Mit zuckersüßen Brombeeren aus unserem Hafenhintergarten zwischen den Zähnen gehen wir ins Bett. Das Bellen der Seelöwen wufft uns in den Schlaf. Womöglich beschweren sie sich über nasse Flossen, da über Nacht eine Geheimflut Ukulele –liebevoll auch Ukee genannt– heimgesucht hat.

Am Morgen tänzelt ein Adler im trockenen Hafenbecken. Ein Koloss gegen die Spätzchen, die ihn hektisch umfliegen. Ebbe ist Vogelbuffet: Muscheln und Seewürmchen all you can eat an einem Montag Morgen. Und alle (außer Muscheln und Würmern) sind begeistert.

Nach gefühlt wochenlangem Sitzen ist heute ein „Aktivsurlaubstag“ angesagt. So nennt man das doch, wenn Menschen über 40 sich –nur weil Urlaub ist—zu einem Spaziergang aufraffen. Voll ausgestattet mit Wanderbuxe, Tourenrucksack und Bärenspray. Damit wenigstens alle anderen denken, wie unfassbar sportlich und außerordentlich gut vorbereitet das entgegenkommende Paar doch ist. 15 Kilometer Agility für Globetrottels. Jaja, Aktivurlaub haben wir in Kanada gemacht. In Jack Wolfskin. Und Partnerlook.. . So weit isset schon…

Der Wild Pacific Trail taucht nicht ohne Grund in mehreren Trekkingführern als Highlight leichterer Nordamerikawanderungen auf.
Die Wege sind gut ausgebaut und easy begehbar. Der originäre Trail ist nur 8 Kilometer lang, er kann beliebig abgekürzt oder verlängert werden. Immer an der wellenumtosten, rauen Küste entlang, immer durch wilden Urwald, in dem nicht nur Bären unterwegs sind, sondern ausnahmsweise auch Wölfe und Pumas.
Da Pumas vor allem Jagd auf Kleinkinder machen –lahme Beute, zartes Fleisch–, fürchten wir uns—lahme Beute, zähes Fleisch– nicht allzu sehr. Und Wölfe sind für Chouchou als Hundeflüsterer eh kein Problem.

Wild Pacific Trail. Was für ein Traum – bei 16 Grad und Sonnenschein.
Stundenlang wilden Wellen beim Branden zuschauen, Seehündchen im Wasser, zwei schwarz-gelbe Schlangen an Land und auch eine Schnecke im Orca-Look begegnet uns. Kein Wunder: wir laufen das gleiche Tempo.

Wieder Riesenlebensbäume zum Umarmen, Farn, der nach gigantischem Rucola aussieht (leider kein Balsamico dabei), verworrene Äste, MoosMoosMoos zur linken.

Zur rechten zornig schäumende Brandung an unverwüstbarem Fels, donnern und tosen, ungezähmte Naturgewalt. Stundenlang.

Harter Ü40-Aktivurlaub macht natürlich großen Appetit.
Also gönnen wir uns heute obendrein, dass jemand anderes unser Essen kocht.
In Ukee Downtown gibt es bei »Ukee Dogs« feine Burritos und Veggie Hot Dogs mit einem süßlichen Pale Ale, das nach Sommeraktivurlaub schmeckt. Wir teilen die besten Pommes der Welt nicht mit den hungrigen Krähen, die das Etablissement krächzend umkreisen, nur eine sauflustige Biene verirrt sich in Chouchous Pale Ale und schwebt nach ihrer Rettung fröhlich-beschwipst von dannen.

In ähnlicher Schwingung geht’s auch für uns wieder zurück nach Hause in unseren sicheren Hafen.

Zwei Schritte am Bayshore Waterfront Inn vorbei hören wir sie schon wieder: Seelöwen, die sich über nasse Flossen beschweren. Denn die Flut im Fjord ist erneut zurück.

Und so setzen wir auf die 15 Tageskilometer noch ein paar wenige drauf: auf der Suche nach den bellenden Löwen.
Doch egal, welche der umliegenden drei Buchten wir abklappern: die Maunzis sind zu hören, aber so gut getarnt, dass wir sie einfach nicht entdecken können.
Ein Faszinosum: enorm dicke Seelöwen mit enorm lauten Schnäuzchen, die sich unsichtbar machen können. Und Möwen, die übers Wasser gehen: Jesus-Möwen.
Sowas gibt es nur in Ukee.