Federweiche Matratze, movienight und ein warmes Bad in klimakühlem Raum knocken uns für unschreibbare zehn Stunden aus. Ein erstes Äuglein öffnet sich um 09:02h, das zweite braucht drei Minuten länger, erst dann gehen Augen drei und vier auf, weil der Körper unter Auge eins und zwei Kaffee macht. Aus einer echten Kaffeemaschine.
Die Check-out-Zeit reizen wir bis zum get no aus. Vor der Tür ackern schon emsige, mexikanische Zimmermädchen, wir aber haben Zeit. Der Magicbus ist auch kein Schneller und wir wissen, dass er eh immer gut ist für eine Extrarunde rückwärts. Whoopwhoop. Warum also stressen?
Um zehn ruft Leigh an: anscheinend bestens ausgeschlafen tönt kalifornische Bombenlaune durchs Telefon. „Good morning Joan. Good news!“
The good news an diesem sonnigen Morgen sind, dass die ganze Nummer für uns deutlich günstiger wird, sagt Leigh. Die weniger gute Nachricht ist, dass dies an der neuen Lichtmaschine aus Oakland liegt. Die passt leider auch nicht und ist damit out off the game. Aber don´t worry, sehr wahrscheinlich ist die auch gar nicht das große Problem, denn eigentlich liegt es ja am Spannungsregler und der –the very best news, Joan!– ist schon auf dem Weg ins Mill Valley. Bis Mittag soll er anreisen. Und Tusch!
Dass im Magicbusuniversum nicht alles kreisrund läuft, wundert uns nicht. Am Beachtlichsten an der ganzen Sache ist und bleibt Leighs Gesprächsaufbau: Wie kommuniziert man so, dass die ganze Nummer nach einem Hauptgewinn klingt? Leigh hat es nonchalant drauf, das muss man ihm lassen. Ein Chapeau von unserer Seite aus also weit vor Check-out-Zeit…
Den Mittag verbringen wir am sonnigen Vogelmeer. Dank telefonischem Support und Sonnenschein stecken uns die weißen Miesepeter nicht mit ihrer Laune an. Und dann meldet sich Sunshine-Leigh noch vor der Mittagspause: Van is ready. Wir brauchen keine fünfzehn Minuten, um mit vor Freude bebenden Nüstern bei der Garage anzugaloppieren.
Der Bulli hat nun einen neuen Spannungsregler. In großer Hoffnung, dass der also die Spannung nun auch regelt: die der Batterie und unsere.
Car is safe, we checked it., sagt Leigh und kassiert von uns ein Piepen der Visakarte und eine dicke Umarmung, während an Jesus ein dankendes Amen geht. Beide haben es geschafft, innerhalb von 24 Stunden drei Ersatzteile zu organisieren, zwei davon zweimal ein- und wieder auszubauen und eines reinzufriemeln, das schlussendlich bleibt. Ohne Termin und bei durchweg bester Laune.
I am living in a resort, where everybody is in a good mood, sagt Leigh. Damit soll er wohl Recht haben. Selbst wir können uns ein freudigbehelfsmäßigen Grinsen nicht verkneifen und sind endlich wieder “on the road“.
Mit einem Magicbus, der geliebt wird und fordert. Anders kann man es nicht sagen: Wir haben ihn gern, er nervt aber auch.
Für uns geht es weiter gen Inland. So schön die kalifornische Küste ist, so teuer ist sie auch. Der Ruf der Wüste tönt die Sierra Nevada hinab, dem folgen wir in Richtung Sacramento, der Pony Route entlang wie Buffalo Bill.

Sacramento. Heiße und trockene Hauptstadt Kaliforniens, 525.000 Einwohner, 16% leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Straßen voll, die Felder verdörrt, der Wassermangel weithin sichtbar. Uns hält hier nichts auf – außer ein dringender Pipistopp (gar nicht mal einfach) und ein Eis (sehr einfach). Danach sind es noch 9 Minuten bis Sunrise.
Diese Nacht werden wir wieder auf der harten Bullimatratze verbringen. Unsere Rücken werden uns danken.

Am Stausee von Folsom ist nicht viel los: zwei SUP-Ruderer, ein Langhaariger im trockenen Gras, meditierend, ein Radfahrer mit Maske aus Schlesien, ein freundlicher Bärtiger, der grüßt als würden wir uns nach Jahren endlich wieder sehen.

Die Zirkaden besingen eine warme Nacht, im Unterholz klappern die Klapperschlangen, flotte Hörnchen huschen über gelben Stein.
Wir sind wieder unterwegs. In Richtung Wüste, in Richtung sternenklarer Nacht. Raus aus dem dichtbesiedelten Kalifornien, nach Osten gen einsames Nevada.
Mit einem neuen Spannungsregler, der hoffentlich sein Wort hält: die Spannung in die korrekte Richtung zu regeln.
Nicht zu viel, nicht zu wenig.
Zwischen Reisealltag und Abenteuer – in einer goldenen Mitte.











