Einmal quer durch die Mitte Spaniens. Bis Granada sind es —von Madrid aus— viereinhalb Stunden Busfahrt. Alleine die ein kleines Abenteuer. Wie „Interrail, 25 Jahre zu spät“ — und nur Trampen (oder laufen) wäre günstiger.
Für 25€ fahren wir also in die Sierra Nevada. Meist vorbei an Olivenbäumen so weit das Auge reicht. Unglaublich, würde man das Alter aller zusammenzählen. Wenn Olivenbäume erzählen könnten…

Wir landen in einer der schönsten Städte der Welt passend zur Siestazeit. Beziehen ein lustiges Appartment mit eindeutig zu vielen Treppen. Noch immer lassen solche sich nicht schmerzfrei begehen. Vielleicht bleibt dieses Phänomen ab jetzt ja für immer!? Ein Jakobsweg-Abschied-Pieksen in den Fersen, immer wenn’s bergab geht. Archillissehnensouvenir. Ab jetzt treppab halt nur noch Stufe für Stufe mit beiden Füßen nebeneinander. Und immer schön schräg aufgesetzt, während die Schwalbem mitten im Zimmer brüten.

Die nächsten zwei Tage lassen wir uns einfach treiben. Leider ohne auszuschlafen, da vor unserer Tür eine Grossbaustelle jeden Morgen ab 7h tobt, dafür aber wohnen wir einigermaßen kostengünstig kurz vor der Alhambra.

Die Alhambra. Natürlich bekommen wir keine Tickets mehr. Diese sind für den nächsten Monat komplett ausgebucht. Ganz kostenlos aber ist der Blick auf eines der schönsten Bauwerke dieser Welt von der Altstadt aus. Den tun wir: tags und nachts. Weil man sich an den Alhambra nicht sattsehen kann.

Catedral de Granada.
Unser 184. heiliger Ort. Kostet natürlich auch Eintritt, es hat —im Gegensatz zum Maurenpalast— noch Tickets, die wir aus reiner Boniertheit wie eh und je natürlich nicht bezahlen. Stattdessen schieben wir uns mit massenweise anderen Touristen lieber durch die Altstadt und über den alten Basar.

Essen.
Wir futtern in diesen zweieinhalb Tagen wie die Scheunendrescher. Was bereits in Pamplona begann, führen wir hier knallhart weiter. Jeden Tag sitzen wir in einem anderen vegetarischen Restaurant und futtern uns durch die Tagesmenüs. Mal veganen Burger, mal Tikka Masala, mal Seitan auf Reis — ganz ohne Omlett.
Nebenbei gibt es Eis auf die Hand und gefrorenen Joghurt. Und wieder Eis und Empanadas auf der Hauptplaza und dann wieder Eis. Zu erwähnen, wie einfach es uns Touristen hier gemacht wird auch sprachlich. Weil jeder hier englisch spricht, falls man mit seinem rudimentären Spanisch nicht mehr weiter weiß.

Irgendjemand spielt spanische Gitarre, zwei Frauen tanzen Flamenco, irgendjemand klatscht rhythmisch. Andalusien, 27 Grad und Sonnenschein.

Trotz aller Stadtschwärmerei schaffen wir es heute trotzdem, uns in einem Bergabenteuer zu verlieren. „Mal eben die Alhambra vom anderen Gipfel aus beobachten“, auf der Karte sind tatsächlich Wege verzeichnet, also stiefeln wir am Morgen los.
Kraxeln höher und höher: irgendwann liegt uns die Alhambra zu Füßen. Entzückt, immer an den Wildblumen entlang denkt leider niemand daran, dass man von diesen steilen Wegen irgendwann auch wieder herunter muss…
Wir laufen den Kamm einmal in der größten Mittagshitze entlang —natürlich ohne Wasser— bis zur eingezeichneten Straße. Die gibt es tatsächlich: leider unterhalb eines 4 Meter-Steilhangs aus bröseligem Gestein, an dem wir ausgesetzt und fassungslos zum stehen kommen. 90 Grad Gefälle, Drop-off auf allen Seiten. Wie schön, dass ich zumindest in Situationen wie diesen merke, dass ich eigentlich Höhenangst habe.
Machen wir es kurz: mit viel Gefluche, Angst in den wackeligen Knien und gänzlich ohne Alternative (wir testen zwei weitere Trampelpfade, die ebenso an Drop-offs enden) schlittern wir nach eineinhalb Stunden erfolgloser Suche den gleichen Geröllhang wieder herunter, den wir initial so abenteuerlustig hochgelaufen sind ohne runter zu schauen.

Eine sehr gute Lektion für die nächsten Wanderungen in der Sierra Nevada, die ab morgen starten.
Merke 1) Hoch ist so viel leichter als runter. Nicht nur im normalen Leben, sondern vor allem an gerölligem Berg.
Merke 2) Wenn Du irgendwo hoch gehst, frage Dich vielleicht vorher mal, ob Du im Zweifelsfall diesen Weg auch wieder runter kämst.
Merke 3) Bevor Du hoch euphorisch in potentiell gefährliches Terrain vordringst, einfach mal überlegen, ob Du was zu trinken brauchen könntest. Bei 27 Grad kann der eine oder die andere schon mal durstig werden….

Am Abend sitzen wir auf unsere kleinen Dachterrasse. Die Schwalben fliegen tief um die Zypressen und veranstalten großen Rabatz, bevor sie sich unter unserem Dach irgendwann wieder schlafen legen werden.

Granada, Du wundervolle Perle. Mein Herz. Es gibt nicht viele schönere Orte als Dich auf dieser Welt.
Wie schön, dass wir endlich hier sein durften. Auch wenn der Flamenco —mit Jakobswegfersen— noch etwas warten muss.
spanische Gitarre faded leise aus