Unterwegs im Magicbus

…and the world will live as one.

Hillsborough hat es gut mit uns gemeint: mit einer sehr ruhigen Nacht, in der nur die Zikaden ein Schlaflied zirpten. So also klingt New Brunswick zwischen Sonnenunter- und -aufgang. Zirpzirp zirpzirp zirpzirp. So einlullend, dass selbst die rostigen Lokomotiven und der abgehalfterte Kampfjet der Canadian Airforce nicht aufgewacht sind.

Zum Frühstück ruft ein Café wie aus dem Märchenland. Hinter einer bonbontürkisen Front, unter einem rostroten Dach werden in Hillsborough von Zauberhand die besten Cinnamonrolls der Welt gebacken. Mit Sahne obendrauf, double shot. Nicht nur, weil die Menschen hier so strahlend sind und der Ort so magisch, lassen wir uns gleich vier einpacken. Es ist bereits der Geruch, der süchtig machen kann. Vom Geschmack gar nicht erst anzufangen: zimtige Tröstlichkeit Bisschen für Bisschen, so als würde man pure Herzenswärme knabbern.

Es ist noch nicht mal Mittag, den Kalorienbedarf des Tages haben wir bereits gedeckt. Bestens gesoulfooded können wir jetzt durchstarten.

Ums Eck liegt New Brunswick bekannteste Sehenswürdigkeit: die tidenumspülten Hopewell Rocks. Mit bis zu 14 Metern Tidenhub sind sie entweder die beebbtesten oder aber die überflutetesten Felsen der Welt. Nirgendwo sonst ist die Differenz zwischen Ebbe und Flut größer. Zumindest nicht auf dieser Erde.

Der Park hat noch geschlossen. Warnungen hingegen hängen großflächig aus: Achtung! Plötzlicher Tidenhub, Gefahr von Steinschlag, keine erste Hilfe möglich, Telefonnetz nicht vorhanden. Alles klar, rein da. Mal wieder weitestgehend alleine – an einem Ort, der in der Hauptsaison vor Menschen brummen muss, glaubt man unserem Reiseführer.

Wieder einmal haben wir teuflisches Glück. Von oben können wir bereits dabei zusehen, wie das Wasser sich zurück zieht. Hopewell Rocks bei Ebbe. Wir können den Felsgiganten also ganz nah sein. Es kostet nur ein paar matschige Schuhe. Und ein ganz kleines bisschen Mut und Wahnsinn.

Das nächste Örtchen hinter den Felsen heißt Alma. Wie Seele. Passt sehr gut zu den Zimtschnecken von morgens. Morgens Soulfood, mittags Alma. New Brunswick meint es gut mit uns.

In Alma ist ebenso wenig los. Ebbe im Hafen, die Boote liegen trocken. Ein Denkmal für Molly Kool am Kai. Die Coole wurde 1936 –mit erst 23 Jahren– Nordamerikas erste Seekapitänin. Eine Verneigung vor der Chuzpe dieser Vorreiterin, die sicherlich sehr gut sehr scharf am Wind segeln konnte, muss hier sein.
Ein kurzer Blick in Almas Lobster Shop: Arme Viecherchen mit verklebten Scheren, die –teils übereinander lagernd– verzweifelt versuchen, einem Bassin zu entkommen, während ihre Kompagnions einen halben Meter weiter lebend ins Wasser geworfen werden. Ich bin mir nicht sicher, aber glaube: So lecker kann nichts sein. Alma-los in Alma.
Am Hafen futtern wir lieber unser Baguette von gestern und trinken kalten Kaffee, bevor die Weiterreise für heute nun wirklich beginnen soll.

Über den Fundy Nationalpark (wieder keiner da) auf den TranscanadianHighway, hier “Highway of heroes” genannt, vorbei an First Nations Orten mit so klangvollen Namen wie Nackawic oder Oromocto. Dauerwarnung vor Elchen, die wir nicht sehen, stattdessen einen Fuchs, der angstfrei in Richtung Autobahn pest. Möglicherweise eine Molly Kool der Fuchsartigen.

Bei sich neigender Sonne erreichen wir Woodstock. Nicht DAS Woodstock, sondern deren kanadische Namensvetterin.
Ein bisschen wie Hippies fühlen wir uns trotzdem, als wir direkt mit Blick aufs Wasser einparken und den Sonnenuntergang mit offener Schiebetür im Magicbus erleben…
You may say I´m a dreamer. But I´m not the only one.I hope some day, you´ll join us. And the wooo—ooorld will live as one.

6 Kommentare

  1. Hans-Jürgen Grundmann

    Woodstock, CA, nicht weit von der US-Grenze. Das sieht alles sehr gut aus. Und offensichtlich meint es das Wetter auch gut mit Euch! Faszinierender Tag gestern. Habt eine gute Zeit!

    • Chérie

      Lieber Pabels! Woodstock hat es sehr gut mit uns gemeint. Auch wenns nicht DIE Hippiemetropole war – aber Hippies sind wir ja auch ein bisschen selbst… Die Gloebtrottels

  2. Conny

    Wie immet super schöne Bilder!

    • Chérie

      Liebe Conny! Ganz lieben Dank für das Kompliment. Es wird an das Kamerakind weitergereicht. Liebe Grüße, Deine Globetrottels

  3. Klaus

    In Schweden gibt es auch super leckere Zimtschnecke … komme gerade von dort zurück und habe eure Story auf der Rückfahrt wieder mit viel Freude gelesen. Das macht richtig Lust zu reisen!!!! Bin gespannt wie es weiter geht bei euch.

    • Chérie

      Lieber Klaus! Wie schön, Du warst im wunderbaren Schweden?! Die können die wohl allerbesten Zimtschnecken der Welt. Glaube ich zumindest. Ganz liebe Nordgrüße, die cinnamanrollloving Globetrottels

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