Am Morgen wird um uns herum jongliert, geturnt und Einrad gefahren. Der Jugendzirkus ist schon lange wach oder noch immer, wer weiß es genau!? Wenn einem Keulen beim ersten Kaffee um die Ohren fliegen weiß man: es ist Zeit weiter zu fahren. Ab gen Dänemark.
Die erste Grenze unserer Reise passieren wir noch vor Mittag, der Zollbeamte weist uns anhand einer explodierenden Handbewegung darauf hin, dass ab nun Tagfahrlicht gilt, ein entgegen knatternder Bulli winkt fröhlich. Velkommen til Danmark – bei den glücklichsten Menschen der Welt!
Unser erster Anlaufpunkt im Land der unendlichen Hyggelichkeit ist Ribe: älteste Stadt des Landes mit ebenso ältester Domkirche und einem Kopfsteinpflaster, das seit 1100 Jahren unverändert zu Füßen der Ribenenser*innen liegt.

Ansgar von Bremen, der angebliche „Apostel des Nordens“, gründete 860 hier die erste Domkirche Skandinaviens – den heutigen Dom. Und was für einer…

Mittendrin im kirchlichen Mittelalter Ribes, zwischen Heiligenbildchen und Taufbecken, prangern trollartige Fresken, Glasfenster und Mosaike. Hier hat ein Träumer gewerkelt: Bunte, nordische Koboldträume in die Apsis gezaubert.
In die pittoresken, alten Gassen haben sich mittlerweile hippe Café und hyggelige Designläden gemogelt. Bunt verzierte Türen starren still auf einen kleinen Hafen, der vom Meer nur noch träumt, in der Gracht schaukeln Touristenbötchen, ein zauseliger Hund bellt Passanten hinterher.

Ribe riecht süß. Nach Waffeln und Softeis, der Odor des Meeres ist gänzlich abgeweht, hinweg über einen leidenschaftlich bimmelnden Kirchturm, der von einem Jediritter bewacht wird.
Wir finden Gabeln in einem schicken Haushaltsladen. Gut, da wir unsere aus unerfindlichen Gründen nicht eingepackt haben. Daneben winkt ein bunter Teeladen, auch in den müssen wir rein. Weil Ribe unbekannte Sehnsüchte weckt. Nach Besteck und Tee und einem Moschusochsen aus Plüsch…
Wir hätten uns das 10-minütige Zögern vor dem bunten Regal sparen können. Genauso wie das fünfminütige Streicheln und Halten, genauso wie den erneuten „Ich denk nochmal drüber nach-Gang“ um den Block. Es war von Anfang an klar, dass die Liebe siegen würden.

Am 24. Juni 2024 um kurz vor drei wächst das Globetrottels-Team um ein weiteres, sehr wichtiges Mitglied: Velkommen i familien, Brutus! Es ist schön, dass Du ab nun mit uns mitreist, knuffeligster Moschusochse von Welt, ein Globetrottel der zweiten Minute…
Da wir Brutus an seinem ersten Tag bei uns nicht allzu sehr schocken wollen, entscheiden wir uns für die Nacht gegen den asphaltierten Parkplatz vor den Toren der Stadt. Einen Kilometer weiter gibt es einen Fischteich mit Rasen, an dem ein Moschusochse artgerecht grasen kann. Die Entscheidung also fällt nicht schwer: Alles für Brutus! Auf zum Tümpelchen.
Die nette Dame an der Rezeption hat noch ein „Quick stop“-Plätzchen für uns direkt am Wasser.

Unverbaubarer Teichblick im Sonnenschein. Am Rande stehen maulfaule Alte und halten Angeln ins trübe Wasser. Eine Möwe fliegt vorbei, um mit einem untoten Fisch zu kämpfen: vergeblich. Das Schuppentier geht mit 1:0 aus der Begegnung hervor, kopfüber.
Beste Nudeln blubbern und könnten nicht besser schmecken als mit grobem Parmesan und gerösteten Pinienkernen. Ein zerknitterter Däne springt in den Magicbus, um das Geheimnis der Schlafkoje zu lüften. Alle Angler gehen leer aus.
Und am Rande der Szenerei steht still ein plüschiger Moschusochse, der zum zweiten oder dritten Mal das frische, grüne Gras kaut. Langsam und genüsslich. Er hat die Ruhe weg. Er weiß, dass er endlich dort angekommen ist, wo er immer hin gehörte: zu Hause.










