Unseren Nachtplatz bei Steve verlassen wir deutlich später als geplant.
Das lag unter anderem daran, dass ich –aus reiner Lebensfreude—morgens noch einmal geduscht habe. Einfach, weil´s so schön warm war und ich am Abend so schön sauber, dass man das am Morgens ruhig ein weiteres Mal machen kann. Dachte ich so bei mir. Vollkommen unnütz (das Duschen, nicht das Denken), aber durchaus herrlich. Manchmal geht Genuss ja ganz banal auch so…
Wellnessverknallt tapse ich um neun Uhr aus der Dusche 2.0. Jetzt habe ich einmal angefangen, jetzt mache ich auch weiter: die Nägel sind das nächste. Geknipst. Dann Gesichtspeeling (!). Und zu guter Letzt gehen die letzten weißen Pferde kurz hinter Whitehorse komplett mit mir durch: jetzt lackiere ich mir auch noch die Fußnägel. Grüngoldglitzer. Wat kost´die Welt?! Und Kinnas: wenn´s sonst nix is…
Es ist halb elf geworden, als wir die luxemburgische Enklave schlussendlich verlassen. Mitsamt dem deutschen Labersack (pardon!), der gestern versucht hat, uns mit Nachdruck ein Ohr abzukauen; so hartnäckig, bis wir es endlich verstanden haben: Er war, ist und bleibt der Coolste. Der Chefabenteurer vom Dienst, der wirklich gar keinen Luxus braucht. Keine Elektrizität, keine anderen Menschen, überhaupt keine Zivilisation. Sagt er, mit Dosenbier in der Hand und stöpselt seinen Camper an den Strom. Ich bin so´n echter Outdoortyp, verstehse?! Jawohl. Verstanden.
Mit ihm lassen wir auch die gut besuchte Currywurstbude an der Campingrezeption hinter uns, den Schweizer Käse in der Auslage und das schallende „Moooorgähn!!!“ der CanadaDreamCamper zwei Plätze weiter. Am ehesten aus Rostock. Die Menschen, nicht das Würstchen.
460 Kilometer liegen heute vor uns. Ein letztes Mal Yukon´sche Weite, bis kurz vor Watson Lake. Danach beginnt wieder British Columbia.
Die ersten 200 Kilometer schlägt sich der Magicbus gut. Er fängt erst an zu weinen, wenn wir keine kontinuierlichen 80km/h mehr fahren. Oder, wenn man den Gang wechselt.
An der ersten Baustelle des Tages, nach besagten zweihundert Kilometern, müssen wir leider beides: bremsen und schalten. Danach geht das jämmerliche Heulen wieder los.
Was will man machen?
Entweder, wir bleiben auf ewig im Yukon und fahren bis ans Lebensende immer punktgenau 80km/h oder wir schalten heute einfach die Musik an: laut.
Weil´s übertönt, weil´s Spaß macht, weil uns ansonsten auch nichts Besseres einfällt als eine Tanzparty. Tanzparty im Sitzen im ohnehin omnipräsenten Dauersoundsystem, das sich „Magicbus“ schimpft.
Magicbus!? So langsam eher „der Katastrophenbulli“. Wenn er so weiter macht, steht die Umtaufe wirklich langsam an.
Die Landschaft, die vorbei fliegt, haben wir oft und ausführlich beschrieben. Ende Juni sind wir die gleiche Strecke schon einmal gefahren. Nur anders herum: von Watson Lake nach Whitehorse. Wen es interessiert, der kann gerne nachlesen. Am besten von hinten nach vorne – weil die Strecke ja umgedreht ist.
Heute erleben wir–trotz allem—Neues: grüngoldglitzernde Fußnägel vor einer Windschutzscheibe ohne Steinschlag, zum Beispiel.

Oder einen Japaner mit Handwagen im absoluten Nichts. Was für coole und verrückte Leute es auf der Welt so gibt…toll.
Viel hat sich ansonsten aber nicht verändert im Nichts. Nur die Farben sind anders, das schrieb ich schon: Goldener Herbst im Anmarsch. Ganz ohne Handwagen und in Windeseile.
Kurz vor Watson Lake bleiben wir heute Nacht. Alleine im Wald. So ruhig wie hier, war es gefühlt schon lange nicht mehr. Zwei, drei Tage oder so.

Es tut gut, den Magicbus nach 460 Kilometern endlich auszuschalten und sein Weinen nicht mehr hören zu müssen. Wie auch immer er sich die nächsten tausend Kilometer so vorstellt!? Sollten wir den Highway 37 wirklich runter fahren, kommt so lange nämlich erstmal gar nichts mehr. Nicht mal mehr Internet. Soviel ist schon sicher. Der Rest scheinbar nicht.
Nüdelchen zum Abendessen. Das erste, warme Essen seit…wir wissen es nicht mal mehr. Umso besser schmeckt es. Und bringt auf ganz phantastische Ideen:

Während des Kochens überlegt Chouchou, ob wir das Nudelwasser nicht auffangen sollen. Morgen früh könnten wir das doch zum Waschen benutzen!? Schließlich müssen wir ab hier unsere Wasservorräte wieder sehr genau einteilen. Wäre doch eine großartige Win-win-Situation!?
Chouchou, mal wieder ein wirklich grandioser Gedanke.
Hallo, wir sind´s, die Globetrottels. Frisch geduscht, mit durchgekochten Fussiligesichtern und goldgrünen Glitzernägeln.
So wollte ich mich schon immer mal vorstellen…







Alles wunderbar, eure Stimmung, eure Laune, die Glitzerfüsse! Hoffentlich stimuliert das auch den Magicbus 🙏
Liebe Mamels!
Auf dass der Glitzer auf den Bulli abfärbt.
Wir bleiben zuversichtlich!
Bis ganz bald,
wenn’s Internet in 1000km wieder läuft.
In Liebe,
Deine Nani
Nudelwasser aufbewahren…..ich kenne noch jemanden, der solche Ideen hat lol. So ein Glitzerfussolini stünde dir gut.
Aber, wo er recht hat hat er recht !
Oder lieber als Süppchen neu kreieren?
Toi toi toi mit der Heulboje!!!!!!
Liebe Dagmar!
Die Süppchenidee gefällt mir noch ein bisschen besser. Auch wenn Salzwasser ein gutes Peeling gäbe…
Weiterhin in Wellnessmood,
Deine Joana
Deine Fußnagellackfarbe ist sehr, sehr, sehr gewöhnubgsbedürftig – mit Tendenz zum Augenkrebs :-p
Aber bekanntermaßen kann man sich ja über Geschmack nicht streiten 🙂
Liebes Phantom!
Diese außergwöhnlich geile Farbe nennt sich Tropic Blow. Das Geheimnis ist, dass man 43 Minuten ohne Pause draufstarren muss: danach ist man unerrettbar „in love“.
Es lebe das tropische Glühen. Und jetzt flott einen Mojito!
Aus dem sommerlichen Smithers,
in kurzen Buxen und ohne Socken den weltgeilsten Nagellack der Welt unter freiem Himmel tragend,
Dein Geschmackswunder Joana