Wie immer im Leben der Globetrottels ist der nordische Wettergott gnädig mit uns: im Trockenen packen wir ein. Der Sturzregen beginnt erst bei Abfahrt und dauert just bis zu dem Moment, an dem wir an unserem heutigen Tagesziel wieder einparken. Hoch lebest Du, großer Thor. Womit auch immer wir das verdient haben…

Unser Weg führt uns über eine verregnete Hochebene, die irgendwann zur Passtraße wird.
Gigantische Berge mit schneebedeckten Gipfeln, Sturzbäche aus den Steilwänden, baumlose Weiten, Seen und Flüsse – unzählbar. Das wetterbeständige Grau und die tiefen Wolken malen diese Gegend noch magischer, als sie es ohnehin schon ist. Eine Schönheit, die ans Unbegreifliche grenzt, für die es keine Worte gibt.

Gestern noch dachten wir, dass Norwegen möglicherweise mit unserer Schwedenliebe nicht ganz mithalten kann. Heute sind wir zweifelsohne eines Besseren belehrt.
Sollte es in dieser Gegend jemals zu regnen aufhören, kann er nur so aussehen: der Himmel.

Wir rollen durch das Örtchen Lom: ein alpin anmutendes Dorf mit Holzgesicht in norwegischbraun. Im Zentrum steht eine der größten erhaltenen Stabkirchen des Landes: die „Lom stavkyrkje“, erbaut 1158.

Bereits beim Anhalten ist es uns ein Rätsel, warum wir eigentlich nicht reingehen in dieses imposante Bauwerk? Der Regen wird es nicht sein, irgendetwas Unbestimmtes zieht uns weiter.

Über einen nächsten Pass schrauben wir uns wieder hoch, um uns 20 Kilometer vor unserem Tagesziel eine fast lächerlich atemberaubende Straße wieder herunter zu schrauben: der Anfang des Trollstigens nach Geiranger.

Wahrlich kein Geheimziel, gilt der UNESCO geschützte Fjord doch als einer der schönsten weltweit. Wir rechnen daher nicht damit, zur Hauptreise überhaupt noch ein Plätzchen auf dem Camp im Ort zu finden.

Mit dem letzten Tröpfchen von oben melden wir uns an der „Resepsjon“ des Campingplatzes – wenig hoffnungsvoll und trotzdem grinsend wie Honigkuchenpferde. Weil alleine die Umgebung so unfassbar schön ist, dass es bereits ein Gewinn ist, überhaupt angereist zu sein in diese Szenerie. Weil die Fahrt an und für sich schon endlos beschenkt hat, dass man mehr nicht wollen kann.

Die enthusiastische Rezeptionistin begrüßt uns mit einem strahlenden Lächeln: Ja, es gibt noch Platz für uns. Wenn wir möchten: den allerletzten direkt am Fjord.
Ob wir möchten?!? Als nächstes möchte ich vor allem erstmal weinen vor Freude!

Den Rest des Tages lassen wir diese gigantische Welt einfach auf uns wirken. Möwen kreischen über uns, vor uns schwimmt einmal die Hurtigruten durch den kleinen Hafen und eine Fähre legt ab ins ruhige Fjord, während hinter uns riesige Wasserfälle ins Tal donnern.

Und beim Kaffee weiß ich plötzlich, welches Unbestimmte es war, dass uns magnetisch weiterzog.

Es war dort oben jemand, der uns das Plätzchen freigehalten hat bis zum Schluss. Weil die Verbindung zur Regenbogenbrücke hier –in Geiranger– um so viel deutlicher ist, als in irgendeiner Kirche.
Selbst der in Lom.