Diese Fersen fordern eine Pause.
Diesmal ernsthaft und diesmal wissen wir, dass es durchaus schlau ist, ihnen aufmerksam zuzuhören.
Statt den nicht existenten GR7 an irgendwelchen Hängen heute weiterzulaufen, bleiben wir einen Tag in Pampaneira: mit einem Örtchenrundgang als Maximum für die Füßchen. Fersenwellness an einem Montag. Ausnahmsweise schlau.

Tatsächlich tun wir heute wirklich nicht mehr, als zweimal durchs Dorf zu schleichen. Einmal im Mittags- und einmal im Abendlicht.
Eine Bergszenerie, die es an einigen Ecken (und mit etwas Phantasie) mit Santorini aufnehmen könnte. Nur ohne Mühlen und Meer und in einem anderen Land. Quasi: andalusisches Santorini für Arme am Rande der Sierra Nevada. Mit lustigen Schornsteinen.
Und wir essen.

Morgens bedienen wir uns am ausladendsten Frückstücksbuffet, das wir seit langem gesehen haben:
Neben 5 Torten, siebzig eingeschweißten weiteren Süßigkeiten, Brot und Gazpacho, Müsli und Joghurts gibt es dutzendweise, plattengewordene Wurstliebhaberträume. Und traumhaften Käse — in Olivenöl schwimmend.

Mittags finden wir ein Terrassenrestaurant, das tatsächlich mehrere, traditionelle Alpujarrasgerichte auf vegetarisch und/ oder vegan übersetzt hat. Unglaublich: wir haben die Wahl zwischen acht (!) verschiedenen Gerichten. Ein Wunder in einem Dorf, das für seinen Schinken berühmt ist.
Wir entscheiden uns für Fencheleintopf und ein unbeschreibliches Bohnengericht, in dem man auch baden wollte. So lecker ist das.

Nachmittags gibt’s Chocolate mit Churros. Die Schokolade so dick, dass der Löffel aufrecht in der Tasse stehen bleibt, die Churros so fettig, dass es von den Finger tropft.

Abends nehmen wir am Sozialleben der Bar teil. Die Touristen sind für heute weiter gezogen, die Alten des Dorfs haben ihre Plätze bezogen. Die Enkel des Wirts springen über das Kopfsteinpflaster mit schmuddeligen Hosen und haben ihre Freunde mitgebracht. Ein spanischer Harvey Keitel führt lebenswichtige Telefonate und übersieht dabei sträflich die rothaarige Schönheit an seinem Tisch, während der Schinken auf unsere Tapa unberührt vor sich hin verwest.
Mit steigendem Abend wird auch der Pegel immer lauter, beim zweitlautesten Völkchen der Welt, irgendwann ist der Hund unseres Tischnachbarns der einzige, der noch einen Überblick über die Gesamtsituation behalten kann.

Ein Fersenwellnesstag in Pampaneira. Unerwartet und gut.
So kann’s morgen weiter gehen.