Unterwegs im Magicbus

Baden mit Monopolstellung in Destruction Bay

Nach einer weiteren durchgehusteten Nacht für Chouchou ist Schluss. Die Globetrottels entscheiden sich heute für einen Hauch mehr Komfort um gesunden zu können: Chouchou braucht ein echtes Bett und ich –nach fünf Tagen—einfach mal wieder fließend Wasser. So wundervoll die kanadischen Territorial Campgrounds sind, so sporadisch sind sie auch. Uns ist für eine Nacht nicht mehr nach kalten Winden, die das Dachzelt schütteln, nach Seeblick für 10 Euro, sondern nach warmen Wänden, Pipi machen ohne Bärenparanoia in der Nacht, uns ist dringend nach einer Dusche.

Unser Alaskahighwaybüchlein verrät, dass sich in nicht einmal 20 Kilometern ein einziges, ranziges Motel befindet, Monopolstellung. Das steuern wir an. Heute Nacht wird wie die Könige im Talbot Arm Motel residiert, Alaskahighway Meile 1083, Kilometer 1742, Zimmer 10. Den Seeblick gibt’s inklusive, wenn man sich links übers Geländer beugt, kostet dafür auch knapp das 8fache eines Campingplatzes. Hilft nix, geht nichts anders, gönn Dir.

Und so wird dieser Sonntag fast ein Globetrottels-Wellnessausflug. Chouchou hält einen ausgedehnten Mittagsschlaf. In der Wanne wird die Wäsche der gesamten letzten Woche per Hand gewaschen. Das Wasser danach: dunkel wie die Erde des Yukons, die Wäsche nach zartem Lavendel duftend ziert draußen den Magicbus und unsere Reling (links übers Geländer gebeugt mit Seeblick). Danach bade ich. Heiß und lang. Mit Haare waschen, zweimal.

Ein Gang durch Dorf. 35 Einwohner. Der Name: Destruction Bay, weil 1952 ein Hurrikan die erst zehn Jahre alte Siedlung sofort wieder menschenleer fegte. Viel ist seitdem nicht zurückgekehrt: Einzelne Häuser, verziert mit Elchgeweihen. Ein windiger Anlagesteg ohne Boot. Azurblauer Kluanesee. Eine Krankenstation –sehr wahrscheinlich unter Mindestbesetzung , eine schüttere Feuerhalle (viel Glück mit eurem einen Auto, wenn das bisschen Wald mal brennt), eine verlassene Schule, kreidearm und keiner muss vorne an die Tafel. Dafür angeblich massenweise Grizzlys in den Wäldern, die wir heute aber ebenso wenig zu Gesicht bekommen sollen.

Essen im moderigen Lokal: vegetarische Burger, Pommes, Salat ohne Öl. Staubige Pickups fliegen vorbei, ein monströser amerikanischer Winnibago in dunkelrot, ein Biker, der mit Jackson Fives „ABC“ die Einsamkeit zum Tanzen bringen will.

Neben uns lebt ein Zahnloser aus Alaska –sagt zumindest sein Nummernschild. Er sagt nur: „Cool van“ und spuckt fröhlich auf den Schotter. Im anderen Nebenzimmer hustet ein wettergegerbter Bärtiger bei offener Türe lauthals und produktiv einen schwindenden Sommer aus. Danach ist wieder Stille.

Heute Abend werden wir den Fernseher anschalten: Kanadisches Sonntagabendprogramm in voller Lautstärke. Heute Abend wird die Heizung auf Anschlag gedreht. Darauf: vierzehn frisch gewaschene Unnabüxkes und 28 Socken. Heute Abend wird sich maximal noch einmal links übers Geländer gebeugt: Seeblick genießen und weiterhin hoffen, dass ein Grizzly sich sehen lässt.
Wenn nicht, ist nicht schlimm: Morgen ist ja auch noch ein Tag. Ein Tag, der zweifelsohne frisch gebadet beginnt. Zweimal. Und Chouchou ist dann hoffentlich auch seinen Husten los.

2 Kommentare

  1. Dagmar

    Das habt ihr gut gemacht, 👍
    Ich frage mich, wie man als Einheimischer in dieser Einöde über /leben, kann?
    Vor allem im Winter.
    Da braucht es wohl viele , handwerkmeisterliche Eremitengene.
    Gute Weiterfahrt🙂

    • Joana

      Liebe Dagmar!
      Das ist die Frage, die uns auch immer wieder umtreibt: Einsam im endlosen Winter. Kein Gemüse und nur Elch in vier Tiefkühltruhen.
      Man muss wohl sich selbst genug sein. Und viele gute Bücher haben. Oder einfach Ruhe haben wollen, vor den vielen verrückten Menschen. Aber wem sag ich das?! 😉
      Liebe Grüße,
      Deine Joana

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