griffigen Stufen bergan. Donnerndes Wasser brettert den steilen Fels bergab, das sich am Magicbus erstaunlich besänftigt in den Fjord ergießt. Sonnenglitzer auf Schaum und Regenbögen auf den Kronen. Warum auch immer wir ihn nicht in der Totalen fotographieren, wissen nur die Trolle.
An der Kirche des Orts –leider geschlossen für die Globetrottels– gibt’s die Postkartenaussicht hinein in den Fjord.

Die Hurtigruten schiebt sich soeben in den kleinen Hafen und kündigt –im Echo tutend—ihre Ladung an: „Geschmuggelter Snaps ist da,“ das Pilotboot hat nun durstige Eile zum Andocken.
Am Hafen schießen wir ein Foto mit Troll neben einer schlafenden Inderin, die die Umgebung anscheinend umgehauen hat.
Eine norwegische Dame ruft uns zu: „Das reiben der Nase bringt Glück,“ also schubbern wir als nächstes den Gumpel. Neben Trollhäuschen, in die nicht mal die Nase gepasst hätte.
Im großen Tourishop erliegen wir der Liebe und unserem guten Geschmack.

Ein weiteres Wesen schummelt sich erst ins Herz und dann ins Globetrottelsteam. Wir taufen ihn auf den Namen „Spillopp“, ab nun Familienmitglied und zuständig für den Bereich „magische Begebenheiten“ rundherum um den Magicbus.
Den restlichen Tag spielen wir mit allen anderen Menschen in Geiranger gemeinsam Sommer:
Eis essen im Sonnenschein, mutige Kinder beim Baden im Fjord anfeuern, bis zu den Waden schaffen auch wir es ins eiskalte Wasser, um beinahe auszurutschen.

Erdbeeren am Nachmittag, die nächste Fähre verlässt weich schwankend den Hafen, die Schafe auf den Steilwiesen hinter uns blöken, um letzte Bestellungen für das Postschiff aufzugeben.
Menschen in Badedress, Summervibes im Fjord. Das erste Mal wieder seit Dänemark.
Wie es sich für einen Sommerferientag gehört, passiert heute nicht mehr viel.
Nur einmal noch –kurz vor Outdoorkatastrophenküche: ich brenne fast den Campingplatz ab– schrillt unsere NINA-Warnapp: Achtung, Achtung! Stromausfall in Bonn. Und Spillopp grinst verwegen.
“Spillopp, lass es sein! Nur um den Magicbus herum, haben wir gesagt.“ Und dabei ganz vergessen, dass das –genau genommen—auch die ganze Welt sein könnte. Und Spillopp zwinkert.
„Um den Magicbus herum die ganze Welt. Zu Hause überall!“, trollt es unter langer Nase.
Wir spüren: wir haben uns genau den richtigen Player ins Team geholt.














