Unterwegs nach Pitres. Unterwegs in Geschichten der Vergangenheit.
Auf einer ersten Liebesreise sind wir vor elf Jahren hier gewesen: bei Herrn Ludet in einem Appartement oberhalb des Dorfs.
Damals waren wir erstmal hinfort geblasen: von den Ausblicken, von den Wildblumenwiesen. Wir haben ein Feuer gemacht, während die ganze Welt schon wusste, dass wir das Traumpaar des Jahrhunderts sind. Wir aber waren noch gefangen in Wildblumenträumen und haben es noch nicht gemerkt.
Das zweite Mal waren wir vor acht Jahren hier. Am Ende einer bombastischen Hochzeitsreise. Aus Nepal zurück kommend mit dem größten Haufen an Schrottkarre, die die Welt je gesehen hatte. Weihnachten alleine auf dem Campingplatz, mit uns war nur noch Rudi da: der coolste Wildhund der Erde. Und wir waren sicher, dass das Unglück der Welt uns niemals erreichen würde.
Heute laufen wir zu Fuß ein. Von Capileira kommend, eher schaukelnd. Es ist ein wunderschönes Wiedersehen. Auch wenn Rudi nicht mehr zu finden ist. Er hat hoffentlich noch traumhaftere Gefilde gefunden, um sein bestes Hundeleben zu leben. Immerhin streunt sein Bruder noch durch den Tante Emma Laden.
Diesmal bleiben wir zwei Nächte. In unserem Plastikzelt, in sternenklaren Nächten, die eiskalt sind, unter einem Himmel, der noch immer Unglück verneinen wollte. Wir möchten es ihm auch diesmal glauben. Wider aller Erfahrungen und Zeitungsberichte.
Der Ort ist noch immer zaubersüss. Einen Tag ist Markt, am anderen wird ständefrei gelebt. Jemand spielt Livemusik, Tapas für jeden. Am zweiten Abend weiß der Wirt, dass wir kein Fleisch essen und die Dame im Café serviert uns „Bocadillos como ayer“. Als wären wir nie weg gewesen.
Pitres. Zum dritten Mal. Deswegen gibt es am Abend ein Abschiedsbierchen. Vielleicht weil man gehen sollte, wenn’s am schönsten ist. Weil aller guten Dinge eben drei sind.
Eines aber bleibt gewiss: Pitres, dieser unscheinbare, weiße Ort —mitten in den Alpujarras— hat sich tief in unser Herz geschlichen. Quasi: hingeliebt.
Ein Ort, der an so vielen Orten sein könnte. Hineingeliebt. Wird dieser Teil des Herzen nie mehr sterben.
Pitres. Ein weiterer Schicksalsort in einer Herzensammlung, die nur noch größer werden kann.










