Der heutige Bericht ist schnell erzählt, es täte grundsätzlich ein Zweizeiler.
Im schwedischen Schweinebergwetter sollte es eigentlich ein reiner Planungstag werden:
Welche Etappen wollen wir als nächstes in Angriff nehmen? Am besten der Wetterkarte nach.
Die allerdings verrät uns, dass der gesamte Norden die komplette nächste Woche Thors Regenhammer zu spüren bekommen soll.
Gut, damit sind wir also vollkommen frei: es kann überall hingehen.
Nachdem wir unsere Ideen –nach sieben Kaffee– zusammengewürfelt und eine Richtung ins Auge gefasst haben, ist noch ganz viel Tag übrig. Und der Regen hält –entgegen der äußerst hartnäckigen Vorhersage—für einen Moment lang still.
Also werfen wir uns die Wanderschuhe an die Füße und stapfen los.
Die Gegend um Fjällnäs ist vor allem als Wintersportgebiet bekannt. Wir befinden uns mitten in den schwedischen Bergen, nahe der Grenze zu Norwegen, und wenn man den Winden trauen darf, ist selbst im Sommer der Schnee nicht allzu weit. Nächtliche Temperatur gestern: frische fünf Grad auf 800 Meter über null, den Windchill nicht mitgerechnet.
Direkt an unserem Camp führt auch der südliche Kungsleden vorbei: „der Königspfad“, Schwedens bekanntester Weitwanderweg.

Auch wenn wir noch immer die Hacken voll vom Pilgern haben, wollen wir heute ein paar Schritte auf dem Weg des Königs wandeln. Einen Spaziergang weit: 7km und 303 Stufen.
Mit dem Schirm geht’s im Niesel erst an der Straße gen Norwegen entlang, einmal über den Fluss, am Haus mit dem Grasdach und dem drölfillionensten roten Häuschen vorbei.

Nach einem Kilometer –wieder trocken– steigen wir am Wasserfall Anderssjöåfallet auf den Kungsleden ein. Bequeme Treppen, immer am donnernd rauschenden Wasser entlang, helfen bergan – so bequem, wie 303 Stufen eben sein können.

Ein etwas pustiger Anstieg, aber ein Traum, so lange man keine der kolibrigroßen Mücken verschluckt.
Auf Stufe 113 habe ich es probiert und kann nachdrücklich sagen: es ist nicht empfehlenswert. Sitzt lange quer, so ein armes Moskitochen.
Auf dem Hochplateau angekommen hat sich die fahrlässige Tötung in der Familie herumgesprochen.
Ein entzürntes Mückenvolk schwört Rache (wer könnte es ihm verdenken?!) und tut sich gegen die Mörderin zusammen. Es folgt ein gnadenloser Angriff der stechenden Zweifühler. Die Frage, ob schwitzend oder nicht, steht nun nicht mehr zur Debatte. Ein Tuareg-Outfit ist angesagt.Und danach Chouchou mit dem Schal mückenfrei prügeln.
Die Hochebene bleibt trotz Vollvermummung wunderschön.
Kleine Bächlein, die sich durch unangetastetes Grün schlängeln, gangbare Stege, die in der Marsch die Füße trocken halten. Dann und wann kommt der See, an dem wir übernachten – der Malmagen—in Sichtweite. Und es bleibt trocken. Vorerst, aber immerhin bis zu Hause, zurück am Magicbus.
Zurück am Camp schlagen wir uns ins ausgezeichnete „Servicehus“ zum Kochen. Hans und Winnifred, denen der Campingplatz gehört, haben für die spartanischen Camper mitgedacht und stellen eine hervorragende Küche zur Verfügung. Wenn es stürmt, windet, schneit und/oder die Moskitos sich gegen einen verschworen haben, ist hier der beste Zufluchtsort, wenn man die Pfanne länger als drei Minuten schwenken will.

Auf einem echten Herd, in einer gusseisernen Pfanne kocht es sich unter dem Rentierfell und neben den Blümchen ganz hervorragend.

Auch wenn Chouchou bis zum Schluss nicht weiß, was er da eigentlich zu essen bekommt: Pak Choi, kurz vor der norwegischen Grenze.

Und das Wetter wechselt wieder.
Und dann noch einmal.
Nach einem harten Schauer kommt die Sonne (warm), dann harter Wind und Niesel (kalt), danach ist´s eher wechselhaft.
Die schwedischen Berge im Sommer sind atemberaubend schön. Nur nichts für Wetterangsthasen oder plaudernde Vegetarier – sollten auch Insekten zur fleischfreien Diät zählen.










