Tschüss, Karl der Kaktus, wir ziehen weiter, quer durch Tucson, was für ein sympathisches Großstädtchen, 40 Meilen südwärts unser ersehntes Besichtigungsziel: Biosphere 2.

Guckst Du hier: www.biosphere2.org

Ausnahmeweise trudeln wir mal bestens vorbereitet hier ein, seit zwei Tagen lesen wir T.C. Boyles »Terranauten«, der Klappentext sagt aber eigentlich schon alles:

In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. [...] T.C. Boyles prophetisches und irre komisches Buch, basierend auf einer wahren Geschichte, berührt die großen Fragen der Menschheit 

So ganz präzise ist Boyle hier zwar nicht, in den 90ern war’s aber eine ganz große Sache, hieß aber nicht »Ecosphere« sondern »Biosphere 2« (Biosphäre 1 ist die gute alte Erde). Zwei Jahre hatte die erste Besatzung hier tatsächlich (fast) komplett isoliert durchgehalten, bis endgültig Sauerstoff, Nahrung und Nerven ausgingen – die zweite Crew hielt dann noch ein halbes Jahr durch – ein gewaltiges ökologisches, technisches und psychologisches Experiment…

Und das Ding gehört heute auch keinem größenwahnsinnigen Ölmilliardär mehr sondern der University of Arizona, und die machen hier mittlerweile richtig gute Wissenschaft zum Thema Überleben, wenn die Erde kippt.
Und Chérie vergisst vor lauter Staunen das Knipsen…

Das ist sie, Biosphäre 2:

Links das Glashaus mit den die 4 Biomen: Ozean, Regenwald, Savanne und Nebelwüste, rechts die Wohnbereiche.

Da drín stecken die vier kompletten Ökosysteme:

Durch die Schleuse gings rein und raus. Oder aber halt zwei Jahre lang auch nicht…:

Und was photographiert Chérie dann doch? Natürlich den Nutzpflanzgarten, da gehts ja ums Essen…:

Viel zu kurz kommt bei aller Ökologie aber der Klatsch und Trasch, darum sind wir doch hier. Boyle läßt sich zwar über hunderte Seiten über jedes noch so schmutzige Zwischenmenschliche Detail aus, wir hätten es aber doch gerne aus erster Hand…

Wohnen tat es sich wohl ganz gemütlich in den TerranautInnenzimmern, definitiv mehr Platz als in Biosphere 3 (der Bulli):

Die Lopgbucheinträge geben auch keine dirty Details preis, da sind wir mit unseren Blogs schon weiter:

Und die ganz große Enttäuscheung: Das Gebäude von Mission Controll dürfen wir erst gar nicht besichtigen, von hier aus wurden die Terranauten rund um die Uhr überwacht, hier wurden die ganz großen Intrigen gemanaged und PR-tauglich ausgeschlachtet:

Ganz ganz beeindruckende Sache das Ganze. Würden wir uns hier zwei Jahre isolieren lassen wollen? Psychiatrie-Erfahrung wäre sicherlich mehr als hilfreich gewesen. Oder wären wir lieber auf der bösen Seite der Macht, Mission Controll, gelandet? Wer weiß.

Dann schon lieber unsere eigene Biosphäre 3, der Bulli, Biotop und rollende soziologische Fallstudie gleichzeitig, und die Globetrottels sind ihre eigene Kontrollstation…

… die vor lauter Begeisterung auch prompt den Blick auf die Uhr vergißt, Einkaufen, noch 60 Meilen gen Osten: Sonnenuntergang. Campingplatz suchen im Dunkeln, auch eine spannende Mission…