Unterwegs im Magicbus

Ukulelespielende Lebensbäume oder: TransKanada — einmal durch mit die Globetrottels

Unser Weg ist heute nicht weit: 128km bis Ucluelet, das wir hartnäckig Ukulele nennen. Einfach, weil wir zu faul sind uns den richtigen Ortsnamen zu merken und weil Ukulele nach „Somewhere over the rainbow“ und Strandurlaub klingt. Etwas schade ist das schon. Auch weil Ucluelet in der hiesigen Sprache der First Nations „sicherer Hafen“ bedeutet. Sicherer Hafen, der westlichste Punkt unserer Kanadareise.
Hier können wir es nun wirklich behaupten: wir haben Kanada von Ost nach West durchquert. Vom Atlantik, ober die großen Seen, durch die Prärie, über die Rockies bis an den Pazifik. Eigentlich Zeit für ein Ständchen an der Westküste von Vancouver Island. Auf einer Ukulele natürlich.
Aber noch sind wir ja gar nicht da.

Man hat uns vor dieser Straße entzückend gewarnt: kurvig sei´s und etwas hopplig und auf und ab. Die Wunder am Wegesrand wurden verschwiegen. Das Unerwähnte und das Erwähnte soll uns viereinhalb Stunden kosten. Für 128 Kilometer. Unbezahlbar. Unerwartet.

Nur auf Grund eines kurzen Affekts halten wir am Cathedral Grove. Weil mir plötzlich das Wörtchen „dramatisch“ im Hirn rumschwirrt. Stand das nicht gestern auf einem bescheidenen Schild an den Qualicum Falls: Enjoy the small and hidden beauty of Qualicum Falls. Even if it´s less dramatic than Cathedral Grove…
Chouchou steigt in die Eisen. Schauen wir uns den „Kathedralen Hain“ an – wenn er schon am Wegesrand liegt. Wir sind vollkommen unvorbereitet.

Keine Wortkombination hätte besser treffen können, was auf diesen bequem ausgebauten und gut besuchten Wegen auf uns wartet: Cathedrale grove, der Kathedralen Hain.
Bis zu 800 Jahre alte Baumriesen –einige davon die ältesten und größten Kanadas—bewachen die engen Pfade. Ihre Kronen wachsen bis in den Himmel auf einem Teppich aus Farn. Eine Welt von weichen Moosen bedeckt, ein Urwald wie aus dem Märchenland.
Douglasien bis zu 80 Metern hoch neben Küstentannen, neben Riesen-Lebensbäumen. Wie passend, dass „Thuja plicata“ oder „western red cedar“ tatsächlich übersetzt so heißt: Riesen-Lebensbaum.
Knorrige Stämme, die sich nur von einer Menschenkette umarmen ließen, zu zweit kommen wir nicht ein Viertel rum. Bäume, die schon im hohen Mittelalter Europas hier standen und lauschten. Nur wenige Sonnenstrahlen kämpfen sich durch ein Blätterdach, das die Erde beschützt, das uns beschützt.
Man spürt, dass hier uraltes Leben pulsiert, Bäume, die wortlos sprechen können. Kommunikation von oben aus den Kronen, von unten aus den Wurzeln macht so demütig, dass die Faxen fast von alleine ausbleiben. Aber nur fast. Hat ja keiner gesagt, dass man an hochspirituellen Orten nicht scherzen darf…

Ergriffen geht’s weiter auf der Straße, vor der ja entzückt gewarnt wurde. Und jedes Wort stimmte.

40km/h als Standard-Geschwindigkeitsbegrenzung, brüchiger Asphalt, Steigungen bis zu 18 Prozent. Das Schild „Slow“ muss uns nicht warnen, der Magicbus macht hier eh nur noch maximal 25 Kilometer pro Stunde, während er die Hit-Compilation der 90ties mehrstimmig rauf und runter jault: „Rhythm is a dancer“, „Boom-shacka-lacka“ und „Life in the streets isn´t easy“. Es ist ein schieres Wunder, dass er wirklich noch fährt: unser Magicbus.
Eigentlich könnte uns der Staat British Columbia als mobile Verkehrsberuhigung einstellen. Im Gebirge könnten wir sogar –natürlich gegen Aufpreis—auch einen Verkehrsstillstand anbieten. Weil Kanadier sich meist nicht trauen zu überholen. Es würde Hunderte von „Slow“- und „Blinki-Blinki-30km/h-Ausrufezeichen“-Schildern einsparen.

Vorbei an türkisblauen Creeks (der Himmel kann hier ausnahmsweise nicht verantwortlich sein, da es zu regnen begonnen hat und das Zelt mausgrau ist), einem „1000 nice bears in the area“-Schild und einer Fliegenpilzinstallation im Nichts landen wir irgendwann trotzdem im Nationalpark „Pacific rim“. Mit sieben Kilometern Autoschlange im Schlepptau.

Da ist er also nun wirklich: der pazifische Rand, unser westlichstes Ende Kanadas.

In Ucluelet parken wir am Hafen ein. Erste Reihe. Ab hier ist nix mehr, nur nachts bellen manchmal die Seelöwen, behauptet Shelly, unsere Campingmom.

Ein erster Dorfrundgang gibt uns ein gutes Gefühl. Dieser Ort fühlt sich richtig für uns an.
Trotz Regen. Oder gerade deshalb!?

Ucluelet: „sicherer Hafen“. Hier endet also unsere TransKanadaReise.
Kanada: einmal durch mit den Globetrottels.
Wie schön, dass Ihr uns bis hier hin begleitet habt.
Und wer von Euch spielt jetzt die Ukulele?

4 Kommentare

  1. Dagmar

    https://youtu.be/pLgJ7pk0X-s?si=icqWrnzkitD_pseV

    • Die Globetrottels

      Liebe Dagmar!
      Ich wusste es: Du kannst nicht nur Bohnen bis in den Himmel erklettern, sondern auch Ukulele!🥰
      Sei dafür gedrückt,
      von „somewhere over the rainbow“,
      Deine Globetrottels

  2. das Phantom (sitzend am Feuer und Würstchen grillend)

    Bravo!!!! Famos!!!

    • Die Globetrottels

      Liebes Phantom am Feuer!
      Wie schön, feuere bitte für uns mit.
      Leider gilt auf Vancouver Island noch immer der Campfire Ban.
      Derweil wärmen wir uns mental also mit an Deinem!
      Knisternde Lagerfeuergrüsse,
      Deine Globetrottels

© 2026 Die Globetrottels

Theme von Anders NorénHoch ↑