Auch wenn wir es am liebsten ignorieren wollten, muss es heute dran sein: das rote Licht im Amaturenbrett. Seit Tagen unter „ferner liefen“ mitgeschleppt, kann selbst eine der schönsten, buntesten und wildesten Städte der Welt es irgendwann nicht mehr aufhalten: den ersten Werkstattbesuch in den USA.

Im Mill Valley, kurz vor San Francisco, hausen die “Masters of european and japanese cars”. Wir sind so schlau und rufen nicht vorher an, denn zwei traurig dreinblickende Globetrottels –kratzend am Werkstatttor– lassen sich schwerer abweisen – darauf bauen wir.

Um elf rollen wir auf den Hof und Leigh spurtet sogleich heran. Er kennt zwar viele amerikanische Eurovans (in Kalifornien fahren so viele T3s als hätte Volkswagen eine geheime Geburtsmaschinerie irgendwo unterhalb des Hippie hills) , einen deutschen Bulli hat er allerdings noch nie gesehen: „Oh Diesel. Never seen. What kind of engine is that: AAB!? Never heard. Let´s have a look anyway.“
Eigentlich wäre der nächste verfügbare Termin am Donnerstag. Wenn da nicht diese zwei sehr traurig dreinblickenden Globetrottels wären…
Also lässt Leigh uns heute noch auf die Bühne nehmen, unter die magischen Hände von Jesus, dem für den Magicbus verantwortlichen Mechaniker.

Während wir uns im Park mit Kalorien aufsättigen, den Monarchenfaltern hinterher schauen, uns über rote Früchte wundern, über bunte Schilder freuen und durch das wohlbetuchtete Vorörtchen schlendern (sehr teure Häuser mit sehr exzessiver Halloweendekoration) bestellt Neilgh bereits eine neue Lichtmaschine. Leider die falsche, wie sich am Nachmittag herausstellt, aber der Wille zu helfen ist enorm: Lichtmaschine Nummer 2 wird direkt im Anschluss aus Oakland geordert.
The bad news are, dass der Bulli nun leider schon zerlegt ist: heute fährt der Magicbus also nirgendwo mehr hin. Die Globetrottels dürfen sich ein Hotel gönnen.

Wir wählen das billigste am Platz, 3 Kilometer zu Fuß durch den Vogelmeerpark, an dem sich Schöne die Lunge aus dem Laib joggen und Hippe auf selbstfahrenden Einrädern tief durchatmen. Langbeinige Kraniche, freche Pieper und die schlechtgelauntesten Weißschnäbel Kaliforniens mittendrin.

Die Muir Woods Lodge liegt an der Hauptstraße, die wir schleppenden Birkenstockfußes in Windeseile überqueren müssen, ansonsten ist Matsch in Mill Valley.

Die indische Lady am Empfang weist uns Zimmer 221 zu: ein Globetrottels-Tröstezimmer, das nach hinten hin rausgeht.

Nach der teuersten Pizza der Welt (hat sich gelohnt) springen wir in die Kissen: Movienight im Muir Woods – nach einer Badewanne. Dass dafür erneut der Magicbus kaputt sein muss, ist eigentlich unnötig.
Aber ein echtes Bett nach zwei Monaten harter Bullimatratze ist tatsächlich ziemlich traumhaft. Um nicht so sagen: Lichtmaschinen-traumhaft…