Der heutige Blog ist flott geschrieben. Weil wir die Hälfte der geplanten Dinge einfach nicht gemacht haben. Das hat einzig und alleine mit Texas selbst zu tun.

Unser erster Anlaufpunkt ist die „Cathedral of junk“: heute geschlossen. Damit hat sich dieses Thema schnell erledigt. Keine Schrottkathedrale für uns und weiter.

Das zweite Thema hat damit zu tun, dass ich mir leider selbst widersprechen muss. Ich tue es ungern, aber es geht leider nicht anders.
Gestern noch schrieb ich, dass der Verkehr in Texas gar nicht so schlimm sei. Heute nehme ich das absolut ausnahmslos wieder zurück.
Gestern war Sonntag, heute ist Montag: scheinbar in Austin ein „Fuck you all“-day, aggressivste Form des „Monday blues“ – das Blatt hat sich gewendet.
Auf den ersten fünf Kilometern nach der „Cathedral of junk“ werden wir angehupt, abgedrängt, gedrängelt, geschnitten – mehrmals als mehrfach. Riesige Pickups hängen –trotz freier Fahrbahn und mehreren Spuren– an unserer Stoßstange, scheren knapp aus und noch knapper wieder rein – nötigend, vollkommen unnötig und mit ausschweifenden „Arschlochgesten“ – so viele in so kurzer Zeit haben wir noch nie kassiert.
Es ist ja nicht so, dass wir (oder vielmehr Chouchou – da darf ich mich nicht mit fremden Federn schmücken, denn wenn´s auf den Straßen eng wird, muss Chouchou ran) in den letzten Jahren wenig Kilometer auf unterschiedlichsten Straßen gesammelt hätten. Wohl eher im Gegenteil.
Chouchou hat uns durch Rom und Paris im Feierabendverkehr kutschiert. Gemeinsam sind wir durch Teheran, durch Mumbai, durch Dubai, durch Istanbul, durch Delhi und selbst Haryana gefahren. Aber niemals, wirklich nie, haben wir so offensiv aggressive Autofahrer erlebt wie hier in Texas.
Kurzum: es macht keinen Spaß. Und bevor uns die Aggression ansteckt, entschließen wir uns noch auf dem Highway in die City rein, dass Austin uns mal kreuzweise kann.
Womit auch immer dieses Verhalten auf der Straße zu tun hat: es ist zutiefst unsympathisch.
Möglicherweise schmeckt den Leuten unser unbekanntes Nummernschild nicht? Vielleicht halten sie es für ein mexikanisches? Möglicherweise hat jemand zu viel Testosteron getankt? Whatever – es macht es nicht besser, sondern noch abstoßender.

Bevor wir aber zum Campground zurück fahren und Texas als abgehakt erklären, gibt es noch zwei Dinge zu erledigen.

  1. Die Blinkerreparatur unserer „Cathedral of junk“, dem Magicbus. Das machen wir routiniert auf dem Parkplatz eines mexikanischen Supermarkts. Und nein, ein kaputter Blinker ist nicht die Rechtfertigung für das assoziale Fahrverhalten, denn auf der Straße tat er noch.
  2. Bevor wir Texas verlassen, brauche ich noch Cowboyboots. Als Stellvertreter für irgendetwas Nettes, das dieser Staat vielleicht doch zu bieten hat.

Nach einem Eiskaffee in der hippiesken Shoppingmall am Stadtrand sind wir bereit für „Cavender´s Boot City“: Fachladen für Cowboy und –girlbedarf.

Es braucht 27 verschiedene Cowboystiefel bis ich erkenne, dass ich mich mit den Tretern einfach nicht identifizieren kann. Egal wie oft ich sie wechsle. Mit Lederjacke, Bluse und Hut aber geht das schon. Howdy – ein nachgezogenes Geburtstagsgeschenk und eine Stundenaktion –Schuh an und aus, Bluse an und aus, Jacke an und aus, Hut auf und ab.

Chouchou dient die ganze Zeit netterweise als braver Kleiderkaktus, den Shoppingtrip mit geduldigem Sanftmut erduldend.

Da die Stimmung –neu gekleidet—nun wieder etwas besser ist, macht es nichts, dass das Tanken so kompliziert wird. Im sechsten Anlauf schaffen wir es – zwar nicht bei den zwei Säulen der Shell, die wir testen und deren Tankwartin ich nun beim Name kenne– aber beim Billiganbieter um die Ecke. Immerhin. Jetzt können wir auch noch die McKinnley Falls anschauen, wenn wir schon mal da sind, und weil man dafür auch nicht mehr auf die Straße, sondern nur ums Eck auf dem Campground muss.

Die McKinnely Falls erwähne ich nun nur, da sie der Vollständigkeit dienen. Ansonsten hätte ich sie weggelassen. Endlos viele Verbotsschilder (kein Picknick, kein Glass, keine Schoßtierchen im Pool, kein Alhohol…) vor einer Pfütze Wasser, die über Stein fällt. Das Beste sind die Schildkröten, die leider zwischen Müll dösen müssen. »Littering« ist laut Schildern nicht verboten.

Es bleibt aber ein Mysterium, warum so viele Besucher da sind. Anyway, wir waren es ja auch. Vielleicht wegen der Bäume mit Füßchen im Wasser.

Den Rest des Tages verbringen wir im Dunstkreis des Magicbus. Kochen mit Cowboyhut unter freiem Himmel, Cowgirl-Modenschau (der Rock aus Tombstone stellt sich leider als Fehlkauf heraus), Kaffee trinken, Feuerchen vorbereiten.

Das Beste, was wir heute noch tun können ist das: Feuerchen vorbereiten. Damit Chouchou aufatmen kann, wenn die Scheite aus Oregon endlich wegglühen. Er wartet seit Wochen schon darauf.
Wenn´s dann ordentlich brennt, holt er vielleicht die Mundharmonika raus und spielt uns das „Lied vom Tod“. Und dann verbrennen wir sie feierlich: alle Straßenkarten von Texas.
Weil wir, wenn wir morgen hier raus sind, sicher niemals mehr wieder kommen werden.