Wir verlassen Whitehorse im Trockenen.
Unseren schicksalhaften Robert Service Campground, die Bank auf der Halbinsel mit Ausblick auf den wilden Yukon und damit die letzte Zivilisation für die nächsten Hunderte von Kilometern.
Im Independence Superstore decken wir uns großzügig mit Lebensmitteln für die nächsten Tage in der Wildnis ein: „yukon grown-products“, die in diesen kurzen Sommern schon in sich Wunder sind. Nur die Avocados kommen aus Mexiko, grünes Gold, Sonnensommerkinder per Import.
Das Land Yukon besitzt angeblich 23 Ampeln. Alle davon in Whitehorse. Nach der 23. folgt nur noch unberührtes Land: 200 Kilometer Pinien und rotrauschendes Fireweed – Symbolpflanze des Yukons, gedeiht vor allem dort, wo zehrende Waldbrände Schneisen hinterlassen haben.
Ein Waldbrand ist es auch, der uns kurz hinter der Stadt nicht in Richtung Norden abbiegen lässt: das Örtchen Mayo, am Silberminentrail, wurde vor ein paar Tagen evakuiert. Die 200 Mayonaisen harren nun in Whitehorse aus, betend, dass abseits ihres blanken Lebens noch irgendetwas ihres Besitzes übrig bleibt. Wir halten uns auf dem Alaskahighway in Richtung Haines Junction, denn hier brennt es noch nicht.
Am Pine Lake finden wir ein Plätzchen für die Nacht. Direkt mit Blick auf den See, der heute windumtosen Wellen schlägt. Ein Lagerfeuer nach knappen sieben, surrealen Wochen, dies ist ein Moment, der sich plötzlich sehr echt anfühlt.
Wildnis, Wind und Weite –da sind wir erneut. Mit der großen Hoffnung, dass irgendetwas Verkapseltes im Herzen wieder aufkracht. Heute Abend ist immerhin schon ein Knistern zu hören.






