Den Abend mussten wir damit zubringen, den niedergeschmetterten Rudi –größter Fussballfan im Magicbus—zu trösten. Dank Blitz und Donner, die immer wieder ins Internet einschlugen, konnten wir das Spiel nur verzögert sehen. Das führt zu einem „hohem Stresslevel“ – weiß auch meine Kontrolletti-Uhr. Nicht nur bei Rudi. Schlussendlich ist´s nur der milchige Fluss im Nebel vor der Magicbustür der wahren Trost spenden kann und dessen Wasser wieder beruhigen.
Der Morgen beginnt für Chouchou mit einer unfreiwilligen Dusche: einmal mit dem Schädel an die Bergerplane gebounced, entleeren sich die dort versammelten Pfützen in einem Sturzbach über seinem Scheitel. Ein Eimer hätte es auch getan für diese Aktion: Icebucketchallenge an einem initial so harmlos daherkommenden Samstag — leider ohne Kamerakind. Das lag noch im Salz.
Unser Weg soll heute zum „Trollvägen“ führen: dem magischen Trollweg, nur 80 Kilometer weiter nördlich und etliche Höhenmeter hoch. Wir sind also auf Magie gebürstet – ab Mittag! Zum Zeitpunkt der Abfahrt ahnt niemand im Globetrottelsteam, dass diese sich heute schon sehr viel früher entfalten soll: am Wegesrand einer namenslosen Landstraße.
Im Vorbeifliegen sehen wir erst zottelig, braunes Fell, dann plüschiges Geweih. Schneller vorbei als geplant, muss Chouchou den Magicbus also wenden und zurückfahren. Damit wir uns überzeugen können, dass wir nicht mit offenen Augen träumen.
Am Straßenrand steht eine Herde Rentiere: Mütter mit Kälbern, die normalerweise im Mai oder Juni zur Welt kommen. Vollkommen unbeeindruckt von unserer Anwesenheit äsen sie friedlich vor sich hin, in tiefenentspannter Sommerpause vor Weihnachtszeit. Nur ein hupender Schwede bringt kurzzeitig flottere Bewegung in die langen Beinchen, die ansonsten nichts treibt. Kein Schlitten, der zu dieser Jahreszeit gezogen werden muss, kein Stress am absolut südlichsten Punkt des rentierischen Lebensraums. Denn eigentlich sind diese Freundchen deutlich nördlicher zu Hause.

Die Globetrottels im südlichsten aller südlichen Rentierparadiese der Welt – wenn man der Verbreitungskarte trauen kann. Ein Paradies, das wir heute nicht mehr verlassen werden.
Am Trollvägen angekommen warten sie schon wieder: diesmal ein Dreiergespann mit deutlich wuchtigeren Geweihen. Wir lesen und lernen: Rentiere sind die einzigen Stirnwaffenträger der Welt, bei der auch die Weibchen Geweih tragen und die einzige domestizierte Hirschart der Erde. Mit ihrem sympathischen, sanften und zutraulichen Wesen war es vollkommen logisch, dass der Weihnachtsmann gerade sie als Zugtiere ausgewählt hat. Mit Huskies hätte es viel zu viel Trubel gegeben.
Wir sind so hin und weg, dass wir kurzzeitig den Troll vergessen, wegen dem wir eigentlich hier sind.
Der Trollvägen ist ein magischer Weg. Bewacht wird er von dem Nipsmann, der im Schutze der Steinmännchen um ihn herum, Tag ein Tag aus damit beschäftigt ist, die Gravitation durcheinander zu würfeln und damit die Menschen verrückt zu machen.

Wer auf diesem Weg im Leerlauf rollt, rollt tatsächlich bergauf. Klingt komisch, ist aber so.

Chouchou –als Investigativjournalist des Teams– versucht Details aus dem stillen Männchen herauszupressen, wie er das genau macht: vergeblich. Ob so wenig Kooperation im Gespräch wird ihm das dargebotene Knäcke –das Plauderbrot– wieder entzogen. So, Sie Nipsmann, können wir nicht arbeiten… und rollen planlos weiter bergauf.
Den einfachsten Hügel in dieser unwirklichen Bergwelt besteigen wir. Böse Zungen nennen ihn „die Touristenknolle“ – weil der Gipfel selbst von Globetrottels bezwungen werden kann in einem 45minütigen Aufstieg.

Wir sind auf 1000 Metern über Null, die Umgebung aber wirkt, als seien wir viel, viel höher. Keine Bäume mehr, zahlloses, buntes Gestein und eine Aussicht, die nicht enden will.

Eine feine Touristenknolle, finden wir. Und dann schaut plötzlich –in unerreichbarer Ferne– der echte Troll über den Berghang.
Wir trauen unseren Augen nicht. Deshalb fotografieren wir und erwischen zumindest seine Mütze mit dem Objektiv.

Der echte Troll des Trollvägens!! Es gibt ihn. Wir wussten es.
Fest an drei Rentierpopos geheftet rollen wir den Berg wieder runter. Dafür muss man Gas geben: Verrückt.

Unser heutiger Lagerplatz liegt erneut an einem wilden Fluss, acht Kilometer hinter Idre.
Wir parken an diesem Traumplätzchen –dem ungelogen schönsten der bisherigen Reise—ein und atmen. Und atmen. Oh Welt, wie wunderschön Du bist.
Kochen im kargen Sonnenschein, der Fluss trägt unsere Gurkenreste flussabwärts und fließt plätschend bergauf, ansonsten herrscht Stille.

Oh Welt, wie wunderschön Du bist. Und magisch.
Zeit für ein Freudenfeuer!














































































