Unterwegs im Magicbus

WE R 1 – je me souviens

Schlafmütze obligat – daran kann man sich schnell gewöhnen. Mit ein bisschen Phantasie hat es sogar etwas sehr Schönes einen warmen, mummeligen Kopf zu haben, während die Nasenspitze kälter als die Schnauze eines Huskys ist, weils draußen mal wieder friert. Und nur eine Zeltwand zwischen uns und der Welt über die ein strahlender Nordstern wacht. Als gutes Omen an Vatertag.

Nach einem Plausch mit unserem Québecer Nachbarn, der uns nur darin bestärkt Montréal zu knicken („I can´t blame you. Too many people.“), ist es Zeit für uns weiter gen Westen zu ziehen. Ohne die kleine, verschreckte Meise, die kurzzeitig Gästin im Magicbus ist. Verflogen. Nicht schlimm. Ist uns auch schon oft passiert im Leben.

Zurück auf dem transcanadischen Highway, der heute hinter den Windschutzscheiben mit wildem Leben auf uns wartet.

Ein Murmeltier hält Ausschau am Straßenrand – womöglich nach einer lang vermissten Geliebten, die ihn vor Urzeiten für einen Jüngeren verließ.
Ein Truthahngeier (ich konnte meinen Augen selbst kaum trauen. Ja, es gibt Geier in Kanada) frisst ein frisch überfahrenes Stinktier.
Wanderdrosseln mit dicken roten Bäuchlein fliegen unterm Radar von undefinierbaren Raubvögeln, mit denen man sich auch namenlos zweifelsohne nicht anlegen wollte.
Nur die Elche, die lassen sich noch immer nicht blicken.

Kurzer Stopp im Walmart: der Bulli braucht neues Öl.
Und weil an diesem ersten Frühlingstag in Kanada wirklich alles klappen will, bekommen wir nicht nur das passende 10W40, sondern auch die letzte Flasche Magicbus-kompatibeln Kühlwassers und grünen Spargel im Angebot.

Der Plaisance Provinzialpark kurz vor Ontario hat heute ein Traumplätzchen für uns. Heute steht der Magicbus so, wie sich mein beschränkter Kopf Kanada immer vorgestellt hat:
Mitten im einem frühlingsgrünen Wald, in dem Streifenhörnchen toben und angeblich auch Schlangen kreuchen. In einem frischen Lenzenforst, in dem großblütige Waldlilien blühen und Murmeltiere galoppieren können. Die pummeligen Wanderdrosseln zwitschern ihre Lieder, irgendwo kloppt ein fleißiger Specht bestimmt kanadisch gigantische Löcher in alte Bäume, die Geschichten erzählen und irgendwo –in weiter Ferne– tutet leise eine anachronistische Eisenbahn und träumt von einem Goldrausch, der noch kommen wird.

Unser Lagerfeuer brennt knisternd – zugegeben: auch diesmal waren es erst 30 Minuten quälender Rauch vorab, das liest sich in der Geschichte aber nicht so romantisch.
Trotzdem sei gesagt: so lässt es sich arbeiten. Ergo: happy hustend, einen Blog schreiben. The best things in life und so are free….firestarting.

Dies wird wohl unsere letzte Nacht in Québec sein. Québec – französischsprachiger Staat in diesem endlosen Land. Ein Staat, der seine Autokennzeichen untertitelt mit “Je me souviens”.

Heute flog ein dicker Pickup am Magicbus vorbei, dessen Nummernschild ganz wunderbar dazu passte, zu diesem québec´schen “Ich erinnere mich”.

“WE R 1” stand dort.
“WE R 1 – je me souviens.”

Wir sind eins – ich erinnere mich.
Ich erinnere mich: wir sind eins.
What an important reminder.

2 Kommentare

  1. Hans-Jürgen Grundmann

    Ja. Jetzt wartet der Frühling auf Euch! Und viele wilde Tiere. Und was die wilde Fauna in unseren Landen so bietet – Hasen, Eichhörnchen und Rehe – da werdet Ihr in der kanadischen Wildnis nicht so locker davonkommen. 🤣 Also, AUFPASSEN !

    • Chérie

      Liebster Pabels! Von Hörnchen über Waschbären und Biberartigen ist es bis zu den Elchen nun nicht mehr weit. Geduldig wartend, in Spannung, Deine Globetrottels

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