Unser Tag in der Hochwüste startet mit Büroarbeit. Unsere nächsten Schritte benötigen ein permit: denn ab hier beginnt ernsthaft Alienland.
Da sich Chouchous „Doktor“ bereits in der Vergangenheit häufig als Türöffner bewährt hat, ist er es, der heute den Antrag stellen muss: Globetrottels applying for paranormal passport. Take us home please.
Die extraterrestrische Behörde erkennt Chouchou direkt als einen der ihrigen: Passport approved. Welcome home. Ein Lichtstreifen am Himmel, zweimal zischt es, ab nun sind wir ganz legal unterwegs in Richtung Area 51. Wenn wir denn Fledermausland überleben….
Kurz hinter Austin („social distancing since 1862”) biegen wir rechts ab auf den Highway 376. Und bereits nach den ersten Meilen wird klar, dass der Highway 50 die heimische Tourismusbehörde mit einem cleveren Schachzug bestochen haben muss: „the loneliest road of the USA“ kann er nicht sein. Denn auf dem Highway 376 ist nochmal sehr viel weniger los.
Highway 376, hallo Fledermausland.
Jedem, der in der endlosen Weite dieser bunten Wüstenstrecke Halluzinationen entwickelt, dem darf gesagt sein: Ganz falsch liegst du nicht. Surreale Farben meilenweit, einsame Briefkästen ohne Häuser am Straßenrand, flirrende Hitze unter einer Sonne, die niemals unterzugehen scheint.

Auf dieser schnurrgeraden Straße, dessen Fluchtpunkt im flimmernden Nichts verschwindet, verlieren wir binnen Minuten jegliches Gefühl für Zeit und Entfernung. Berge am Horizont wirken zum Greifen nah, sie kommen allerdings nicht näher. Ein Blick auf die Uhr sagt, wir seien 20 Minuten gefahren; 20 Minuten, die sich wie Stunden anfühlen. Fledermausland eben.
Nach ungefähr sechzig Meilen erste Bruchstücke von Zivilisation: eine Baustelle kurz vor Sunnyside, mitten im Shoshonenreservat. Wir halten hinter einem Mülllaster, dessen Fliegen die Pause nutzen, um das Fahrzeug zu wechseln. Sie wollen anscheinend auch nach Alienland – ohne paranormalen Pass.
Der Fahrer kennt sich bestens mit der heimischen Pflanzenwelt aus: „Duranium“, ruft er mir entgegen, als ich ein orangenes Gewächs am Wegesrand fotografiere, in einer Pause, von der niemand weiß, wie lange sie eigentlich dauert.
Irgendwann blinkt es grün: Müllwagon und Magicbus setzen sich wieder in Bewegung. Hinter Sunnyside biegt der Laster ab, die Fliegen fahren mit uns weiter geradeaus. Erste befremdliche Bergformationen tauchen auf, von denen Irdische behaupten würden, es handele sich um Silberabbau. Es könnten aber auch extraterrestrische Pyramiden sein: günstige Teotihuacan-Kopien.
You are the one choosing the persepective.
Unser paranormaler Pass führt uns an unseren ersten Halt: Manhattan.
Der angebliche Geisterort liegt 8 Meilen östlich des Highways: übers Viehgatter holpern, vorbei an den Gabelantilopen und einmal über die Hügel mit dem silbernen Boden – am ehesten Alienlockstoff.

Manhattan in Nevada. Etwas weniger prätentiös als sein Namensvetter aus dem Osten. Um nicht zu sagen: verlottert. Statt der angeblichen Geister leben hier 124 Menschen, irgendwo zwischen Kirche, Saloon, Feuerwehr und einem Schild, dass für Goldschürfgenehmigungen à 5 Dollar wirbt.

Wir fahren die einsame Hauptstraße einmal rauf und wieder runter auf der Suche nach außerirdischen Zeichen. Nichts. Das Paranormalste ist und bleibt Chouchou, der heute ausnahmsweise Sonnenbrille trägt und es schafft, den Cakepop mit dem ersten Happs so zu zerlegen, dass das edele Bällchen konsterniert vom Stiel fällt und auf nimmer Wiedersehen im Fußraum verschwindet. Egal – war eh nur eine Süßigkeit für Feingeister.
Kurz vor Tonopah die nächste Zivilisation: ein Gefängnis im Nichts. Schilder weisen darauf hin, dass man bitte keine Tramper mitnehmen soll, am Eingang ein Bild hartarbeitender Männer mit Hacken, Fußfesseln werden nicht mit abgebildet. Das hier ist Nevada, baby.
Tonopah: nächster extraterrestischer Stopp laut unseres Passes.
Im Clownshotel spukt es, auf dem alten Friedhof liegen Untote, die unter bemerkenswerten Umständen ums Leben kamen. Unter ihnen die größte Heiratsschwindlerin Nevadas, die allerdings –ganz profan– von guten, alten Drinks dahingerafft wurde. Es kann ja schließlich nicht jeder hochgebeamt werden.
Mit Blick auf die weite Ebene parken wir für heute Nacht ein.

Am Horizont glänzt ein leuchtender Stab: angeblich ein überdimensionaler Solarkollektor. Genau.

Dahin starren wir jetzt die ganze Nacht. Gespannt, wen man hier alles so anliefert.
Über den –vollkommen peinlich ersichtlichen– Teleporter…













