In Ashcroft verabschiedet man uns wie alte Freunde. Shannon und Stew schreiben uns als alte Insulaner noch flott die besten Camps auf Vancouver Island raus, bevor wir wieder die Straße „hitten“. Shannon sagt, sie könne auf ihrer Terrasse die Orcas zählen und wir freuen uns sehr – auf potentielle Walaussichten und ob so viel freundlicher Zuneigung.
Aus Ashcroft heraus führt nur eine staubige Straße bergan, der Magicbus muss also von Null auf Hundert starten. Das passt ihm gar nicht , das zeigt er uns auch nach dem ersten Kilometer bereits: sein klägliches Heulen soll uns –lauter denn je zuvor– den gesamten Tag begleiten. Eine Geduldsprobe für uns alle. Wie gut, dass VW Chilliwack nicht mehr allzu weit weg ist.
Das Highlight des Tages kommt gleich zu Beginn, noch lange vor Rückkehr auf den transkanadischen Highway. Das berühmt-berüchtigte Obst und Gemüse dieser trockenen, und doch so fruchtbaren Erde, wollen wir uns nicht entgehen lassen. Daher biegen wir an der Desert Hill Ranch erstmal rechts ab. Und landen mitten in Mexiko.
Über der Farm lärmt mexikanische Mukke. Statt Einkaufwagen gibt es einen Bollerkarren für jeden. Ziegen, Hasen und Küken zum Streicheln am Eingang. Das Obst und Gemüse mittenmang in Großverbrauchermengen aufgebahrt, mittendrin wuseln geschäftige Farmersgesellen.
Menschen reisen wegen der hervorragenden Qualität und der unschlagbaren Preise für die vor Ort gezogenen Schätze Hunderte von Kilometern an. In unserem Fall knappe 16400km. Und es lohnt sich.

Wir verlassen die lustige Farm mit Lebensmitteln, die eine Familie über den Winter tragen kann. Und beißen fröhlich in saftige Äpfel, knackiges Sellerie und schmackhafte Tomaten, noch bevor der Bulli das Heulen wieder starten kann.
Also: vor dem Drehen des Zündschlüssels.
Die letzten transkanadischen Highwaykilometer liegen vor uns. Auf der „scenery route“, sagt Shannon. Sie soll Recht behalten.

Wir starten in der Wüste, ackern uns Berge hoch und wieder runter, um in einem Canyon am östlichen Rande der Rockies wieder ausgespuckt zu werden. Bighorn Schafe trotten vorüber, mal wieder ein Buschfeuer und die Adler sind zurück –oder waren sie nie weg? Ich weiß es nicht.
Kanadas Landschaft – in all ihrer Unterschiedlichkeit—war, ist und bleibt atemberaubend.

Apropos „rauben“: Nervenraubend bleibt auch das Dauerheulen des Bullis. Sagte ich schon, wie gut es ist, dass VW Chilliwack nicht mehr all zu weit weg ist?!
Als wir nach den Jackass Mountains (sic!) auf die Trasse gen Vancouver abbiegen, hat sie uns nun tatsächlich gänzlich zurück: die menschliche Zivilisation.

Nichts, wirklich gar nicht nichts, ist hier mehr still. Oder verlassen oder anheimelnd. Und wir ein Stück weit überfordert mit der Gesamtsituation.
Chilliwack. Kurz nach Jackass Mountain.
Zugegeben, der Name ist richtig cool. Das muss aber auch so sein, denn Chilliwack selbst ist durchweg hässlich.
Wir jaulen uns von Rotphase zu Rotphase im dichten Verkehr.
Anheimelnd wirklich sehr adé. Eigentlich wollen wir bereits jetzt wieder zurück in Richtung Einsamkeit.
Kurz hinter Chiliwack liegt der Cultus Lake.
Hinter Golfplatz, Bootsrampe, Wassersuperspaßpark, Casino, Motelkettenstädtchen und Souvenirshops liegt der State Campground. Ziemlich bumsvoll.
Ein halbes Plätzchen hat´s für uns aber noch, „for one night: twentynine and a half“.
Eigentlich ein sehr schönes Motto – wenn man sich zivilisationsgeübt durch ein wildes Nachtleben schlägt, zum Beispiel. Leider sind wir davon noch weit entfernt.

Aber wir werden uns wieder üben: an Menschen, an „zurück in Zivilisation“, vielleicht irgendwann auch wieder in einer Bar. In irgendeinem wilden Nachtleben.
For one night: twentynine and a half.
An einem warmen, kanadischen Sommersee, Zehen in die Wellen tauchen, eine verheißende Sonne geht leuchtend über Bergen kurz vor den USA unter.

For one more night twentynine and a half in Chilliwack.
Für eine Nacht mal wieder neunundzwanzigeinhalb sein. KnickKnäck in Chilliwack.
29 and a half. With a great vision and a pocket full of dreams and a dad.
Sounds good. Das nehmen wir.








Hey ihr beiden, da seit ihr an Kamloops und Sun peak schon vorbei, wo ich 2020 meine Tochter Paulina auf der Farm besucht habe und wir Skilaufen waren. Viel Spaß in der turbulenten Stadt und ich halte alle Daumen, dass der Bulli hält. Meiner (von 1996) fährt auch noch. Leider nicht mit mir sondern mit meinem Freund Andre und hat schlappe 670000km runter.
Lieber Klaus!
Du machst uns Mut.
Vielleicht weint der Magicbus auch, weil wir Deinen Sun Peak haben vorbei rauschen lassen!?
Du kennst die Gegend, Du weißt, wie schön es hier ist.
Wir grüßen die große Stadt von Dir.
Von Herzen,
Deine Globetrottels