Unterwegs im Magicbus

Ein Sonntag in Nova Scotia

Die Kanadier sind hart. Während wir bei minus 2 Grad mit Mützen kuscheln, schläft der Einheimische vor Ort in einem Zelt ohne Seitenwände. Und das einzige, was gebraucht wird, ist um halb sieben morgens das erste Lagerfeuer am See zu entzünden. Nach einer Nacht, die so dunkel war – und die Sterne so nah und Tau auf dem Gras am Morgen danach.

Es ist ein unfassbarer Luxus, dass wir uns mittlerweile trauen, oben im Bulli (Verzeihung: im “Magicbus”) zu schlafen. Denn dadurch müssen wir am Abend nichts mehr umbauen. Wenn die eine aufsteht, muss der andere nicht direkt mit – sondern darf im Loft noch ein bisschen weiterträumen. Beim ersten Kaffee mit raureifer Milch freue ich mich diebisch über diesen neu gewonnenen Komfort.

Komfort ist -dank des einzig operierenden Campingplatzes im Umkreis von 500km- auch, dass weitere Wege in Richtung zivilisatorischer Bulli kurz sind: nur den Strom müssen wir in einem überdimensionierten Akku hin- und unser Internet wegtragen. Das nämlich funktioniert nur am Waschraum. Übrigens auch ein Luxus, den wir sicherlich besonders ab morgen zu schätzen lernen werden. Morgen. Aber heute ist ja erst mal heute…

Heute nennen wir diesen Sonntag einen weiteren Orgatag. Wir duschen sehr heiß und mit sehr “erdig” riechendem Wasser – meint zumindest unsere Campingmutter. Böse Zungen könnten den Odor auch “modrig” nennen, “erdig” gefällt allen Beteiligten aber deutlich besser.

Das dürftig eingebaute Wassersystem schmeißen wir aus dem Magicbus raus: angeblich ist es ziemlich neu, um es aber mit Chouchous weisen Worten zu zitieren: “Darin würde ich nicht mal mehr eine Urinprobe abgeben.” Trifft es, also weg damit. Tragbare Kanister haben bereits 2016 unseren unhygienischen Arsch gerettet – warum sollte genau dies nicht auch 7 Jahre später wieder gut funktionieren!?

Während Chouchou irgendetwas weiteres am Bulli arbeitet (magic work on magic bus), meditiere ich eine Runde mit Blick aufs Meer. Der Timer funktioniert nicht. Ich sitze also brav alemansmäßig auf meinem Stein und warte irgendwann sehnlichst auf den Abschlussgong, der Gott verdammt nicht kommen will. Nach einer Stunde gebe ich auf – mit der Gewissheit Ewigkeit zu spüren. So ein Kokolores, wie sich leider herausstellt. Die App ist schrott und hat es versäumt, mich nach 15min wieder wach zu bimmeln. Eine Stunde ungeduldig auf einem Stein sitzen und das nicht mal erleuchtet. Auch dafür muss man Zeit haben.

Irgendwann kuscheln wir überdimensionale Pudels, irgendwann wird gekocht. Leider keine Spareribs wie bei den Nachbarn. Warum sind wir eigentlich Vegetarier? Die Möhren sind aber auch ganz lecker. Irgendwann haben wir beide seit Wochen das erste Mal das Gefühl, dass wir wirklich entspannt sind. Nicht müde, nicht erschöpft, sondern einfach nur vollkommen entspannt und ganz wach dabei.

Am Abend zünden wir unser erstes Lagerfeuer. Na ja, oder nennen wir es Rauch. Die Nachbarn vom Chevy flüchten, aber wir fühlen uns wahnsinnig outdoorerfahren. Rauch mit nassem Holz zu machen, das kann schließlich auch nicht jeder. Vor allem nicht mit kompetenter Attitude.

Wir planen die nächsten Tage. Nun, da wir noch Wlan haben. Und damit wird aus der tiefen Entspannung dann plötzlich doch wieder freudige Aufregung. “Jetzt, da wir noch Wlan haben…”

Sehr wahrscheinlich ist ab morgen das Internet weg. In dem Moment, in dem wir vom Platz rollen vielleicht. Auf der Hinreise hatten wir auch kein Telefonnetz. Totally unconnected – ein wenig seltsam fühlt sich das schon an. Möglicherweise ab morgen vollkommen abgeschnitten von der Außenwelt zu sein. Das hatten wir wirklich noch nie.

Sollten wir uns also morgen nicht melden, so sollte sich bitte niemand Sorgen machen. Wir sind immer noch in Kanada – in diesem unfassbar weiten und endlosen Land, das große Strecken lang einfach mal abgeschnitten sein kann. Falls jedoch in zwei Wochen noch immer nichts von uns zu hören war: dann bitte doch mal suchen. Im schlimmsten Fall sind wir die abgenagten Knochen mit dem Bärenspray in der Hand. Irgendwo dort oben und weit draußen am so genannten Cabot Trail.

3 Kommentare

  1. Grundmann, B.

    Weit, weit ist das Land! Gute Reise weiterhin und noch viele überdimensionale große Pudels und wenige hautnahe Bären 🫶 deM

  2. Guili

    Huhu ihr Globelsüssi‘ s,
    was für ein toller Hund, mit so ausgefallener Farbe und Locken.
    Wie gut das ihr Eure Mützen auch bei Nacht tragt🤗genau richtig, da kann einen nix passieren. Wahrscheinlich schützen die Euch auch vor den Bären.
    Schlaft gut😘😘😘and sweet dreams
    Eure Guili

    • Chérie

      Liebste Guili! Die Mützen sind natürlich Bärenabwehrcaps. Helfen übrigens auch gegen Mücken und Kojoten. Wenn die denn keine schönen Locken haben. Aus dem Sweetdreamsland mit Liebe – auch an den Zoo und das Beinchen. Deine Globetrottels

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