Unser warmer Sommermittwoch beginnt mit einem Telefonat, weil der tollste Bruder der Welt Geburtstag hat: Happy Birthday, mein Tops. Du bist der allerbeste Bruder, den ich mir vorstellen kann, ein unglaublich liebevoller Papa und ein lustiges, menschliches Beben – vielleicht geht auch deshalb während des Gesprächs mein Alarm am Handy los: Erdbebenalart in Sacramento! Doch der Boden bleibt still. Es ist also ein Topsalarm aus reiner Geburtstagsfreude.
Um zehn rollen wir los. Frühstück gibt’s beim Starbucks: „Impossible breakfast“ nennt sich dort die vegetarische Variante der frühen Kalorienbombe: Sandwich mit beyond meat, dreifach Käse und sehr viel Ei. Kein Vitamin zu viel, genau genommen: gar keins. Damit geht’s am besten den anstehenden Berg hinauf.
Die rechte Spur ist unsere. Warnblinker an, mit 30km/h im zweiten Gang bergan, der Magicbus kämpft sich auf einem Rappelasphalt, der schwer an Albanien erinnert, tapfer die nördliche Sierra Nevada hoch.

Die Trockenheit nimmt ab, die Straßenränder werden alpiner, eine grünere Welt. Einstweilen ein Bergflüßchen, eine einsame Bergbahn, der Verkehr lichtet sich. Eine Siedlung namens „Dutch flat“ kriecht vorbei: auf 1000 Fuß über Null ist dies möglicherweise der höchste Punkt Hollands, dachte sich ein Lustiger. Und dann kommt „Das Boot“ vorbei – auf einem Hänger.
Auf dem Donnerpass atmen wir alle drei erleichtert aus: Badass-Bulli hat uns tatsächlich knappe 2200 Meter (7227 Fuß) über null getragen. Wenn´s nach Plan läuft, mag dieses der wohl höchste Punkt unserer Reise sein. Wenn´s denn mal nach Plan läuft – gell, Magicbus!? Und dann sind wir auch schon in Nevada.
In Boomtown und Reno, der „größten Kleinstadt der Welt“ oder: „Little Vegas“, gehen wir einkaufen: Proviant für Hunderte Kilometer Großes Becken, das ab hier vor uns liegt: hunderte Kilometer Steppe, Wüste, meist trockenliegende Flussläufe, Canyons, Salzseen. Wir brauchen also Wasser.
Unsere große Wüstentour führt uns heute allerdings nicht mehr sehr weit: noch einmal 1000 Höhenmeter den USA Parkway hoch und wieder runter, an ein paar Wildpferden vorbei und schon sind wir für heute zu Hause. Eine abenteuerliche und surreale Anfahrt – mitten durch die Steppe bis nach Silver Springs.
Am Lahontan Reservoir darf man überall sein Camp aufschlagen. Unseres liegt damit heute direkt am See.

Ein paar Fische veranstalten spektakuläre Luftsprünge – jeder bekommt zehn Punkte—, Bütterkes am See und dann geht die Sonne in unechtem pastell auch schon unter.
Kalifornien ist ein häufig geträumter Traum. Für uns ist Nevada der größere.
Hier, mitten in der Einsamkeit, in einer menschenfeindlichen Umgebung, die unverblümt in den Farbtopf greift, um dann einem endlosen Sternenzelt Platz zu machen ist so viel mehr Raum, um sich klein zu fühlen. Und dann wieder ganz groß.
Weil zwischen Himmel und Erde nicht mehr viel ist…
außer ein paar Kojoten und den Globetrottels.















